Kallmann-Museum Biografische Zeugnisse

Bilder von Erna Schmidt-Caroll in Ismaning

Von Stefanie Schwetz

Ismaning - Erna Schmidt-Caroll kannte das Leben im Getriebe der Großstadt. 1917 zog die 1896 geborene Malerin, die von 1914 an die Kunstakademie Breslau besuchte, nach Berlin - die Stadt, die schon bald im Begriff war, Metropole zu werden. Kunst, Architektur und Film erblühten dort zu einem kulturellen Kosmos, in dem Freizügiges und Rauschhaftes genauso seinen Platz fand wie politische Visionen. In Berlin war Schmidt-Caroll Meisterschülerin bei Emil Orlik, unterrichtete später an der Schule Reimann, nach dem Krieg in Hannover und Hamburg und arbeitete als Modezeichnerin und Buchillustratorin.

In ihren frühen Arbeiten konzentrierte sich die Malerin auf die Darstellung des städtischen Lebens der Zwanzigerjahre: Menschen im Café, Passanten auf der Straße oder in der Straßenbahn, das Leben am Tag und in der Nacht. Besonders die Frauen, die ein mode- und selbstbewusstes Bild abgaben, wie es vorher und auch lange danach nicht mehr geschah, rückte Erna Schmidt-Caroll in den Fokus ihres künstlerischen Schaffens. Bis heute liefern diese Bilder eine genaue gesellschafts-psychologische Charakterisierung der Zwanzigerjahre. Während der Nazizeit dann der Rückzug auf Motive aus der Natur: die Alpen, das Riesengebirge und Küstenlandschaften.

Unter dem Titel "Erna Schmidt-Caroll. Retrospektive" widmet das Kallmann-Museum Ismaning, Schloßstraße 3b, der Künstlerin derzeit eine Ausstellung mit Werken, in denen sich auch ihre Biografie spiegelt. Bis zum 9. Juli ist die Schau noch dienstags bis sonntags von 14.30 bis 17 Uhr zu besichtigen. Am 2. Juli von 15 Uhr an lädt das Museum zu einer Dialog-Führung mit Sibylle Berteau, Nichte der Malerin, und Museumsleiter Rasmus Kleine ein. Die darauffolgende öffentliche Führung ist 19. Juli, 15 Uhr.