Jugend musiziert"Mama, Handy aus!"

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Bei dem Regionalwettbewerb für Nachwuchsmusiker stellen mehr als 300 Kinder und Teenager ihr Können unter Beweis. Bei den Auftritten wirken sie teilweise gelassener als ihre Eltern

Von Manuel Kronenberg, Ismaning/München

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Für kurze Zeit herrscht große Aufregung in der Opernschule, ausgelöst durch eines der Jurymitglieder. Es ist kurz nach 12 Uhr. Luise Bachmayer soll gleich mit der Violine vorspielen, hier in dem kleinen Veranstaltungsraum der Hochschule für Musik und Theater. Die Sechsjährige gehört zu den jüngsten Teilnehmern, die an diesem Wochenende beim Regionalwettbewerb "Jugend musiziert" dabei sind. Etwa zwanzig Leute haben auf den Stühlen Platz genommen. Sie tuscheln, ein kleiner Junge ermahnt seine Mutter: "Mama, Handy aus!" Dann setzt sich Luise auf einen Hocker, der neben dem Flügel steht.

Ein Mann aus der Jury tritt vor das Publikum, um das Vorspiel des Mädchens anzumoderieren. Mit Beethoven werde die junge Geigerin beginnen, sagt er, und zwar mit einem "Siciliano". "Nein!", ertönt es da aus den Zuschauerreihen. Eine Frau steht auf und läuft nun ebenfalls vor. Es solle doch das Lied "Marmotte" von Beethoven sein! Nicht, dass die Kleine etwas präsentieren muss, was sie gar nicht vorbereitet hat.

Es herrscht Verwirrung, was spielt Luise denn nun? Die Frau dreht den Musikständer herum, sodass der Juror das Notenblatt sehen kann. Dieser nickt. Stimme doch alles, sagt er: das Lied "Marmotte" im Siciliano-Rhythmus. Das junge Mädchen lässt sich nicht aus der Ruhe bringen und beginnt mit ihrem Vorspiel, welches sie souverän meistert. Die ganze Aufregung war umsonst - meistens sind Eltern und Familie eben viel nervöser als die eigentlichen Stars, ihre Töchter und Söhne, die sich vor ein Publikum und eine Jury wagen.

Thomas Klokkers (links) und Tobias Sonneck gehören zu den Auserwählten, die zum Landeswettbewerb nach Hof fahren dürfen.
Thomas Klokkers (links) und Tobias Sonneck gehören zu den Auserwählten, die zum Landeswettbewerb nach Hof fahren dürfen.
Stephan Rumpf

In den Räumlichkeiten der Hochschule ist einiges los. Hier und im Steinway-Haus wird der Wettbewerb ausgetragen. Schon im hellen Eingangsbereich tummeln sich die Leute. Junge Menschen mit Instrumentenkoffern auf dem Rücken laufen durch den Lichthof, meist in Begleitung der ganzen Familie. Durch die geschlossenen Türen der Einspielräume dringen Klangfetzen von Aufwärmübungen auf die Korridore hinaus.

Ungefähr 330 Kinder und Jugendliche treten beim Wettbewerb an, entweder als Solisten mit einem Streichinstrument, als Begleitmusiker oder zusammen mit anderen in einem Ensemble. Sie kommen aus der Stadt München und verschiedenen umliegenden Landkreisen. Von den Wettbewerbern wird ein Programm mit Musik aus verschiedenen Epochen gefordert. Und so sind von Renaissance über Barock und Romantik bis hin zur klassischen Moderne viele verschiedene Stilrichtungen vertreten. Eine dreiköpfige Fachjury vergibt bis zu 25 Punkte. Ab 21 Punkten erhält man einen ersten Preis, ab 23 Punkten obendrein eine Weiterleitung an den Landeswettbewerb.

