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Junger Forscher:Sternschnuppen aus der Regenrinne

Philipp Meven (links) hat von Armin Kriele eine spannende Aufgabe für sein Praktikum bekommen.

(Foto: MLZ/TUM)

Philipp Meven hat als Schülerpraktikant auf dem Garchinger TU-Campus Staub vom Dach seines Hauses untersucht und sechs Mikrometeoriten gefunden.

Wer kann schon von sich behaupten, er habe ein einwöchiges "Sternschnuppenpraktikum" absolviert? Philipp Meven kam in den Genuss, er nutzte sein einwöchiges Betriebspraktikum in der neunten Klasse, um im Materials Science Lab des Heinz-Maier-Leibnitz-Zentrums Sternenstaub zu untersuchen, den er zuvor aus der Dachrinne seines Elternhauses gefischt hatte. Dabei fand er tatsächlich acht Mikrometeoriten.

Dass der 15-jährige Schüler des Humboldt-Gymnasiums in Vaterstetten überhaupt auf die Idee kam, sein Praktikum am Garchinger Campus der TU München zu machen, ist wohl seinem Vater geschuldet. Martin Meven arbeitet als Physiker am Forschungsreaktor München II, er ist dort verantwortlich für das Einkristalldiffraktometer. Der Vater habe versucht, ihn "sehr früh mit Naturwissenschaften in Verbindung zu bringen", berichtet der Sohn. Vom Ferienprogramm der TU bis zum Praktikum war es dann nicht mehr weit. Als es dann noch um die Themensuche ging, da hatte der technische Leiter des Materials Science Labs, Armin Kriele, die Idee. Martin Meven sagt, Kriele habe Erfahrungen mit Praktika und biete immer interessante Themen an. Für Philipp sollte es der Meteoritenstaub sein.

Mit einfachen Mitteln machte sich der Schüler ans Sammeln. Er positionierte einen Magneten am Rand des Siebs der Regenrinne und umwickelte es sorgfältig mit Cellulose-Papier. Das löste Philipp später mit Aceton auf, übrig blieb der Sternenstaub - nicht nur. Über sechs Monate hinweg hat der Schüler die Partikel gesammelt, deswegen bekam er auch Lob von Kriele: "Philipp hat sein Sternschnuppenpraktikum gewissenhaft vorbereitet." Den Staub legte der Schüler unter eines der Mikroskope, die eine Auflösung von 1:100 bieten. "Mikrometeoriten, also winzige Sternschnuppen, entstehen, wenn Himmelskörper im Weltall zusammenstoßen", erklärt er, wonach er Ausschau gehalten hat. Sie schmelzen beim Eintritt in die Atmosphäre zu runden, glänzenden Objekten zusammen, die eine besondere kristalline Struktur im Innern aufweisen.

Philipp weiß noch nicht, ob er Naturwissenschaftler wird

Drei Tage lang war Philipp beschäftigt, die insgesamt mehr als 18 000 gesammelten Teilchen zu sortieren und zu vermessen. Und wirklich, es waren acht Mikrometeoriten darunter. Eine Röntgenstrukturanalyse ergab, dass ihm zwei Obsidian- und vier Eisen-Nickel-Meteoriten ins Netz gegangen waren. Außerdem fand er viele schwarze Teilchen, die sich als Magnetit erwiesen, das beispielsweise bei Lavaausbrüchen an die Erdoberfläche gelangt. Doch die Mikrometeoriten waren der interessantere Fund. Sie sind winzig klein, sie haben etwa den Durchmesser eines Haares. Zusammen mit Armin Kriele hat Philipp eine Schätzung angestellt, wie viel Sternenstaub der Mensch im Lauf des Lebens einatmet. Die Überschlagsrechnung ergab: sechs Sternschnuppen.

Philipp Meven fand sein Praktikum sehr spannend. "Ich habe mal gesehen, wie es wirklich so abläuft im Labor. Das war fast eine richtige Arbeitserfahrung." Außerdem habe er bemerkt, dass er Physik und Chemie gut gebrauchen konnte bei seiner Arbeit. Und selbst Mathe war hilfreich bei seiner Überschlagsrechnung. "Ich finde es gut, dass man sich in der Schule nicht auf ein Fach spezialisiert", sagt er und sein Vater ergänzt, er finde es gut, wenn die Kinder sähen, dass sie in der Schule Erlerntes später mal gebrauchen können, dass sie "nicht im luftleeren Raum " lernten. Ob er später mal Naturwissenschaftler wird? "Das weiß ich leider noch nicht", sagt der 15-Jährige. Denn da ist noch der Sport, der mit Physik, Chemie und Mathematik konkurriert. Aber bis der Gymnasiast sich entscheiden muss, fallen sicher noch viele Sternschnuppen vom Himmel.

© SZ vom 31.12.2019/hilb

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