Kanzlerkandidatur:Enttäuschung bei der kleinen Schwester

CSU-Politiker aus dem Landkreis bedauern, dass Markus Söder nicht Frontmann der Union wird, und befürchten einen schwierigen Wahlkampf.

Von Stefan Galler, Landkreis

Kanzlerkandidatur: Ungehörtes Angebot: Markus Söder (Mitte) wird nicht Kanzlerkandidat der Union, Ernst Weidenbusch (li.) und Florian Hahn (re.) gefällt das nicht.

Ungehörtes Angebot: Markus Söder (Mitte) wird nicht Kanzlerkandidat der Union, Ernst Weidenbusch (li.) und Florian Hahn (re.) gefällt das nicht.

(Foto: Claus Schunk)

Richtig erfreut klingen sie am Dienstagnachmittag alle nicht, die CSU-Politiker aus dem Landkreis München. Am Mittag hatte ihr Parteivorsitzender und bayerischer Ministerpräsident Markus Söder seinen Verzicht auf die Kanzlerkandidatur der Union für die bevorstehende Bundestagswahl im September erklärt - nachdem das CDU-Präsidium Armin Laschet, dem CDU-Parteivorsitzenden, das Vertrauen ausgesprochen hatte.

"Zunächst mal ist es gut, dass eine Entscheidung getroffen worden ist", sagt der CSU-Kreisvorsitzende und Bundestagsabgeordnete Florian Hahn, räumt dann aber doch ein, dass er sich "einen anderen Ausgang gewünscht" habe; einerseits in seiner Funktion als stellvertretender Generalsekretär, "aber vor allem auch als Bayer". Nun sei es Zeit, sich wieder den politischen Inhalten zuzuwenden. Der Putzbrunner ist der Meinung, dass der Wahlkampf mit Söder für die Union einfacher geworden wäre, alleine schon wegen der guten Umfragewerte. "Aber in einer Demokratie muss man auch parteiinterne Mehrheitsentscheidungen akzeptieren." Er sei überzeugt, dass die Union auch mit Laschet an der Spitze der Kampagne "die richtigen Inhalte hat, um die Bürger zu überzeugen".

Da klingt der CSU-Landtagsabgeordnete Ernst Weidenbusch deutlich weniger diplomatisch: "Der Union droht ein historisch schlechtes Wahlergebnis, da wäre es für Markus Söder einfach gewesen zu sagen: Macht ihr mal, mit dem Resultat will ich nichts zu tun haben." Genau das aber habe der CSU-Vorsitzende nicht getan, sondern "jede mögliche Unterstützung angeboten", so Weidenbusch weiter. Sich selbst als möglichen Spitzenkandidaten zu positionieren, sei "absolut richtig" gewesen. Der Haarer zeigt sich jedoch sehr enttäuscht darüber, wie die CDU-Spitze dann am Montagabend zu ihrem Votum gekommen ist und dass etwa die Basis nicht ausreichend gehört worden sei: "Das ist der letzte Aufstand der alten Männer in der CDU. Ich befürchte, der Zirkus wird erst durch ein entsprechendes Wahlergebnis beendet."

Nicht ganz so deutlich, aber in der Sache ähnlich konsequent beurteilt Gerlinde Koch-Dörringer, die Kreisvorsitzende der Frauen-Union, die Entscheidung für Laschet als Kanzlerkandidaten der Union: "Im Gegensatz zu Markus Söder, der zu seinem Kurs steht, ist Laschet einer, der sich dreht und wendet und auch immer wieder herumeiert, nur um seine Ziele zu erreichen. Man nehme nur seinen Kurs bei der Pandemiebekämpfung", sagt die Kirchheimerin. Sie hätte schon alleine deshalb einen Kanzlerkandidaten Söder präferiert, weil dieser der einzige Politiker sei, "der uns noch vor der weiterhin auf uns zurollenden Wirtschaftskrise hätte retten können". Dass er nun "um des Friedens Willen zurückgezogen" habe, sei ihm hoch anzurechnen. Jetzt gelte es, mit Geschlossenheit dafür zu sorgen, "dass Laschet gewinnt". Der habe selbstverständlich auch Siegchancen, wenn auch nicht so große, wie sie ihrer Meinung nach Söder gehabt hätte. "Aber ich finde es natürlich auch schön, dass wir ihn als Ministerpräsidenten behalten dürfen", so Koch-Dörringer.

Die bayerische Verkehrsministerin Kerstin Schreyer sieht es ganz ähnlich: "Markus Söder ist ein herausragender Ministerpräsident und wäre als Kanzlerkandidat ein großartiges Angebot für ganz Deutschland gewesen", teilt die Unterhachingerin in ihrem schriftlichen Statement mit. Es sei "absolut richtig" gewesen, "dass wir als CSU der großen Schwesterpartei CDU seine Kandidatur angeboten haben". Söder habe vielfältigen Zuspruch aus allen Teilen des Landes erhalten, letztlich aber habe sich die CDU eben für Laschet entschieden. "Das werden wir natürlich wie angekündigt akzeptieren." Jetzt gelte es, "als Union geschlossen in den Wahlkampf zu ziehen".

Diese Einigkeit beschwört auch Neubibergs CSU-Bürgermeister Thomas Pardeller, der wie viele seiner Parteifreunde kein Hehl daraus macht, dass er klar für Söder als Kandidat gewesen wäre. "Aber die CDU als größere der Schwesterparteien hat in einem bemerkenswerten Verfahren eben für Laschet entschieden", so Pardeller. Er hätte sich gewünscht, dass die Entscheidung auf "einer breiteren Beteiligung der Basis", getroffen worden wäre. "Aber grundsätzlich sei es für die Demokratie gut gewesen, dass sich zwei Bewerber zur Verfügung gestellt hätten.

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