WirtschaftVier Frauen, drei Generationen und ein Hotel

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Die Chefinnen des Appartement-Hotels „Oskar 25“ in Ismaning: Oma Irmgard Sanktjohanser-Maier, ihre Töchter Renate Leitl und Christina Sanktjohanser sowie Enkelin Selina Leitl (von links).
Die Chefinnen des Appartement-Hotels „Oskar 25“ in Ismaning: Oma Irmgard Sanktjohanser-Maier, ihre Töchter Renate Leitl und Christina Sanktjohanser sowie Enkelin Selina Leitl (von links). Robert Haas
  • Vier Frauen aus drei Generationen einer Familie haben in Ismaning einen Bürokomplex zu einem Hotel mit 43 Zimmern umgebaut und öffnen im März.
  • Das "Oskar 25" richtet sich an Touristen, Geschäftsreisende und Studierende, die maximal vier Wochen bleiben können.
  • Der dreijährige Umbau war nötig, weil fast 50 Prozent der Büros leer standen und die Familie das Gebäude erhalten wollte.
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Oma, Töchter und Enkelin haben in Ismaning einen Bürokomplex zu einem Boarding-House umgestaltet. Was hat es mit diesem Familienprojekt auf sich und wie organisieren die vier Frauen den Betrieb? Ein Besuch.

Von Sabine Wejsada, Ismaning

Es ist ein Generationenprojekt von vier Frauen aus einer alteingesessenen Familie: Die Oma, zwei Töchter und eine Enkelin haben im Ismaninger Gewerbegebiet einen Bürokomplex in ein Hotel mit 43 Zimmern umgebaut und betreiben dort fortan einen Beherbergungsbetrieb. Bis Ende März soll das Buchungstool scharf gestellt werden, damit die ersten Gäste einchecken können. Zum Beispiel Touristen, die München und das Voralpenland erkunden wollen. Oder Geschäftsreisende, Mitarbeitende und Praktikanten der umliegenden Firmen, die eine Weile lang hier tätig sind.

Auch Studierende der nahen Hochschulen und Universitäten, die übergangsweise eine Unterkunft brauchen, ehe sie im hart umkämpften Mietmarkt im Großraum München ein WG-Zimmer oder ein bezahlbares Zuhause finden. Bleiben können in dem hellen dreistöckigen Gebäude alle maximal vier Wochen – so sieht es eine Vorgabe aus dem Landratsamt München vor, weil das Gebäude mitten in einem Gewerbegebiet liegt. Den Mindestaufenthalt haben die Frauen auf drei Übernachtungen festgelegt.

Dass sich die Bewohner auf Zeit in dem Boarding-House trotz der etwas kargen Umgebung zu Hause fühlen können, dafür haben die Frauen in den vergangenen Monaten tatkräftig gesorgt, wie sie an diesem Nachmittag gut gelaunt erzählen, während sie auf einem türkisfarbenen Sofa in der Lobby sitzen. Sie, das sind Irmgard Sanktjohanser-Maier, 72, ihre Töchter Christina Sanktjohanser, 43, und Renate Leitl, 52, sowie deren Tochter Selina, 25.

Wo früher in den Büros zahllose Regale mit Ordnern, Hängeschränken für Akten und Schreibtische standen, sind moderne Zimmer ohne großen Schnickschnack, aber dafür mit viel Funktionalität entstanden. Jedes Appartement ist mit einer Küchenzeile ausgestattet, damit sich die Bewohner nicht nur einen Morgenkaffee zubereiten können, sondern auch ein paar Spiegeleier oder nach einem langem Tag Pasta fürs Abendessen.

Helle Gänge führen zu den Zimmern.
Helle Gänge führen zu den Zimmern. Robert Haas

Die Idee für das „Oskar 25“, das seinen Namen von der Oskar-Messter-Straße hat, an der es liegt, stammte von Irmgard Sanktjohanser-Maier. Ihre zwei Töchter und Enkelin Selina, die nach ihrem Studium in Marketing und Medienmanagement für die Werbung auf allen Kanälen zuständig ist, waren schnell zu begeistern, wie Renate Leitl erzählt. Schließlich befindet sich das Haus seit Jahrzehnten in Familienbesitz und wird auf diese Weise eine Familiengeschichte fortgeschrieben, wie die 52-Jährige erklärt. Ihrer Mutter sei es ein Anliegen gewesen, das Gebäude für die nachfolgenden Generationen zu erhalten.

