Gesundheit„Heute schon genug getrunken?“

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Wenn die Temperaturen steigen, setzt das vor allem älteren Menschen arg zu.
Wenn die Temperaturen steigen, setzt das vor allem älteren Menschen arg zu. Rene Traut/IMAGO
  • Ismaning und das Rote Kreuz bieten seit einem Jahr Hitzepatenschaften für ältere Menschen an, bei denen Freiwillige bei Hitzewarnungen telefonisch nachfragen und Hilfe anbieten.
  • Die Resonanz auf das Projekt ist bislang mau, da sich niemand helfen lassen möchte und viele eine gewisse Scham haben, Hilfe anzunehmen.
  • Das Angebot reicht von Gesprächen und Tipps bis zur Lieferung von Mineralwasser oder Begleitung zum Arzt, um hitzebedingten Notfällen vorzubeugen.
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Ismaning und das Rote Kreuz bieten älteren und gebrechlichen Menschen Unterstützung an, wenn es heiß wird. Die Resonanz ist bislang mau. BRK und die Klimaschutzmanagerin Anja Lef klären im Interview über das Projekt auf.

Interview von Sabine Wejsada, Ismaning

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Heute schon genug getrunken? Die Gemeinde Ismaning und das örtliche Rote Kreuz bieten seit einem Jahr vornehmlich älteren und alleinstehenden Menschen Unterstützung an, wenn es im Sommer heiß wird. Freiwillige Paten nehmen im Falle einer Hitzewarnung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) telefonisch Kontakt mit Betroffenen auf, geben Tipps zur Abkühlung und schauen im Bedarfsfall nach dem Rechten. Die Resonanz auf das Projekt ist bislang mau, niemand möchte sich helfen lassen. BRK-Sanitäter Thomas Angenendt und Klimaschutzmanagerin Anja Lef wollen die Hürden abbauen.

Eine Hitzewelle kündigt sich an, und was die einen freut, wird für andere, vor allem ältere und gebrechliche Menschen, schnell zur Belastung. Wie sollen da die freiwilligen Hitzepaten helfen?

Thomas Angenendt: Sie rufen bei all jenen an, die auf unserer Liste stehen, und fragen nach dem Befinden. Haben Sie genug getrunken? Brauchen Sie etwas? Gibt es etwas, worin wir Sie unterstützen könnten?

Sie haben das Angebot im vergangenen Sommer initiiert. Eine Handvoll Ehrenamtlicher hat sich zu Hitzepaten ausbilden lassen. Allein, es hat sich niemand gemeldet, der sich helfen lassen wollte. Wie lässt sich das erklären?

Anja Lef ist seit anderthalb Jahren Klimaschutzmanagerin der Gemeinde Ismaning und hat das Hitzepaten-Programm angestoßen.
Anja Lef ist seit anderthalb Jahren Klimaschutzmanagerin der Gemeinde Ismaning und hat das Hitzepaten-Programm angestoßen. Sabine Wejsada

Anja Lef: Das ist natürlich schade. Mit den Hitzepatenschaften wollen wir all jene erreichen, die noch keine Pflege nötig haben, aber zum Beispiel allein leben, keine Familie am Ort und kaum Kontakte haben oder gebrechlich sind und an Vorerkrankungen leiden. Das ist ein ganz niederschwelliges Angebot. Niemand muss Angst haben, dass die Paten jeden Tag anrufen oder gar vor der Tür stehen. Erst, wenn es eine Hitzewarnung des Deutschen Wetterdienstes gibt, greift das Projekt. Ich denke, dass es vielen einfach schwerfällt, Hilfe anzunehmen, sie eine gewisse Scham haben, sich bei uns zu melden – oder vielleicht auch denken, das schaffe ich schon allein. Dabei stellen wir fest, dass bundes- und europaweit die Zahl der Hitzetoten steigt. Die hohen Temperaturen sind für uns alle ein Problem, nicht nur für ältere Menschen.

Thomas Angenendt arbeitet seit mehr als 30 Jahren ehrenamtlich für die BRK-Bereitschaft Ismaning und setzt sich für die Hitzepatenschaften ein.
Thomas Angenendt arbeitet seit mehr als 30 Jahren ehrenamtlich für die BRK-Bereitschaft Ismaning und setzt sich für die Hitzepatenschaften ein. Sabine Wejsada

Angenendt: Aber vor allem für sie. Das merken wir bei unseren Einsätzen, auch hier in Ismaning. Da kommt der Notruf, wir rücken aus und finden Leute vor, die im Sessel sitzen. Ihnen läuft der Schweiß herunter, ihnen ist schwindlig und sie können sich nicht mehr bewegen. Nach zwei, drei Infusionen geht es dann wieder. Um dem vorzubeugen, sind die Hitzepatenschaften sinnvoll.

Lef: Besteht eine Hitzewarnung, dann telefoniert ein Pate oder eine Patin die auf unserer Liste stehenden Personen ab und fragt nach, ob wir etwas tun können.

Angenendt: Das Angebot reicht von einem kurzen Gespräch bis zur Möglichkeit, dass wir auch einmal einen Kasten Mineralwasser vor die Tür stellen oder jemanden in Gang setzen, der zum Einkaufen geht, wenn es draußen viel zu heiß ist. Auch eine Begleitung für den Arztbesuch kann organisiert werden.

Könnten sich auf diese Weise solche Notfälle vermeiden lassen, von den Sie vorher gesprochen haben?

Angenendt: Wir glauben schon. Denn die Paten können im Gespräch auch Tipps geben, wie man besser durch eine Hitzewelle kommt: die Wohnung abdunkeln, nur ganz früh und spät abends lüften und so die Räume kühlen. Wichtig ist auch, sich eine neue Routine zu schaffen, indem man morgens eine Kanne Wasser auf den Tisch stellt und sich als Aufgabe vornimmt, diese bis mittags ausgetrunken zu haben. Wie wir alle wissen, besteht da bei älteren Generationen oft ein gewisser Mangel. Über die richtige Menge muss man natürlich vorher immer mit der Ärztin oder dem Doktor sprechen, beispielsweise wenn man Probleme mit dem Herzen oder den Nieren hat. Genügend Trinken ist allerdings bei der Hitze, die in unseren Sommern immer mehr auftritt, das A und O.

Was tun, wenn das alles nichts hilft?

Angenendt: Hat man das alles bewerkstelligt und es läuft einem trotzdem der Schweiß runter, tritt zudem noch Schwindel auf und kann man sich kaum noch rühren, dann ist es auf jeden Fall ratsam, die 112 zu rufen.

Das Rote Kreuz und die Gemeinde Ismaning suchen auch in diesem Sommer wieder engagierte Helferinnen und Helfer sowie Personen, die bei Hitze besonders auf sich achten müssen (ältere oder gesundheitlich vorbelastete Menschen), die Teil des Hitzepaten-Programms werden möchten. Interessierte beider Gruppen können sich per E-Mail an hitze@brk-ismaning.de oder telefonisch unter 089/55 27 54 80 melden.

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