Sie war nicht nur eine viel bewunderte Schönheit und reizvolle Vertreterin des europäischen Hochadels, natürlich beherrschte die älteste Tochter des bayerischen Königs Max I. Joseph auch das Französische: „Et je regrette bien Ismaning, ou nous étais si bien et si tranquilles“. – „Und ich vermisse Ismaning, so schön und so friedlich.“ So könnte man diese Zeilen übersetzen, die Herzogin Auguste Amalie von Leuchtenberg in einem Brief im Herbst 1836 an ihre Stiefmutter, Königin Karoline von Bayern, schrieb.
Ja, sie müssen angenehm gewesen sein, die Sommer im Ismaninger Schloss, das ihr Mann Eugène de Beauharnais, der spätere Herzog von Leuchtenberg, im Oktober 1816 erworben hatte und das in den folgenden Jahrzehnten zum Refugium der Familie avancierte, die sonst im Leuchtenberg-Palais in München residierte.
Auguste Amalies Worte bilden den Titel eines neuen, 200-seitigen Buches in der Reihe „Beiträge zur Ismaninger Geschichte“, für die Gemeinde und Schlossmuseum als Herausgeber verantwortlich zeichnen. „Ismaning – so schön und so friedlich. Die Geschichte der Ismaninger Schlossanlage“ von Christine Heinz widmet sich in aufwendiger, reich bebilderter Form dem bedeutendsten denkmalgeschützten Ensemble der Gemeinde, das Fürstbischöfe, Herzöge und Landadelige kommen und gehen sah – später auch Erholungssuchende, Wohnungsmieter und Gemeinderäte.

Bei der Präsentation des im Franz Schiermeier Verlag erschienenen Buches erzählt Bürgermeister Alexander Greulich (SPD) amüsiert, dass früher die Gemeinderäte bei Sitzungen im Roten Saal noch Zigarren geraucht und Weißbier getrunken hätten – heute unvorstellbar. Greulich ist als Rathauschef der Schlossherr, denn seit 1919 befindet es sich im Besitz der Gemeinde Ismaning und seit 1934 fungiert es als Rathaus, zunächst nur in wenigen Räumen, später im gesamten Bereich. Das Schloss verkörpere „gelebte bayerische Geschichte“, so Greulich, etwa mit dem prunkvollen blauen und roten Saal, obgleich er betont: „So lange sind wir ja noch gar nicht bayerisch. Wir waren lange Freisingerisch.“
Nun, nicht jedem Einheimischen, der durch den Schlosspark wandelt oder vor dem Rathaus steht, wird die wechselvolle, über 500-jährige Geschichte des Areals parat haben, aber eines dürfte laut Greulich fest stehen: „Schloss und Park sind in hohem Maße identitätsstiftend.“
Bis zum Umbau glänzte das Schloss im Empire-Stil
Die Frau freilich, die sich mit der (Bau-)Geschichte am besten auskennt, ist die Autorin des neuen Werks: Christine Heinz, langjährige Leiterin des Schlossmuseums in Ismaning, das im ehemaligen Gärtnerhaus untergebracht ist, und Kreisheimatpflegerin des Landkreises München. Bei ihrer Arbeit konnte sie auf ein Wissen zurückgreifen, das sie selbst – mit Unterstützung aus Museum und Gemeindearchiv – zusammengetragen hat. „Wir haben viele Epochen bereits beleuchtet, aber es gibt neue Aspekte“, sagt Heinz. „Durch die Digitalisierungen von Archiven und Bibliotheken ist die Quellenlage erweitert worden.“
Dazu gehören diverse Zeitungsartikel aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Generell konstatiert Heinz: „Schloss und Park sind zwar von der Größe her überschaubar, durch ihre abwechslungsreiche Geschichte als grafschaftlicher Verwaltungssitz, fürstbischöfliche Sommerresidenz, Landsitz der herzoglichen Familie von Leuchtenberg und Schlossgut des niederen Landadels dennoch überregional von Bedeutung.“

Als sie ihr Nachfolger, Museumsleiter Dietrich Maurer, fragt, welche Epochen sie am spannendsten finde, sagt sie: „Es sind oft die Zeiten der Umbrüche.“ Das bezieht sich nicht zuletzt auf die Baugeschichte: vom Renaissance-Schloss, das der Freisinger Bischof Philipp Anfang des 16. Jahrhunderts errichten ließ, über die spätere Barockanlage (ab 1716), die in der Regentschaft von Johann Franz Freiherr von Eckher und Johann Theodor im 18. Jahrhundert gebaut und erweitert wurde – für die Innengestaltung zeichnete Johann Baptist Zimmermann verantwortlich – bis zu den Umbauten des 19. Jahrhunderts, als das Schloss im Empire-Stil glänzte.
Immer schön und friedlich war die Schlossgeschichte freilich nicht. Die Koalitionskriege zur Zeit Napoleons hinterließen teils verheerende Spuren, etwa als französische Truppen sich rund um die Schlacht von Hohenlinden (1800) in Ismaning einquartierten. Mit der Säkularisation 1802/03 endet die Herrschaft des Hochstifts Freising, eine Glanzzeit des Schlosses war aber noch mal die Epoche der Leuchtenbergs: Eugène de Beauharnais war ein Adoptivsohn Napoleons, von 1805 bis 1814 Vizekönig von Italien, und erhielt 1817 den Titel der Herzogs von Leuchtenberg – Jagdgesellschaften und sommerliche Feste gab es nach seinem Tod 1824 nicht mehr so oft, aber Auguste Amalie ließ die beiden Prunksäle im Schloss neu dekorieren.

Nach ihrem Tod 1851 folgte eine Reihe Landadeliger, die Stadt München und die Gemeinde Ismaning als Eigentümer. „Trotz vieler Recherchen gibt es noch ungeklärte Fragen“, sagt Heinz. Eine ganze Menge werden freilich in ihrem Buch beantwortet, zudem etliche neue Bilder, Karten und Fotos bis in die Jetztzeit präsentiert. Oft sind die Motive schön und friedlich.

