Katastrophenschutz:Mit dem Heulton ist es zum Heulen

Katastrophenschutz: Die Sirene auf dem Ottobrunner Feuerwehrhaus kann auch vor Katastrophen warnen.

Die Sirene auf dem Ottobrunner Feuerwehrhaus kann auch vor Katastrophen warnen.

(Foto: Claus Schunk)

Nur in zwei Gemeinden des Landkreises München können Sirenen vor schweren Gefahren warnen - das bleibt vorerst auch so.

Von Martin Mühlfenzl, Garching

Eine Minute lang dauert der an- und abschwellende Heulton, der die Bevölkerung eindringlich warnt und dazu aufrufen soll, bei schwerwiegenden Gefahren für die öffentliche Sicherheit das Radio einzuschalten und auf Durchsagen zu achten. Zu hören ist dieser Ton im Landkreis München allerdings nur in den Gemeinden Ottobrunn und Neubiberg, denn nur dort sind die Sirenen der Freiwilligen Feuerwehren so ausgerüstet, dass sie die Menschen auch lautstark mit dem Heulton warnen können.

Im Lichte der jüngsten, verheerenden Naturkatastrophen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen, aber auch in Bayern, sah sich Claudia Köhler, Landtagsabgeordnete und Kreisrätin der Grünen aus Unterhaching, in der Kreistagssitzung am Montagnachmittag in Garching dazu veranlasst, auf die Sicherheitslage und Schutzvorrichtungen im Landkreis hinzuweisen. Viel sei in den vergangenen Tagen über Sirenen als Hilfsmittel gesprochen worden, sagte Köhler, die selbst Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Unterhaching ist. Daher sei es sinnvoll aufzulisten, welche Sirenen in den 29 Städten und Gemeinden zwingend nachgerüstet werden müssten. Als Beispiel benannte Köhler die Feuerwehren in Garching und Hochbrück, die dieses Warnsignal schon aufgrund ihrer Nähe zum Forschungsreaktor gut gebrauchen könnten; aber diese Maßnahme, so die Grüne, sei bisher immer aufgrund der Kosten von etwa 50 000 Euro im Stadtrat abgelehnt worden.

Zudem wünsche sie sich, sagte die Grüne, dass der Landkreis die Menschen über die Bedeutung der unterschiedlichen Warnsignale, die Feuerwehrsirenen aussenden können, aufklärt. "Die Bevölkerung muss darauf vorbereitet werden, gerade die Jüngeren wissen ja gar nicht mehr, wie hört sich ein Probealarm an, wie hört sich ein echter Alarm an", sagte sie.

Landrat Christoph Göbel (CSU), 46, entgegnete, so alt müsse die Bevölkerung gar nicht sein, um die Alarmsignale zu kennen: "Ich habe das noch in der Schule und beim Wehrdienst gelernt." Bezogen auf den Katastrophenschutz sagte der Landrat aber sehr ernsthaft: "Es gibt allerhand nachzuholen. Wir haben im Landratsamt auch schon Überlegungen laufen, wie wir das verbessern können." In vielen Bereichen aber - etwa bei den Sirenen - sei der Landkreis überhaupt nicht zuständig. Daher machte Göbel auch deutlich, er werde in seiner Behörde sicher keinen Überblick über den Bestand an Sirenen und Warnsignalen einholen oder gar Kostenschätzungen in Auftrag geben.

Im Landkreis gibt es bis auf fünf Ausnahmen in allen Kommunen Sirenen. Der Landkreis verfügt zudem bereits seit einigen Jahren über neun mobile Sirenenanlagen, die auf drei Standorte verteilt sind. Im Vergleich dazu: Alleine die Freiwillige Feuerwehr Ottobrunn hat im Gemeindegebiet fünf Sirenen - die alle den Heulton abgeben können.

© SZ vom 27.07.2021/hilb
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