Eines steht fest: Die Brandschutzanlage funktioniert bestens im neuen Kallmann-Museum in Ismaning. Als die Geistlichkeit am frühen Donnerstagabend bei der feierlichen Eröffnung des grundsanierten und erweiterten Hauses im historischen Schlosspark mit einem gut gefüllten Weihrauchkessel in den großen Saal schreitet, lösen die Rauchmelder aus – durchdringend laut und lang anhaltend.
Michael Sedlmair, Altbürgermeister von Ismaning und Vorsitzender des Kallmann-Stiftungsrates, nimmt es bei seiner Ansprache mit Humor. Er hat eine solch feste Stimme, dass sie das Piepsen übertönt. Dreikönig sei noch nah und da dürfte das Räucherwerk freilich nicht fehlen, wenn ein Gebäude Gottes Segen erhalten soll. Doch: „Der Rauchmelder ist der Tod des Weihrauchs“, sagt Sedlmair augenzwinkernd. Noch ehe die Feuerwehr kommt, gelingt es Christa Scharl von der Gemeinde und SPD-Kreisrätin Natascha Kohnen schließlich mit vereinten Kräften, die Warnanlage verstummen zu lassen.
Sedlmair und die Ehrengäste beim Festakt danken den beiden Frauen für ihren beherzten Einsatz mit deutlich entspannten Gesichtern. Und auch den zwei Instrumentalistinnen der örtlichen Musikschule, Nargiza Yusupowa am Cello und Stefanie Plankl am Klavier, ist die Erleichterung anzusehen. Sie umrahmen die Feierstunde mit ihrer Virtuosität und ihrem großen Können.
Nach anderthalb Jahren Bauzeit erstrahlt das weit über die Grenzen von Ismaning und dem Landkreis München hinaus bekannte Kallmann-Museum nun in neuem Glanz. Stiftungsvorsitzender Michael Sedlmair bedankt sich an diesem Abend vor allem bei der Gemeinde für die großzügige Unterstützung: „Denn mit der Übernahme eines wesentlichen Teiles der Baukosten durch die Gemeinde wurde dieser Umbau erst möglich. Ihr Zuspruch, Vertrauen und kulturelles Engagement ehren uns sehr.“ Für Ismaning, geprägt durch Schloss und den besonderen Ortskern, gehöre gewissermaßen die Kunst zur DNA, sagt Sedlmair, und da liefere das neue Kallmann-Museum einen wunderbaren Beitrag.

Der Altbürgermeister ist nach eigenen Worten überzeugt davon, dass durch das nun geschaffene Mehr an Aufenthaltsqualität, Komfort, Platz und Nachhaltigkeit das Museum noch einmal deutlich an Ansehen zugewinnen werde – „als ein Ort und Hort, wo moderne und zeitgenössische Kunst wirklich zu Hause sind – eben daheim in Ismaning“, so Sedlmair. Landrat Christoph Göbel (CSU) zufolge ist das Ismaninger Haus „ein Juwel“, das jede Unterstützung rechtfertigt.
Sanierung, Umbau und Erweiterung des Hauses haben an die 5,4 Millionen Euro gekostet, mit 3,5 Millionen Euro haben die Ismaninger davon den Löwenanteil getragen; die weiteren Ausgaben für das Vorhaben teilen sich die Kallmann-Stiftung, der Landkreis München, die Bayerische Landesstiftung und der Kulturfonds wie auch das Bundeswirtschaftsministerium.
Für Museumsleiter Rasmus Kleine, der sich bei der Feierstunde nicht nur stolz zeigt, sondern auch überglücklich, wie er sagt, ist die gemeinsame Finanzierung ein Zeichnen dafür, „wie wertvoll ein solches Projekt“ ist. Und ein sichtbares Bekenntnis dazu, „dass Kunst und Kultur lebensnotwendig und wichtig für die Demokratie sind“. Gerade in solch herausfordernden Zeiten wie diesen, in denen extreme Kräfte im Land ebensolche Einrichtungen wie das Kallmann-Museum mit seiner zeitgenössischen Kunst eben nicht wollten.

Der Nachbau einer historischen Orangerie aus dem 19. Jahrhundert, im Westteil des Ismaninger Schlossparks gelegen, war 1992 als Museum eröffnet worden. Nach mehr als 30 Jahren in Betrieb, musste das Gebäude saniert werden. Nicht zuletzt auch deshalb, weil sich die Anforderungen an Ausstellungsmacher im Laufe der Zeit mehr und mehr gewandelt haben, was Raumklima, Sonnen- und Brandschutz, Schließ- sowie Sicherheitstechnik eines Museums angeht. Im Zuge der Grundsanierung beschloss die Gemeinde Ismaning, das Haus gleich noch zu erweitern, energetisch autark und barrierefrei zu gestalten. Das Kallmann verfügt nun über 500 Quadratmeter Fläche mit modernen und hohen Räumen, Lichtdecken und einer Alu-Fassade in „Schönbrunner Gelb“, passend zu den umliegenden Gebäuden im Schlosspark.
Das Ergebnis der gemeinsamen Anstrengungen und Arbeit sei beeindruckend und Ausdruck einer positiven wechselseitigen Beziehung, so Bürgermeister Alexander Greulich (SPD): „Ismaning liebt Kunst und Kultur, Kunst und Kultur lieben Ismaning.“ Dass mit dem Umbau des Museums auch noch der seit Langem bestehende Wunsch nach einem Café im Schlosspark in Erfüllung geht, sei erfreulich. Auf dem Vorplatz sollen im Sommer Tische und Stühle unter einem grünen Dach aus Bäumen aufgestellt werden.

Für den Münchner Architekten Max Venus ist das Projekt Kallmann nach eigenen Worten „eine ganz neue Erfahrung“ gewesen. Sein Team und er hätten bislang noch nie an einem Museum gearbeitet. Umso schöner sei es, dass nach einem zeitweise „zähen Weg“ ein Ort der Kunst und Kultur sowie ein Platz zum Wohlfühlen entstanden sei, sagt Venus. Noch nie habe er erlebt, dass „alle so fest hinter einem Projekt stehen“.

