„Ismaning darf sich künftig ‚Ort der Demokratie‘ nennen. Das Präsidium des Bayerischen Landtags hat die Gemeinde im Münchner Norden in die Liste bedeutsamer Schauplätze der Demokratiegeschichte aufgenommen. Ausgezeichnet wird damit die ‚Freiheitsaktion Bayern‘ vom 28. April 1945, die auf dem Gelände der Sendeanlage im Moos ihren Anfang nahm und für couragierten Widerstand gegen die NS-Herrschaft steht. Derzeit entsteht eine Stele, die bald offiziell an die besondere Rolle Ismanings erinnern soll.“
Wenige Tage vor Kriegsende verkündete die Freiheitsaktion Bayern über den Sender Ismaning das Ende der Naziherrschaft. Der Plan der Widerstandsgruppe ging indes nicht auf, viele Beteiligte wurden erschossen. Dennoch war ihr Einsatz nach Einschätzung von Historikern nicht vergebens – er gilt als wichtiges Beispiel von zivilem Protest gegen das Regime der Nationalsozialisten. Mit der Verleihung des Titels „Ort der Demokratie“ wird an den mutigen Einsatz der Bürgerinnen und Bürger erinnert, die mit der Besetzung des Rundfunksenders im Moos öffentlich zur Beendigung der nationalsozialistischen Diktatur aufriefen.
Die Gemeinde im Münchner Umland gehört damit zu den sieben neuen Örtlichkeiten, die der Landtag laut einer Mitteilung aus dem Maximilianeum benannt hat. Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU): „Ismaning zeigt eindrucksvoll, wie ziviler Widerstand und verantwortungsbewusste Öffentlichkeit zur Verteidigung von Freiheit und Demokratie beitragen – und warum diese Werte stets aktiv geschützt werden müssen.“ Mit der Besetzung des Rundfunksenders und dem öffentlichen Aufruf zur Beendigung der nationalsozialistischen Diktatur habe die Bevölkerung ein Zeichen für Freiheit und Demokratie gesetzt und zugleich die zentrale Bedeutung freier Medien für demokratische Prozesse sichtbar gemacht, heißt es in der Begründung.

Die „Freiheitsaktion Bayern“ am 28. April 1945 stehe nicht nur für ein beherztes Handeln der Menschen vor Ort und die Rolle der Medien, die Aufklärung und Öffentlichkeit unterstützten. Sie belege auch, dass Freiheit und Demokratie keine Selbstverständlichkeit seien, beides müsse „aktiv verteidigt und gelebt werden“, so Aigner. Dass Ismaning nun als „Ort der Demokratie in Bayern“ ausgezeichnet wird, ist nach den Worten der Landtagspräsidentin als Anerkennung dieses besonderen historischen Engagements zu verstehen und zugleich Auftrag für die Zukunft.
Zum 80. Jahrestag des Aufstandes der Widerstandskämpfer im Ismaninger Moos am 28. April 2025 hat der Bayerische Rundfunk auf dem Gelände der Sendeanlage eine Gedenktafel anbringen lassen. Diese erinnert an die groß angelegte Widerstandsaktion kurz vor Kriegsende, als sich mutige Männer gegen das Nazi-Regime erhoben. Knapp 60 Mitglieder der „Freiheitsaktion Bayern“ bezahlten ihren Aufstand mit dem Leben. Die Gruppe hatte den damaligen Reichssender gekapert und die Bewohner Südbayerns um sechs Uhr in der Früh durch die Radiodurchsage „Achtung, Achtung, hier spricht FAB, Freiheitsaktion Bayern!“ geweckt. Auf Deutsch, Russisch, Englisch und Französisch verkündete sie das Ende der Nazi-Herrschaft und rief zum Aufstand auf.

Dem Aufruf der Freiheitsaktion folgten seinerzeit an die 80 verschiedene Gruppen mit etwa 1000 Personen in ganz Südbayern – weitgehend unkoordiniert und mit unterschiedlichen Unternehmungen. Den Aufständischen gelang es jedoch nicht, wie erhofft, alle zentralen Partei- und Wehrmachtsstellen in München zu besetzen. Bereits am Vormittag des 28. April 1945 eroberten SS-Truppen den Sender Ismaning zurück. Den Anstoß, an der Anlage im Moos über die Freiheitsaktion zu informieren, hatte der Verein „Ismaning bleibt bunt“ gegeben.
Neben Ismaning wird künftig auch Tutzing im Landkreis Starnberg als „Ort der Demokratie“ geführt. Nach Auffassung des Präsidiums des Bayerischen Landtags steht die dort im Jahr 1957 gegründete Akademie für Politische Bildung exemplarisch für die Bedeutung politischer Bildung und Aufklärung in der Demokratie – wie die Evangelische Akademie dort für die Bedeutung des demokratischen Diskurses steht. Die Auswahl der neuen Orte erfolgte auf Empfehlung des wissenschaftlichen Beirats unter dem Vorsitz des ehemaligen Staatsministers Ludwig Spaenle und des Historikers Ferdinand Kramer, Inhaber des Lehrstuhls für Bayerische Geschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Sichtbar gemacht werden die Orte der Demokratie mit einem goldfarbenen Würfel, der auf einer steinernen Gedenk-Stele gefasst ist.
Der Würfel wird aus fünf gleich großen Tafeln zusammengesetzt. Jede Seite greift einen anderen Aspekt auf; so sind rundherum verschiedene, in die Platte vertiefte Schriftzüge zu lesen. Die Oberfläche des Würfels ist anpoliert, sodass sich das komplette Umfeld darin spiegeln kann. „Alles, was um das Denkmal herum passiert, wird Teil von ihm“, heißt es in der Beschreibung. Der goldene Würfel thront auf einem Sockel aus Kelheimer Marmor, einem heimischen Kalkstein, der in ganz Bayern in vielen historischen Bauten verwendet wurde. Entworfen hat ihn die Künstlergemeinschaft Ackstaller & Schweikl aus Kirchdorf in der Hallertau.

