Ismaning:Widerstand gegen neue Stromtrasse

Der Gemeinderat lehnt die Leitung ab, weil durch den Auwald eine Schneise geschlagen werden müsste

Von Sabine Wejsada, Ismaning

Um den durch Windparks erzeugten grünen Strom aus dem Norden nach Süden zu bringen, will die Tennet TSO GmbH, ein Tochterunternehmen des gleichnamigen niederländischen Stromnetzbetreibers mit Sitz in Bayreuth, die bestehende Leitungsstrecke zwischen Oberbachern im Landkreis Dachau bis nach Ottenhofen im Erdinger Land erneuern. Damit soll nach Unternehmensangaben die Stromversorgung im Großraum München sichergestellt werden. Von dem Projekt ist auch Ismaning betroffen, obwohl die geplante Trasse das Ortsgebiet nur streift, wie es am Donnerstagabend im Gemeinderat hieß. Wegen mehrerer Hofstellen in diesem Gebiet soll die neue Leitung weiter südlich verlaufen. Dann aber würde sie das Trinkwasserschutzgebiet betreffen, im Westen müsste zudem eine neue Schneise durch den Auwald entlang der Isar geschlagen werden.

Die Kommune lehnt diese Planungen zum Bau einer leistungsstärkeren Trasse zwischen den Umspannwerken in den beiden Orten rundweg ab und hat dies bereits im vergangenen Herbst kundgetan. Mitte Juni hatte die Regierung von Oberbayern das Raumordnungsverfahren für künftige Korridore eingeleitet, in denen die Trassen liegen könnten. Ismaning hat aus diesem Grund bereits eine Anwaltskanzlei beauftragt, um für das Verfahren gewappnet zu sein.

Im Gemeinderat herrscht Einigkeit darüber, dass die sogenannte Südtrasse keinesfalls verwirklicht werden sollte, weil zu viele Belange der Kommune betroffen wären. Die Chancen, dass die Stellungnahme der Gemeinde Gehör findet, schätzen die Ismaninger als durchaus vorhanden ein. Zumal nach Angaben des Rathauses beim Neubau der Stromleitung eine großflächige Rodung mit einer Breite von womöglich 100 Metern im Auwald nötig sein würde, was laut bayerischem Waldgesetz kaum genehmigt werden dürfte. Überdies würde die Trasse zum wesentlichen Teil durch die engere Wasserschutzzone der Gemeinde verlaufen, in der bauliche Anlagen verboten sind.

Zweiter Bürgermeister Max Kraus von den Freien Wählern sagte in der Sitzung am Donnerstagabend, es sei gut, dass sich das Rathaus "mit aller Macht" gegen die Trassenführung im südlichen Bereich zur Wehr setzen wolle, nicht zuletzt aus Gründen des Naturschutzes. Der Gemeinderat votierte einstimmig für die ablehnende Stellungnahme.

© SZ vom 24.07.2021
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