Der Komplex in dem Gewerbegebiet beherbergt neben dem Hotel auch weiterhin Büros.
Der Komplex in dem Gewerbegebiet beherbergt neben dem Hotel auch weiterhin Büros. Robert Haas

In dem 1990 eröffneten Komplex standen fast 50 Prozent der Büros leer, deshalb brauchte es einen Neustart, erklären die Frauen. Dass die Familie das Gebäude nicht einfach aufgeben wollte, habe mit ihrer Vergangenheit zu tun, sagt Irmgard Sanktjohanser-Maier, die aus dem Münchner Stadtteil Johanneskirchen stammt und seit mehr als einem halben Jahrhundert in Ismaning lebt. Ihr Mann und sie hätten das Bürohaus in den Achtzigerjahren geplant, als rund um die Oskar-Messter-Straße das Gewerbegebiet entstand; die Straße ist nach einem Filmpionier aus der Kaiserzeit benannt.

Als ihr Mann 1988 unerwartet starb, setzte Sanktjohanser-Maier das Projekt alleine um. Sie übernahm in der Folge Vermietung und Verwaltung, kümmerte sich um ihre zwei Töchter und ihren Sohn und führte die Landwirtschaft der Familie fort. „Das war alles sehr anstrengend“, sagt die heute 72-Jährige rückblickend in der neuen Lobby mit Rezeption. Ihr ist anzumerken, wie stolz sie auf ihre Töchter und die Enkelin ist, dass sie alle zusammen das „Oskar 25“ auf die Beine gestellt haben und die Eröffnung kurz bevorsteht.

In dem Hotel wird an den Namensgeber der Adresse, den Filmpionier Oskar Messter, erinnert.
In dem Hotel wird an den Namensgeber der Adresse, den Filmpionier Oskar Messter, erinnert. Robert Haas

Der Weg dorthin allerdings ist ein langer gewesen. Erste Überlegungen, die ungenutzten Flächen in dem Bürogebäude anderweitig zu nutzen und angesichts der Flaute bei Gewerbeimmobilien mit anderem Leben zu erfüllen, haben die Frauen bereits vor zehn Jahren angestellt. Es folgten konkrete Planungen, die Genehmigung für das Hotelprojekt erhielt die Familie, als im Frühling 2020 die Corona-Pandemie ihren Lauf nahm. „Dann haben wir zunächst alles auf Eis legen müssen. Es wusste ja niemand, wie es weitergeht“, schaut die Patronin zurück.

Letzten Endes habe sich die Umbauphase insgesamt drei Jahre lang hingezogen, wie Tochter Renate Leitl berichtet. Wie hoch die Investitionen gewesen sind, möchten die Frauen nicht beziffern. Nur so viel: Wegen der globalen Krisen sei natürlich auch beim Generationenprojekt „Oskar 25“ alles teurer geworden – und es sei auch keineswegs leicht gewesen, Handwerker zu finden.

Das Motto der vier Frauen: Learning by doing

Nun aber habe man es geschafft – gemeinsam. Nach vielen Monaten auf der Baustelle, nach der Abnahme der Arbeiten, dem Putzen und Gestalten der Zimmer, der Grobkalkulation der Übernachtungskosten, der Festlegung von Rabatt-Tarifen. Der berufliche Hintergrund der Frauen – die IT-Fachfrau Christina Sanktjohanser spricht von einem „guten Mix“ – gibt den Ismaningerinnen Hoffnung, dass das „Oskar 25“ ein Erfolg wird.

Bis ins letzte Detail planen lasse sich der Betrieb freilich nicht. „Wir setzten nach dem Start auf Learning by doing“, sagt die 42-Jährige, die zusammen mit ihrer Schwester und Finanzchefin Renate die Rezeption übernehmen wird. Wichtig sind den drei Generationen dabei vor allem zwei Dinge: flexibel bleiben und gemeinsam wachsen. So wie es in ihrer Familiengeschichte schon mehrfach nötig gewesen ist.

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