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Ismaning:Nur der Fußboden gefällt nicht allen

Der neue Ismaninger Gemeindebau ist fertig und kann Anfang Juni bezogen werden. Für die 30 vergünstigten Wohnungen gab es mehr als 170 Bewerbungen

"Wie gut und wie lieblich ist es, wenn Brüder einträchtig beieinander wohnen" - mit Ausführungen rund um dieses Zitat aus dem Psalm 133 untermalte der evangelische Pfarrer Carsten Klingenberg die feierliche Einweihung des neuen Gemeindewohnungsbaus am Grabenanger in Ismaning. Er hoffe, dass hier ein Miteinander entstehe, in dem die Menschen sich gegenseitig tragen. Die Voraussetzungen dafür sind gut. In den beiden L-förmigen Gebäuden hat die Gemeinde 30 Wohnungen geschaffen, die vom Preis-Leistungs-Verhältnis her sicherlich in Ismaning nahezu konkurrenzlos sind. Einkommensgestaffelt beträgt die günstigste Miete 7,10 Euro pro Quadratmeter, insgesamt gebe es eine Mischkalkulation mit einem Preis von circa 8,50 Euro pro Quadratmeter, sagte Bürgermeister Alexander Greulich (SPD) in seiner Rede.

Dass solche Mietpreise ein Glücksfall im Landkreis sind, weiß jeder, der schon einmal auf Wohnungssuche war. Wenn überhaupt ein passendes Objekt gefunden wird. Die Ismaninger waren sich dieses Problems bewusst und wollten mit ihrer Initiative Abhilfe schaffen. Sie beauftragten die Baugenossenschaft München-Land als Generalunternehmer, und in weniger als zwei Jahren wurden die Gebäude fertiggestellt. Auf die Auswirkungen der Corona-Pandemie angesprochen, bemerkte deren Geschäftsführer Ulrich Bittner, man habe keine Probleme deswegen, im Gegenteil: Bei manchen Bauprojekten habe man sogar Verspätungen aufgeholt, weil die Arbeiter nicht mehr nach Hause gefahren seien und weiter am Bau mitgearbeitet hätten. Die 12,3 Millionen Euro Kosten hat die Gemeinde über das kommunale Wohnbauförderprogramm finanziert. "Das ist etwas, was wir dringend brauchen", sagte Greulich und ließ die Hoffnung anklingen, dieses Programm werde über 2025 hinaus fortgeführt. "Wir sind willens, es zu nutzen", sagte der Bürgermeister und sprach die Pläne an, Wohnungen für Senioren zu bauen, etwa neben dem Hillebrandhof.

In Kürze werden die neuen Mieter am Grabenanger einziehen. Für die Zwei- bis Vier-Zimmer-Wohnungen steht eine Tiefgarage zur Verfügung.

(Foto: Catherina Hess)

Dass es Programme wie diese braucht, zeigt schon ein Blick auf die Bewerbungsliste. 171 Menschen wollten gerne alleine oder mit Familie hier einziehen. Schwieriger ist da schon die Frage der Auswahl. Greulich berichtete, dass der Gemeinderat sich viele Gedanken gemacht hatte, um eine gerechte Verteilung zu ermöglichen. Am Ende stand dabei ein vielleicht nach außen "kräftig verwirrendes Punktesystem". Ein Wunsch war dabei auch, Menschen zu fördern, die sich sozial im Ort engagierten. Außerdem war es ein Anliegen der Gemeinde, eine "soziale Durchmischung" hinzubekommen. Da die Wohnungen alle barrierefrei sind - eine Vorgabe für die Förderung - sei es gelungen, Härtefälle vorzuziehen. Und nicht zuletzt kamen auch Mitarbeiter der Gemeinde zum Zuge, wobei darauf geachtet wurde, Mangelberufe zu bevorzugen, also etwa Menschen, die im Kindergarten oder in der Pflege arbeiteten. Hintergrund ist auch der Wunsch, solche Arbeitskräfte im Ort zu halten, ebenso wie etwa Helfer der Freiwilligen Feuerwehr.

Greulich äußerte sich lobend über die Zusammenarbeit mit der Baugenossenschaft München-Land. Sie habe nicht nur in bewährter Qualität gebaut, sondern sei auch pünktlich fertig geworden. Auch der Kostenrahmen wurde eingehalten. Bei der Begehung zeigte sich, dass alle Wohnungen durch große Fenster helle Räume haben. Nur der Fußbodenbelag, bläuliches Vinyl, das etwas steril wirkt, gefiel nicht allen. Der Boden sei ausgewählt worden, weil er neutral ist, führte Greulich aus. Doch es stehe jedem frei, sich Teppiche darüber zu legen oder auch den Boden auf eigene Kosten auszutauschen. Wichtig sei nur, dass die Förderkriterien der Barrierefreiheit und der Brandschutz dadurch nicht tangiert würden.

Kirchlicher Segen mit Mundschutz: Pfarrer Carsten Klingenberg (links) und Pater Jaimes Panickaruveettil in den neuen Räumen in Ismaning.

(Foto: Catherina Hess)

Dass bei der Vergabe der Wohnungen Tempo gemacht wurde, begründet Greulich mit der Warteliste. Hätte jemand abgesagt, wäre der nächste gefragt worden. Von Fällen, in denen die Mieter nun angeblich für einen Monat doppelt Miete zahlen müssen, weil sie von der Vergabe erst Ende März erfuhren und am 1. Juni schon einziehen sollen, weiß der Bürgermeister nichts. "Da war auch niemand in meiner Sprechstunde und hat sich beschwert", sagt er. Wenn das so sei, müsste man sich die Fälle anschauen. "Das Ziel war nicht, dass die Leute doppelt Miete zahlen müssen."

© SZ vom 27.05.2020

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