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Ismaning:Gerüstet für das Ende des Kultur-Lockdowns

Rasmus Kleine vor dem Kallmann-Museum in Ismaning, 2020

Museen sind bisher nicht als Corona- Hotspots aufgefallen. Rasmus Kleine hofft auf baldige Öffnung und wartet.

(Foto: Claus Schunk)

Im Kallmann-Museum gibt man sich geduldig

Von Udo Watter, Ismaning

Bücher lesen, Serien gucken, Brettspiele spielen, schön und gut. Aber Hirn und Herz verlangen mitunter auch nach Inspirationen, die jenseits von Bildschirm und Buchdeckel sowie der eigenen vier Wände warten. Räume, in denen man intellektuelle und emotionale Kraft tanken kann. Vergangene Woche haben prominente deutsche Museumsleiter Kulturstaatsministerin Monika Grütters in einem nicht-öffentlichen Brief um Hilfe gebeten: Sie möchten ihre Häuser wieder öffnen, die wegen der Pandemie geschlossen wurden. Die Rede ist davon, dass die Museen "zahlreiche gangbare Wege" entwickeln könnten, die für "den Hunger auf Kultur ein Angebot machen, ohne die gesellschaftliche Solidarität in Frage zu stellen". Und weiter: "Das Museum ist ein Kraftort für die in dieser Zeit dringend benötigte Resilienz." Und als Orte des Infektionsgeschehens seien sie bisher auch nicht aufgefallen.

"Man könnte die Museen sicher wieder aufmachen", sagt Rasmus Kleine, Leiter des Kallmann-Museums in Ismaning, "es hat sich gezeigt dass es dort kaum ein Ansteckungsrisiko gibt." Allerdings hat er durchaus Verständnis, dass sein Haus wie so viele andere ähnliche Einrichtungen derzeit geschlossen ist. Da geht es auch um Symbolik und Signalwirkung im gesellschaftlichen Kontext. "Dass die Schulen wieder öffnen ist derzeit wichtiger als die Museen." Was nicht heißt, dass er sich nicht freuen würde, wenn im Ismaninger Schlosspark bald wieder Kunstfreunde zu Gast wären. Gleichwohl ist es, wie es ist, man könne jetzt "nur auf Sicht planen".

Vor Ende März rechne er nicht ernsthaft mit einer Öffnung. Dann soll schließlich die ursprünglich mal auf Anfang Dezember terminierte Ausstellung mit der Kallmann-Preisträgerin Lena von Goedeke beginnen. Die Berliner Bildhauerin, Installationskünstlerin und Fotografin wurde für ihre Auseinandersetzung mit dem Thema "Landschaft" prämiert. Die 1983 geborene Künstlerin befragt in ihrem Werk die Wahrnehmung von Natur durch den Menschen. Ihre aktuelle Auseinandersetzung mit der Landschaft ist geprägt von zwei Rechercheexpeditionen in die Arktis. Vermutlich wird sie Anfang Februar noch mal in die Arktis reisen und von ihrer Expedition sogar das ein oder andere Exponat nach Ismaning bringen. Eventuell ist dann auch ein virtuelles Künstlergespräch aus dem hohen Norden möglich, dass man über Social-Media-Kanäle verfolgen kann. "Das könnte spannend werden", glaubt Kleine, zumal ja gerade die extremen Erfahrungen, die Goedeke in einer derart lebensfeindlichen Umgebung macht und die fraglos eine existenzielle Dimension haben, Eingang in ihre künstlerische Arbeit finden.

Was weitere Pläne angeht, unter anderem weitere Ausstellungen, Konzerte und besonders der schon länger anvisierte Umbau des Museums, befinden sich Kleine und sein Team eh in einem "Dauerschwebezustand", wie er sagt. Abwarten, Geduld haben, vorbereitet sein, ist die Devise. Dass im Moment die konkrete Perspektive fehlt, hinterlässt aber schon ihre Spuren. Kleine vermisst den Austausch und die befruchtende Atmosphäre im Museum, Gespräche mit Besuchern und Künstlern: "Das, was ein Museum lebendig macht." Falls das Haus doch wieder früher öffnen darf, würde die Ausstellung mit Werken von Hans Jürgen Kallmann ( Landschaftsdarstellungen, Porträts, Genremalerei) gezeigt werden, die bisher nur in einem kurzen Zeitfenster zwischen Mitte Oktober und Anfang November, als der zweite Shutdown in der Kultur begann, zu sehen waren.

© SZ vom 27.01.2021
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