Jugendliche Ruhestörer:Durch die Bank unerwünscht

Seit mehr als einem Jahr beklagen sich Anwohner in Unterbiberg über nächtliche Lärmbelästigung durch feiernde Jugendliche. Nun will die Gemeinde deren Treffpunkt am Grünanger unattraktiv machen, indem sie die Sitzgelegenheiten abbaut

Von Daniela Bode, Neubiberg

Laute Gespräche, klirrende Flaschen, Musik aus dem Autoradio: Solche Szenen spielen sich seit mehr als einem Jahr immer wieder nachts am Grünanger in Unterbiberg ab, oft auf den Bänken am Teich. Einige Anwohner beklagen sich schon länger über die nächtliche Ruhestörung und sind mit der Gemeinde im Gespräch. Bei einem Ortstermin mit Mitarbeitern der Neubiberger Gemeindeverwaltung und dem stellvertretenden Leiter der Ottobrunner Polizeiinspektion, Robert Fritsch, wurde unter anderem besprochen, dass die Bänke rund um den Teich abgebaut werden könnten. "Wir werden das wohlwollend prüfen", versicherte Ordnungsamtsleiter Fabian Sass. Für die Anwohner ist das ein akzeptabler Weg. "Ich sehe eine Chance", sagte einer von ihnen.

Seit mehr als einem Jahr treffen sich immer wieder freitags und samstags junge Menschen im Alter von etwa Mitte 20 nach 22 Uhr, oft auch nach Mitternacht am Grünanger und stören die nächtliche Ruhe - "rauchend, schreiend, grölend, saufend", wie es ein Anwohner beschreibt. Zu Beginn sei das Verhältnis mit den jungen Leuten noch fast freundschaftlich gewesen. Das sei längst nicht mehr so. Eine andere Anwohnerin erzählt, dass sie sich auch schon Sätze wie "Halt's Maul!" hätten anhören müssen, wenn sie die jungen Leute gebeten hätten, leise zu sein. Allein in den vergangenen drei Monaten, erzählt einer, habe er zwölf Mal die Polizei gerufen. Doch oft seien die jungen Leute schon weg, wenn die Beamten einträfen.

Jugendliche Ruhestörer: Der Teich am Grünanger in Unterbiberg hat sich zu einem beliebten Treffpunkt von Jugendlichen entwickelt - zum Leidwesen der Anwohner geht es dort nachts häufig sehr laut zu.

Der Teich am Grünanger in Unterbiberg hat sich zu einem beliebten Treffpunkt von Jugendlichen entwickelt - zum Leidwesen der Anwohner geht es dort nachts häufig sehr laut zu.

(Foto: Claus Schunk)

Bereits im vergangenen Jahr reagierte die Gemeinde. Als möglicher Alternativtreffpunkt wurden zwei Bänke an der Zwergerstraße beim Parkplatz an der Bundeswehruniversität aufgestellt. Wie die Anwohner berichten, würden diese aber nicht von den Jugendlichen angenommen. Vor drei Monaten ließ die Gemeinde deshalb Schilder am Teich aufstellen, die auf ein mögliches Bußgeld hinweisen, wenn gegen die Nachtruhe zwischen 22 und 7 Uhr verstoßen wird. Dies begrüßen die Anwohner. Bei dem Ortstermin fragten sie nach, ob dann auch tatsächlich Bußgelder verhängt werden.

Fritsch und die Gemeindemitarbeiter signalisierten den Anwohnern, dass vielleicht nicht alles möglich sei, was sie sich wünschten, dass man aber alles tue, was man könne. Ordnungsamtsleiter Sass informierte, dass für ein Bußgeld tatsächlich gegen etwas verstoßen werden müsse und gab zu erkennen, dass das nicht unbedingt leicht festgestellt werden könne. Dennoch regte er die Anwohner an, der Polizei oder der Gemeinde Vorfälle zu melden. "Wir scheuen uns nicht vor dem Verfahren", sagte er. Fritsch bestätigte, dass die jungen Leute oft schon wieder weg seien, wenn die Polizei komme. Man müsse die jungen Leute aber antreffen. Im Rahmen der Amtshilfe könnte die Polizei dann die Personalien aufnehmen und dem Ordnungsamt weiterleiten. Dieses könne dann ein Ordnungswidrigkeitsverfahren einleiten.

Jugendliche Ruhestörer: Die Gemeinde hat bereits Hinweisschilder aufgestellt.

Die Gemeinde hat bereits Hinweisschilder aufgestellt.

(Foto: Claus Schunk)

Hauptamtsmitarbeiterin Heike Hill wies die Anwohner darauf hin, dass sie im Fall einer Beleidigung zivilrechtlich mit einer Unterlassungsklage vorgehen könnten. Auch gegen eine Anzeige bei der Polizei spreche im Fall einer Beleidigung nichts, ergänzte Fritsch. Der Vertreter der Polizei sprach von einer "unguten Situation", berichtete aber, dass solche Vorfälle in vielen Gemeinden vorkämen.

Die Anwohner regten erneut an, in Unterbiberg einen Jugendtreff zu schaffen, wofür sich der jetzige Bürgermeister Thomas Pardeller (CSU) schon im Wahlkampf ausgesprochen hatte. Letzteres stehe ohnehin auf der To-do-Liste der Gemeinde, den Abbau der Bänke setze sie nun darauf, sagte Hauptamtsmitarbeiterin Hill. Ideen für mögliche Standorte für den Jugendtreff nehme die Gemeinde gerne entgegen. Man sei in Vertretung des Bürgermeisters hier, um zu zeigen: "Die Angelegenheit ist uns wichtig."

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