Goldachhof in Ismaning Fluss und Einfluss

Der Goldachhof in Ismaning.

(Foto: Florian Peljak)

Auf dem Goldachhof hat einst die Familie Randlkofer, Besitzer des Hauses Dallmayr, residiert. Heute gehört das Gut der Gemeinde Ismaning, die es liebevoll restauriert - samt seinem Kraftwerk.

Von Martin Mühlfenzl, Ismaning

Nur wenige Meter stehen die Ahornbäume auseinander. Ihre Kronen berühren sich in ein paar Meter Höhe und bilden einen grünen Tunnel in eine andere Welt. Grün ist es um die Krautgemeinde Ismaning ja schon immer gewesen. Doch hier im Osten, oberhalb des Speichersees tut sich schon vor Beginn der Ahornallee an der Mayerbacherstraße ein ganz besonderes Idyll auf. Ein Kleinod in ländlicher Abgeschiedenheit, dem die Gemeinde sorgsam und ohne große Hektik wieder seinen alten Glanz zurückgeben will: Der Goldachhof, der schon zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts die Reichen aus der Stadt verzaubert hat und einige Jahrzehnte lang der Familie Randlkofer aus München gehörte. Den mächtigen Besitzern des Hauses Dallmayr.

Am Wochenende hat die Gemeinde die Pforten des Goldachhofs geöffnet. Das Gut ist Bestandteil der diesjährigen Architektouren - und an zwei Tagen ein beliebtes Ziel von historisch und ästhetisch interessierten Besuchern.

Der Wachhund wirkt eher teilnahmslos

Der Goldachhof ist ein sogenannter Dreiseithof. In der Mitte des Platzes, dort, wo einst das landwirtschaftliche Leben sich entfaltete, liegt heute ein eher teilnahmsloser Wachhund und döst in der Sonne. Gefahr scheint also nicht im Verzug zu sein. Auf den ersten Blick wird dem geneigten Besucher nicht vor Augen geführt, dass hier noch viel Arbeit vor den Sanierern und Bauarbeitern liegt. Der Hof erstrahlt nach außen hin, die Fassaden sind geputzt, die Fensterläden des Personalhauses gestrichen und die Blumen davor akkurat angerichtet. Auch der Taubenturm zwischen Personalgebäude und Gutshaus wirkt wie neu - nur ein wenig verlassen.

Es gibt noch viel zu tun

Beim Betreten des Gutshauses aber offenbart sich plötzlich, dass es hier noch viel zu tun gibt. Zwar ist die Holzdecke im Eingangsbereich neu, doch die anderen Räume sind gerade erst entkernt worden. Es wird noch Jahre dauern, bis hier wieder die bäuerliche Herrlichkeit früherer Zeiten einzieht.

Es ist das Ensemble an sich, das den Besucher in seinen Bann zieht. Die unaufdringliche Größe des Goldachhofs, die bewusst hinterlassenen Mauern alter Stallungen, die sich die Natur teilweise zurückgeholt hat. Und natürlich der Charme der englisch anmutenden Gartenanlagen. Ein paar hundert Meter Richtung Speichersee lässt ein Schild wissen, dass hier das Revier der Bienen angelegt ist. Und tatsächlich finden sich mitten zwischen hoch aufragenden Bäumen am Rande des Bachs Goldach einige Kästen für die Bienenvölker, die hier keiner Bedrohung ausgesetzt sind.

Das Kraftwerk liefert wieder Strom

Ja, die Goldach ist so etwas wie die Lebensader dieses herrschaftlichen Anwesens. Sie war es auch, die den Besitzern zu Beginn des 20. Jahrhunderts den Aufbruch in die Moderne ermöglichte. Im Jahr 1905 wurde das Wasserkraftwerk des Goldachhofs errichtet - und es versorgte das Anwesen bis in die Siebzigerjahre mit Strom. Seit zwei Jahren aber produziert das kleine, ansehnliche Kraftwerk, das im Zuge der Sanierungen des Hofs ebenfalls komplett restauriert wurde, wieder Strom. Die Stromversorgung Ismaning, der kommunale Versorger der Gemeinde, ist für das unter Denkmalschutz stehende Gebäude samt seiner neuen Francisturbine verantwortlich - der alte Antrieb übrigens steht als Ausstellungsstück direkt vor dem Kraftwerk.

Hier auf dem Goldachhof lässt sich Geschichte bestaunen, ist es möglich, durch die vergangenen Jahrzehnte und prägende Einflüsse zu wandeln. Natürlich auch in jene Zeit, als der Glaube fester Bestandteil des Lebens auf dem Hof war: In der kleinen Hofkapelle, eine neobarocke Schönheit direkt an der Zufahrt zu dem Gelände. Dort, wo die Allee beginnt.