Kinderbetreuung:Auf die unkomplizierte Art

Kinderbetreuung: Prisca Böhn nimmt Abschied.

Prisca Böhn nimmt Abschied.

(Foto: Claus Schunk)

Prisca Böhn hat mit ihrer freundlichen Art über Jahre den offenen Familientreff in Ottobrunn geprägt. Die Zukunft des Netzwerks ist gesichert

Von Daniela Bode, Ottobrunn

Prisca Böhn klingt am Telefon sofort sympathisch. Sie hat eine angenehme Stimme, sie lacht viel. Wenn so jemand einen offenen Familientreff leitet, den Eltern mit ihren Kindern besuchen, um sich in einer unkomplizierten Atmosphäre zu treffen, ist das eine glückliche Fügung. Elf Jahre hat die 55-Jährige den Familientreff der Gemeinde Ottobrunn im Haus der evangelischen Jugend geleitet, seit vielen Jahren mit ihrer Kollegin Elke Sandmann. Sie freitags, die Kollegin dienstags. Nun hat sie aufgehört, weil sie bald eine andere Stelle antritt. "Es war eine tolle Zeit, ich freue mich aber auch auf meine neue Aufgabe", sagt sie.

Man kann sagen, Böhn ist mit ihren eigenen Kindern in die Leitung des Familientreffs hineingewachsen. Denn von der Ausbildung her kommt sie aus einer ganz anderen Ecke. Sie ist Diplomingenieurin für Elektrotechnik. Anfang der 2000er Jahre besuchte sie selbst mit ihren Kindern in dem Haus eine Mutter-Kind-Gruppe, 2006 übernahm sie dort eine solche Gruppe. Seit 2009 bot sie einen Musik-Garten an, also eine musikalische Eltern-Kind-Gruppe. Anfang der 2000er hatte sich auch der offene Familientreff etabliert, den Böhn dann 2010 an den Dienstagen von ihrer Freundin Ursula Zenker übernahm.

Beim offenen Familientreff dienstags und freitags von 9.30 bis 11.30 Uhr konnten und können sich Mütter mit ihren Kindern treffen, sich austauschen, sie können spontan kommen. Von Bobbycars über Puppen und Puppenwagen können die Kleinen dort alles ausprobieren. "Es ist sehr locker, das ist das Schöne", sagt Böhn. Man kommt zusammen, Böhn und ihre Kollegin richteten jede an ihrem Tag Frühstück mit Brezen, Marmelade, Kaffee her. "Das ist toll, es ist komplett kostenlos", sagt Böhn. Die Gemeinde übernimmt die Kosten für die Verpflegung. "Wir lassen die Leute laufen, aber es ist jemand da, falls etwas ist", sagt Böhn. Immer wieder einmal gab sie den Kindern Spielanregungen. Jedes Treffen beendete sie mit einer Singrunde. Wenn bei den Müttern einmal Fragen zum Ess- oder Schlafverhalten ihrer Kinder aufkamen, half sie mit "positiver Unterstützung", wie sie es nennt.

Offensichtlich kam und kommt all das bei Eltern und Kindern gut an. Denn wie Böhn erzählt, kommen im Jahr 30 bis 40 Familien regelmäßig. "Es ist schön, wenn die Leute wiederkommen", sagt Böhn. Vor der Corona-Pandemie trafen sich immer zehn bis 15 Mütter, Väter, Kinder, auch eine Familienhelferin mit einem Flüchtlingskind war gelegentlich dabei. Wie Böhn erzählt, kamen Menschen aus 15 bis 20 Nationen. Seit der Pandemie sind wegen der Kontaktbeschränkungen maximal zehn Erwachsene erlaubt. Die Kinder sind zwischen sieben oder acht Monate und um die drei Jahre alt. Erst vor kurzem hörte Böhn eine Mutter, die neu dabei war, sagen, wie begeistert sie sei, weil das Treffen so "offen und unkompliziert" ablaufe. In der Lockdown-Zeit hielten die Teilnehmer des Familientreffs über eine Whatsapp-Gruppe Kontakt, die mittlerweile um die 80 Mitglieder hat. In den Ferien verabreden sie sich nun über die Gruppe zu Spielplatztreffen im Ort.

Nach den Ferien wird Sandmann weiter die Dienstagstreffen leiten, freitags wird künftig Marianne Lisk, die selbst vier Kinder hat und mit dreien den Familientreff besucht hat, die Gruppe übernehmen. Sie will den Treff wie bisher fortführen, vielleicht bei den Liedern mehr die Jahreszeiten betonen, wie sie sagt. Böhn indes freut sich über die Nachfolge. Sie ist froh, die Gelegenheit gehabt zu haben, "Berufserfahrung zu sammeln und jetzt als Quereinsteigerin eine Festanstellung zu bekommen". Sie wird künftig im Haus der Familie in Obersendling arbeiten, wo sie schon Musikgärten angeboten hat.

© SZ vom 21.08.2021
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