ForschungsreaktorNeuer Meilenstein für Kernfusion in Garching geplant

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Ein Monteur arbeitet im Plasmagefäß des Forschungsreaktors „Wendelstein 7-X“ in Greifswald. Dieser gilt als Vorbild für eine Demonstrationsanlage in Garching.
Ein Monteur arbeitet im Plasmagefäß des Forschungsreaktors „Wendelstein 7-X“ in Greifswald. Dieser gilt als Vorbild für eine Demonstrationsanlage in Garching. Stefan Sauer/dpa
  • Bayerns Ministerpräsident Söder kündigt den Bau dreier Kernfusionsanlagen in Bayern an, darunter einen Demonstrationsreaktor in Garching.
  • Das Max-Planck-Institut für Plasmaphysik in Garching will mit Start-ups eine Anlage bauen, die erstmals mehr Energie erzeugt als zugeführt wird.
  • Für die Demonstrationsanlage in Garching sind Investitionen von Hunderten Millionen Euro geplant, Finanzierungsverfahren des Bundes stehen bevor.
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Bayerns Ministerpräsident Söder kündigt den Bau einer Demonstrationsanlage an. Investitionen von Hunderten Millionen Euro sind geplant, um die Technologie für eine praxistaugliche Energieproduktion zu erforschen.

Von Bernhard Lohr, Garching

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Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat auf der Klausur der Landtagsfraktion in Kloster Banz angekündigt, im Freistaat den Bau dreier Anlagen zur Kernfusion angehen zu wollen. In Kürze sollten entsprechende Absichtserklärungen für Standorte in Garching und Gundremmingen unterzeichnet werden. Es geht um die ersten Anlagen dieser Art weltweit. „Wir wollen da ein absolut internationaler Player sein“, sagte Söder der Agentur dpa zufolge.

Konkret geht es um den Bau eines Demonstrationsreaktors in Garching, wo das Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) seit Längerem an den Grundlagen für eine solche Anlage forscht und dabei mit Start-ups wie Gauss Fusion GmbH in Garching und der Münchner Proxima Fusion GmbH kooperiert. „Wir streben tatsächlich den Bau einer solchen Anlage in Garching an“, bestätigt IPP-Sprecher Frank Fleschner. Der Demonstrator solle für das technische Konzept eines sogenannten Stellarators, eines Fusionsreaktors, erstmals zeigen, dass mehr Energie erzeugt werden könne, als von außen zugeführt werden müsse. Er sei als Zwischenschritt zu einem Kraftwerksbau vorgesehen. Fleschner sagt, als Nächstes „sind Bewerbungsverfahren des Bundes für eine Finanzierung geplant“. Der Freistaat habe bereits mehrfach Absichtserklärungen abgegeben.

Als Standort für den Bau eines Kernfusionskraftwerks als weiteren, nächsten Schritt nannte Söder in Kloster Banz das Areal des ehemaligen Atomkraftwerks in Gundremmingen. Ferner sprach er laut dpa von dem Wunsch, „in Südbayern“ einen kommerziellen Fusionsreaktor an den Start zu bringen. Dieses Projekt sei aber bisher nicht spruchreif. In Garching geht es technisch um eine Magnetfusionsanlage, analog dazu würde später das Kraftwerk in Gundremmingen entstehen. Bei der Anlage in Südbayern käme nach Söders Worten Lasertechnologie zum Einsatz.

Die Forscher in Garching sind jedenfalls bereit, den Bau einer solchen Demonstrationsanlage mit ihren kommerziellen Partnern anzugehen. „Wir sind das führende Institut in Deutschland“, sagt Fleschner, „und auf dem Gebiet der Stellaratoren auch in der Welt.“ Einen Vorläufer für das, was in Garching vorgesehen ist, hat das IPP an seinem Standort in Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern mit dem Projekt „Wendelstein 7-X“ umgesetzt. „Der Demonstrator würde gemeinsam mit der Anlage in Greifswald die Grundlagen für ein kommerzielles Kraftwerk legen“, sagt Fleschner. Für die Anlage in Garching steht nach Einschätzungen aus Fachkreisen eine Investition von Hunderten Millionen Euro im Raum. In den Stellarator in Greifswald floss eine Milliardensumme.

Der Stellarator „Wendelstein 7-X“ in Greifswald wurde  2015 fertiggestellt. Die Firma Proxima Fusion, eine Ausgründung aus dem IPP, spricht von der „weltweit fortschrittlichsten“ Anlage und hat vergangenes Jahr Pläne vorgelegt, wie auf deren Basis mithilfe moderner Hochtemperatur-Supraleiter und mit den Möglichkeiten des Supercomputings eine funktionierende Anlage zur Stromproduktion weiterentwickelt werden kann.

Die Kernfusion gilt vielen als große Hoffnung für eine sichere Energieversorgung der Zukunft. Anders als bei der Kernspaltung fällt kein hochradioaktiver Abfall an, und die Lagerzeiten wären deutlich kürzer. Doch die technischen Herausforderungen bei der Fusion sind groß, schließlich geht es darum, wie auf der Sonne Energie zu gewinnen und diesen Vorgang zu industrialisieren. Plasma muss auf mehr als 100 Millionen Grad Celsius erhitzt werden, um Atome zu verschmelzen, was bisher nur für kurze Zeit gelang. Dabei wird seit Jahrzehnten mit Lasertechnik und mit Magnetfeldern experimentiert.

Bei der Magnettechnik galten lange sogenannte „Tokamak“-Anlagen als vielversprechend. Stellaratoren mit ihrer komplexen Magnetfeldgeometrie sind bislang weniger erforscht als Tokamaks, verfügen aber physikalisch nach Überzeugung der IPP-Forscher über bessere Eigenschaften für einen Kraftwerksbetrieb.

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