Jugendsport beim TSV Brunnthal Nachhilfe für den Trainer-Nachwuchs

Trainer im DFB-Trikot: Philip von Jagemann leitet das Training der E-Jugend des TSV Brunnthal.

(Foto: Sebastian Gabriel)

Mitarbeiter des Deutschen Fußball-Bundes machen in Brunnthal Station.

Von Bernhard Lohr, Brunnthal

Es hätte emotional nochmal eine ganz andere Kiste sein können: Kaum auszumalen, was auf dem Sportplatz des TSV Brunnthal losgewesen wäre, wenn die deutsche Mannschaft das Halbfinale bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland erreicht hätte.

Die Delegation es Deutschen Fußball-Bunds (DFB) hätte garantiert bis in die Haarspitzen motivierte junge Spieler und Trainer angetroffen. Ein Erlebnis war der Besuch des DFB-Mobils in Brunnthal aber auch so. Die DFB-Mitarbeiter fuhren mit einem vollgepackten Kleintransporter und ausgewiesenem Fußball-Verstand im Gepäck an der Jahnstraße vor. Und es folgte eine spannende, lehrreiche Trainingseinheit für die Trainer.

Stefan Lemnitzer kennt als zweiter Jugendleiter beim TSV Brunnthal all die Freuden und Probleme, mit denen ehrenamtliche Trainer in Vereinen im Münchner Umland zu kämpfen haben. Der Zuzug von Familien ist stark. Viele Kinder streben in die Vereine und wollen kicken. Doch woher sollen die Betreuer kommen? Ein niveauvolles Training zu gewährleisten, ist eine Herausforderung. Lemnitzer setzt sehr viele junge Trainer ein, die selbst erst zwischen 14 und 17 Jahre alt sind. Der TSV mache aus der "Not eine Tugend", sagt er. Natürlich würden den Mannschaften auch immer noch erwachsene Betreuer zugeteilt. Doch ohne die jungen Trainer würde es nicht gehen.

Damit diese Jungspunde auch etwas vermitteln können, ist auch bei diesen erst einmal Ausbildung angesagt. Deshalb fragte Lemnitzer beim Verband an und so kam eins von 30 DFB-Mobilen in Brunnthal vorbei, die mit 300 professionellen Mitarbeitern des Verbands in ganz Deutschland unterwegs sind.

Ein Spiel auf zwei Tore

In Brunnthal zeigten die DFB-Jugendtrainer Philip von Jagemann und Robert Rieger, wie eine anspruchsvolle Trainingseinheit aussehen kann. Es ging um praktische Tipps und Theorie. Jagemann führte mit jungen Spielern des TSV auf dem Platz eine Übungseinheit aus und Rieger erläuterte den Trainern am Spielfeldrand, was da gerade passierte. So wurde zum Beispiel ein Spielfeld mit jeweils zwei Toren auf jeder Seite aufgebaut, auf die zwei Mannschaften gegeneinander spielten. Die Spieler hatten so bei einem Spiel auf zwei Tore die deutlich komplexere Aufgabe zu lösen, welchen Mitspieler sie anspielen sollten. Ziel war laut Lemnitzer, das Passspiel zu trainieren und das "räumliche Sehen" zu verbessern. "Die Kinder trafen häufig die falsche Entscheidung", sagt er. Doch sie hätten im nächsten Moment selbst sofort erkannt, was schief gelaufen war.

Sechs Juniorenmannschaften unterhält der TSV Brunnthal. Vor allem bei den Kindern herrscht Gedränge. Einen Bruch gibt es etwa bei den Zwölfjährigen. Das ist das Alter, in dem die Kinder langsam Jugendliche werden und Brunnthal verlassen, weil sie auf weiterführende Schulen in Nachbargemeinden gehen.

Die Zeit für den TSV ist dann oft nicht mehr da. Oder sie gehen zu einem größeren Club mit anderen fußballerischen Ambitionen. Stefan Lemnitzer aber bremst das nicht. Er will mit Angeboten wie dem DFB-Mobil Trainer und Spieler motivieren. Auf längere Sicht verfolge er das Ziel, allen Trainern zu einer C-Lizenz zu verhelfen.