Ismaning:Kraut vergeht nicht

Zum Abschluss der Ausstellung "Garten Arbeiten" im Schlosspark dreht sich alles um das traditionsreiche Gemüse des Ortes

Von Udo Watter, Ismaning

Die älteren Besucher des Ismaninger Schlossparks zeigten kein allzu großes Interesse daran, sich verkohlen zu lassen. Genauer gesagt: das Gesicht via Face Painting in einen Kohl- oder Krautkopf verwandeln zu lassen. "Die Erwachsenen sind da dann doch zurückhaltend gewesen", fasste Rasmus Kleine, Leiter des Ismaninger Kallmann-Museums, seine Beobachtungen zusammen. Zahlreichen Kindern hingegen graute vor der Aussicht nicht, mit einem Krautkopf herum zu rennen, sie ließen sich bei der Finissage der Ausstellung "Garten Arbeiten" am Sonntagnachmittag von der Künstlerin Julia Wank gerne bemalen und dekorieren.

Die einfallsreiche Kunstaktion war nur ein Teil dieser feierlichen und witzigen Hommage an die kulinarische Spezialität der Gemeinde. Die sechs Studentinnen und Studenten der Münchner Kunstakademie, die einige Wochen lang ihre Werke in der Galerie im Schlosspavillon zeigten, hatten zu einem gemeinsamen Krautessen eingeladen. Mit Hilfe von zwei Gaskochern wurde ein Gericht in einer Mischung aus karamellisierten Zwiebeln, Kohl, Essig und Kümmel als "Bayrisch Kraut" zubereitet und serviert. Wahrscheinlich lockte nicht nur die Aussicht auf diese lokalen Schmankerl zahlreiche Ismaninger und andere auf die Wiese vor dem Schlosspavillon, wo an Biertischen und Bierbänken natürlich auch eifrig Getränke konsumiert wurden. Der Tag des offenen Denkmals, der ebenfalls am Sonntag statt fand, hatte sicherlich noch zusätzlich manch Interessierten dazu gebracht, sich auf den Weg zu machen.

Krautessen Ismaning

Julie De Kezels präsentierte ihre Installation "Wintergarten".

(Foto: Florian Peljak)

Kleine, der die Ausstellung im Schlosspavillon organisiert hatte, freute sich, dass noch einmal zahlreiche Menschen diese am Sonntag besuchten. Zu sehen waren dort Skulpturen, Papierarbeiten, Videos, Aktionen und Land-Art-Arbeiten, die eigens für diese Ausstellung im Rahmen eines Wettbewerbs entstanden. Den Mähroboter, der vor dem Pavillon immer wieder die Signatur des Künstlers Tornike Abuladze in georgischer Schrift in den Rasen kreiste, wird er vermissen. "Der war wie ein kleines Haustier, an das man sich gewöhnt hat". Schön fand er zudem, dass auch einige Studenten der Kunstakademie, die nicht ausstellten, am Sonntag den Weg nach Ismaning gefunden hatten, sich am kollektiven Krautkochen beteiligten und die entspannten Atmosphäre im Schlosspark genossen.

Während der Mähroboter nun also verschwunden ist, bleibt die 500 Jahre alte Spezialität des Dorfes trotz des schwierigen Anbaus sicher noch eine Weile erhalten: Ismaninger Kraut vergeht nicht.

© SZ vom 14.09.2021
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