Wenn an Heiligdreikönig die traditionelle Bürgerversammlung in Ismaning stattfindet, dann wird ein Thema ganz oben auf der Agenda stehen: die geplante Unterkunft für Geflüchtete neben dem großen Rewe-Markt an der Max-von-Eyth-Straße. Um das Heim zu verhindern, hat sich jetzt eine Bürgerinitiative gegründet. Diese hat einen Flyer erstellt, der derzeit im Ort verteilt wird. In dem Flugblatt schreiben die Initiatoren, dass sie sich von der Verwaltung bewusst getäuscht fühlten. Die Bürger seien über das Vorhaben nicht informiert und an dem Prozess nicht beteiligt worden. Nach den Worten von Sprecher Udo Kappelmaier zählt das Bündnis aktuell gut ein Dutzend Mitstreiter, „Tendenz steigend“.
In der offiziellen Bekanntmachung zu einer Bauausschusssitzung Anfang September, als es um das Projekt ging, sei nur die Rede von einem „Übergangswohnheim“ gewesen, das Wort Asylbewerberunterkunft habe man vermieden. Die BI beklagt Kappelmaier zufolge „mangelnde Transparenz“ und will wissen, „warum man das Kind nicht beim Namen nennt“. Bei der am Montag, 6. Januar, im Bürgersaal stattfindenden Versammlung soll Rathauschef Alexander Greulich (SPD) nach Angaben der BI einen Fragenkatalog beantworten – zum Beispiel, ob eine Überbelegung wie andernorts zu befürchten sei und ob es einen Sicherheitsdienst geben werde. Offenbar befürchten die Kritiker auch einen Wertverlust der Grundstücke in dem Gewerbegebiet.
Bürgermeister Greulich weist den Vorwurf zurück, die Entscheidung, aus einer leer stehenden Gewerbeimmobilie ein Wohnheim zu machen, sei hinter verschlossenen Türen gefallen. In der fraglichen Sitzung des Bauausschusses ist über die von einem Investor beantragte Nutzungsänderung für den Komplex an der Max-von-Eyth-Straße öffentlich diskutiert worden, wie Greulich am Montag der SZ sagte. „Es waren jedoch keine Zuhörer da.“
Nach den Worten von Greulich hatte die Gemeinde Ismaning keinen Spielraum, um die Umnutzung des Gebäudes abzulehnen – „bei einem Nein aus Ismaning hätte das Landratsamt uns ersetzt“, so der Bürgermeister. Angemietet wird das Objekt von der Regierung von Oberbayern. Laut deren Zusage werden in dem Gebäude anders als ursprünglich geplant nicht 240, sondern 190 Menschen eine Unterkunft finden. Dabei handelt es sich nach Greulichs Angaben um Geflüchtete, deren Asylanträgen bereits stattgegeben wurde. Einziehen in das Wohnheim sollen etwa frühere Ortskräfte aus Afghanistan und deren Familien, die 2021 nach dem Abzug der Bundeswehr um ihr Leben fürchten mussten, weil die Taliban die Macht übernahmen.
Dass Ismaning bei der Unterbringung von Geflüchteten habe nachbessern müssen, darüber sei man sich im Klaren gewesen, so Greulich. Die Unterkünfte an der Mayerbacherstraße und im Ortsteil Fischerhäuser hätten nicht mehr ausgereicht. Deshalb habe die Gemeinde bereits seit gut einem Jahr mit dem Münchner Landratsamt darüber verhandelt, wie man die vorgegebene Quote erfüllen könne, erklärt der Bürgermeister.
Weil es bei den bestehenden Holzbauten an der Mayerbacherstraße „extremen Sanierungsbedarf“ gebe, habe man erwogen, diese nicht nur herzurichten, sondern dort auch unter Umständen einen zweiten Gebäudekomplex zu errichten. Doch diese Überlegungen seien wegen der neuen Unterkunft an der Max-von-Eyth-Straße Makulatur. „Irgendwo fühlen wir uns als Gemeinde nicht gut behandelt“, sagt Greulich. In der jetzigen Angelegenheit sei man nur Zaungast gewesen.
In Ismaning leben aktuell 381 Geflüchtete (Stand: 16. Dezember). Das Soll liegt laut der Quotenliste für den Regierungsbezirk Oberbayern bei 692 Plätzen. Die Unterkunft an der Max-von-Eyth-Straße soll Greulich zufolge im März bezogen werden.

