Kinderbetreuung Alles andere als ein Zwergerlaufstand

Blick durchs Fenster in den früheren Räumen der Zwergerlstube in der Alten Apotheke. Dort will man nach der Sanierung wieder einziehen.

(Foto: Angelika Bardehle)

Mütter und Väter protestieren im Rathaus, weil die Elterninitiative "Zwergerlstube" wieder einmal vor ungewisser Zukunft steht. Die ehrenamtlich geführte Einrichtung erfüllt die Aufgaben eines Familienzentrums. Doch eine feste Bleibe fehlt

Von Bernhard Lohr, Höhenkirchen-Siegertsbrunn

Um die 30 Personen stehen Donnerstagabend vor dem Rathaus zusammen. Vor allem Frauen sind da. Es wirkt für einen Moment, als fände eine Demo statt. Und ganz falsch ist das auch nicht, wie sich kurz darauf im Sitzungssaal zeigt. Dort ergreift Britta Werhahn das Wort, die all die Leute zusammengetrommelt hat, um mit diesen auf einen Missstand in Höhenkirchen-Siegertsbrunn hinzuweisen. Die seit 40 Jahren existierende Elterninitiative "Zwergerlstube", die für um die 90 Familien mit ihren Kindern ein zweites Zuhause ist, steckt in einer existenziellen Krise.

Britta Werhahn hat schon öfter vor dem Gemeinderat die Interessen der Eltern vertreten. Erst vor kurzem stand sie genau so da wie jetzt, und beklagte, dass die "Zwergerlstube" mit ihren Eltern-Kind-Gruppen und ihrem Spielkreis von einem Tag auf den anderen damit konfrontiert wurde, einen ihrer beiden Gruppenräume im Untergeschoss der Kinderkrippe Farbenfroh an der Angerstraße abtreten zu müssen, damit Kindergartenkinder einen Bewegungsraum bekommen. Sie forderte damals die Gemeinde auf, Alternativ-Räume zu finden. Sie schob einen schriftlichen Antrag nach. Und jetzt steht Werhahn wieder da und pocht - mit den Müttern und einigen Vätern hinter sich stehend - auf Fortschritte. "Wir sind enttäuscht, dass der Antrag heute nicht auf der Tagesordnung steht", sagt sie. Die Lage sei brisant. Die Eltern seien auf die Angebote angewiesen. Es handle sich um eine "wichtige familienbegleitende Einrichtung" am Ort. Sie frage sich, sagt Werhahn, wer die Verantwortung auf sich nehmen möchte, dass diese zerstört werde.

Es folgt eine 45-minütige Diskussion, in der Bürgermeisterin Ursula Mayer (CSU) zunehmend unter Druck zu erklären versucht, dass ihr Handlungsspielraum begrenzt sei. "Wir können schlicht und ergreifend nicht zaubern", sagt sie und beteuert, gemeinsam mit der Verwaltung alles in ihrer Kraft stehende zu tun, um das Problem zu lösen. "Was glauben Sie, was wir tun?" Die Gemeinde suche Räume, aber das sei schwierig bei der Lage auf dem Wohnungsmarkt. Wie sich herausstellt, hat sich eine Option, Räume der katholischen Kirche zu nutzen, zerschlagen, weil Pfarrer Toni Wolf Bedingungen stellte. So sollte es bei kirchlichen Veranstaltungen, wie Werhahn sagt, "mucksmäuschenstill" sein. Nicht machbar, sagt sie.

Der Blick in die Runde im Sitzungssaal bestätigt, was immer wieder gesagt wird. Höhenkirchen-Siegertsbrunn ist eine Kommune, die starken Zuzug vor allem von jungen Familien erfährt. Die Elterninititiative "Zwergerlstube" ist für diese eine der ersten Anlaufstellen. Sie ersetzt ein Familienzentrum, die Arbeit wird ehrenamtlich gemacht, nur die Räumlichkeiten und die Betriebskosten übernimmt die Gemeinde. Doch die Kommune tut sich schwer, ihren Beitrag zu leisten. Vor fünf Jahren musste die Zwergerlstube wegen Brandschutzmängeln die Alte Apotheke verlassen. Jetzt steht der nächste Auszug an. Werhahn, Mitglied im Leitungsgremium der Zwergerlstube, sagt, man werde eine weitere Übergangslösung akzeptieren, wenn Eltern-Kind-Gruppen und Spielkreis zusammenbleiben könnten. Auf lange Sicht setze man darauf bei der Sanierung der Alten Apotheke mitreden und dann dort einziehen zu können.

Auf Anregung von SPD-Fraktionssprecherin Mindy Konwitschny soll nun in der nächsten Sitzung über den Antrag geredet werden. Mayer kündigt an, mit einem Lösungsvorschlag in die Sitzung zu gehen. Sie habe schon zwei Ideen, sagt sie. Aber es werde wohl nicht gelingen, für eine Übergangszeit beide Einrichtungen der Zwergerlstube zusammenzuhalten. Bis September könne diese aber in den jetzigen Räumen sicher weiterarbeiten. Konwitschny: "Bis September, das ist sehr knapp."