Vor dem Kaminzimmer im ersten Stock hat sich ein kleines Grüppchen auf dem Gang gebildet. Auch Dhara Ersan aus Ismaning und ihre Familie stehen dabei und lauschen den Streicherklängen, die man durch die geschlossene Tür vernehmen kann. Dhara hält ihr Cello und den Bogen bereits in den Händen. Laut Zeitplan wäre sie eigentlich schon mit ihrem Solo-Vorspiel dran. Die Vorgängerin überzieht. Doch die zehnjährige Dhara, wie sie da so steht und wartet, in ihrem blauen Kleid mit kleinen weißen Blümchen, lässt sich keinerlei Ungeduld oder Anspannung anmerken. Schließlich ertönt lautes Klatschen von drinnen und sie können eintreten. Die meisten Stühle im Raum sind schon belegt, doch die Neuankömmlinge finden alle noch ein Plätzchen, während Dhara nach vorne läuft und sich vor das Publikum setzt. Ihre Lehrerin hat sich bereits an den Flügel begeben, um sie beim Vorspiel zu begleiten.

Der Flügel steht direkt neben dem Kamin. Im Hintergrund leuchtet eine alte Stehlampe. Die ganze Szenerie hüllt den Raum in eine wohlige Atmosphäre. Dhara lächelt und beginnt zu spielen. Seit fast vier Jahren hat sie Cellounterricht und obwohl sie heute zum ersten Mal hier antritt, vollführt sie ohne Probleme ihr abwechslungsreiches Vorspiel. Vier Stücke aus verschiedenen Epochen hat sie im Programm, von Johann Sebastian Bach bis Bernhard Romberg. Sie beschließt ihren Auftritt mit der "Reise nach Bessarabien", ein sehr lebendiges Stück, das geografisch schon mal gut zur ihr passt - denn ihre Mutter kommt ursprünglich aus Bulgarien. Das zackige Lied ist ein passender Abschluss, der letzte Ton sitzt und die Zuschauer applaudieren begeistert. Dhara strahlt, steht auf und verbeugt sich. "Es ist eine schöne Erfahrung, hier mitzumachen", sagt das Mädchen aus Ismaning nach dem Wertungsspiel. Auch wenn sie vorher zumindest ein bisschen aufgeregt gewesen sei. Jetzt ist sie erst einmal gespannt, was die Jury später sagen wird.

Neben Dhara sind aus dem nördlichen Münchner Landkreis an diesem Wochenende noch 18 weitere Musikerinnen und Musiker dabei. Etwa Lisa Beer aus Unterschleißheim, die an der Solo-Violine ihr Können zeigt. Einer Solowertung mit der Violine unterzieht sich auch Maximilian Kleemann, ebenfalls aus Unterschleißheim, begleitet von seinem Bruder Adrian am Klavier. Auch Duos sind vertreten, zum Beispiel aus Ismaning Severin Brast am Klavier zusammen mit Jonas Grau an der Klarinette. Oder Zupf-Ensembles mit den beiden Gitarristen Adrian Meister und Lea Wiedemer, die ebenfalls aus Ismaning kommen.

Auf dem Gang, der die beiden Lichthöfe der Hochschule verbindet, öffnet sich eine Tür. Aus dem Orgelsaal strömen Leute hinaus. Die meisten von ihnen bleiben auf dem Flur stehen und besprechen sich. Gerade hat hier die Ergebnisbekanntgabe für die Zupf-Ensembles stattgefunden. Thomas Klokkers und Tobias Sonneck, 17 und 15 Jahre alt, haben mit ihren Eltern einen Kreis gebildet. Die beiden Jugendlichen aus Gröbenzell sind zuvor als Gitarren-Duo aufgetreten und haben nun ihre Bewertung erhalten: 23 Punkte. Sie sind überglücklich, denn obwohl sie schon öfter aufgetreten sind, waren sie ganz schön aufgeregt. Da passiere es schon mal, dass man sich verspiele, weil die Finger klamm werden, erzählt Thomas. "Jetzt haben wir den ersten Platz und auch noch eine Weiterleitung an den Landeswettbewerb bekommen", sagt Tobias und strahlt. Alle Musiker, die ein ähnlich gutes Ergebnis erzielt haben, dürfen wie die beiden in die nächste Runde. Dann werden sie sich in den Osterferien in Hof wiedersehen, wo es um den Einzug in den Bundeswettbewerb geht.

© SZ vom 29.01.2019 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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