Ismaning:Schon früh umgesattelt

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Fahrradexkursion

Begutachtung vom Sattel aus: Die Delegation der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Kommunen macht sich selbst ein Bild vom Straßenverkehr in Ismaning.

(Foto: Florian Peljak)

Ismaning darf sich weiter fahrradfreundliche Gemeinde nennen

Von Sebastian Franz, Ismaning

Ismaning ist und bleibt eine fahrradfreundliche Kommune - mit Brief und Siegel. 2014 zertifizierte die Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Kommunen in Bayern (AGFK) die Gemeinde zum ersten Mal, diese Woche erfolgte die erfolgreiche Rezertifizierung. Mitglieder des Gemeinderats um Bürgermeister Alexander Greulich (SPD) und die Grünen-Landtagsabgeordnete Claudia Köhler sowie eine Delegation der AGFK waren gemeinsam für gute zwei Stunden mit dem Fahrrad in der Gemeinde unterwegs. Dabei begutachteten sie, wo der Fahrradverkehr funktioniert und wo nachgebessert werden kann oder muss. Für Greulich eine wichtige Erfahrung, denn so werde einem die eigene "Betriebsblindheit" aufgezeigt.

Die AGFK ist mit der Gemeinde Ismaning sehr zufrieden. Man habe sich dort nicht auf der ersten Zertifizierung ausgeruht, vielmehr habe man daran gearbeitet, die Fahrradfreundlichkeit weiter zu verstärken. Köhler sieht es als Herausforderung vieler Gemeinden, Worten auch Taten folgen zu lassen. In Ismaning sei das erfreulich anders. Die Gemeinde selbst arbeite daran, ein fahrradfreundlicher Arbeitgeber zu werden, Ismaning suche die interkommunale Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden und dass Gelder für fahrradfreundliche Maßnahmen in Ismaning weiter aufgestockt wurden, sei bemerkenswert. Kaum eine Gemeinde in Bayern stelle im Verhältnis zur Einwohnerzahl zudem so viele Leihräder zur Verfügung. Dies alles geschehe trotz schwerfälliger Verhandlungspartner auf staatlicher wie privatwirtschaftlicher Seite. So seien das Staatliche Bauamt und die Deutsche Bahn nur bedingt kompromissbereit, wenn es um fahrradfreundliche Lösungen geht.

Doch um als Gemeinde langfristig fahrradfreundlich zu sein, müssen auch schwierige Themen angegangen werden - etwa Tempo-30-Zonen. In Ismaning geschieht dies laut Köhler bereits, allerdings könne die Gemeinde ihre Bürger noch mehr in Entscheidungsfindungen einbeziehen. Auch bei verkehrsberuhigten Bereichen könne noch nachjustiert werden. So wäre manchmal ein Autoverbot mit "Radfahrer frei" sinnvoller. Der Grund ist simpel: Für Radfahrer sei es physikalisch schwer, tatsächlich Schrittgeschwindigkeit zu fahren. Man verleite sie somit zum Verkehrsdelikt.

Köhler und die Bewertungskommission der AGFK sprechen von "Hausaufgaben" für den Ismaninger Gemeinderat, alles in allem sei man aber sehr zufrieden. Und so gilt die Auszeichnung für weitere sieben Jahre. Bürgermeister Greulich zeigte sich stolz. Fahrradfreundlichkeit sei in Ismaning ein lange gewachsener Prozess. "Einige Gemeinderäte setzen sich seit Jahrzehnten dafür ein." Die Rezertifizierung sorge dafür, dass man kritisch auf die eigenen Bemühungen blicke. Er und die anderen Gemeinderatsmitglieder seien dankbar für jeden Hinweis.

Die AGFK Bayern ist ein Netzwerk, das sich umweltfreundliche Mobilität zum Ziel gesetzt hat. Ihm gehören mittlerweile mehr als 60 Landkreise, Städte und Gemeinden an.

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