SZ-Serie: Waren Sie schon mal in…Fischerhäuser auf der Grünen Heide

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Fischerhäuser ist ein relativ junger Ortsteil von Ismaning. Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden in der nördlich anschließenden Heide erste Siedlungen. Das Hotel -Restaurant Erber (Bild) wurde erst 1962 eröffnet.
Fischerhäuser ist ein relativ junger Ortsteil von Ismaning. Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden in der nördlich anschließenden Heide erste Siedlungen. Das Hotel -Restaurant Erber (Bild) wurde erst 1962 eröffnet. Johannes Simon
  • Fischerhäuser ist ein verhältnismäßig junger Ortsteil von Ismaning mit heute mehr als 1200 Einwohnern, der erst Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden ist.
  • Das Wirtshaus „Grüne Heide“ prägte die Entwicklung des Orts, besonders unter Wirt Jakob Weiß, der es ab 1917 zur Blüte führte.
  • 1991 votierte eine knappe Mehrheit für den offiziellen Namen „Fischerhäuser“, obwohl viele Einwohner bis heute die alte Bezeichnung „Grüne Heide“ bevorzugen.
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Der Ismaninger Ortsteil liegt beschaulich unweit der Isarauen. Bekannt gemacht hat ihn einst ein umtriebiger Wirt. Bis heute halten die Einwohner zusammen – auch wenn über das Ortsschild nicht alle glücklich sind.

Von Irmengard Gnau, Ismaning

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Die hellen Sonnenschirme vor dem Wirtshaus „Erber“ flattern an diesem sonnigen Maivormittag einladend im Wind. Seit mehr als sechs Jahrzehnten ist das Wirtshaus an der großen Straßenkreuzung von Fischerhäuser ein zentraler Anlaufpunkt für die Einwohner des nördlichen Ortsteils der Gemeinde Ismaning im Landkreis München. Auch die Geschichte des Orts ist eng mit einem Wirtshaus verbunden. Zumindest war ein solches prägend für die Entwicklung der Siedlung, in der heute mehr als 1200 Einwohner leben.

„Fischerhäuser ist ein verhältnismäßig junger Ort“, erklärt die Gemeindearchivarin von Ismaning, Anke von Leutsch. Während die Geschichte des Hauptorts Ismaning – nördlich von München am Ostufer der Isar – bis ins Jahr 809 zurückreicht, entstanden erste feste Siedlungen in der nördlich anschließenden Heide erst Mitte des 19. Jahrhunderts. „Heide“ war auch der geläufige Name, den die Ismaninger für das Gebiet verwendeten. Er bezieht sich vermutlich auf die Beschaffenheit des Bodens, der eine eher dünne Erdschicht aufweist und wohl vor allem als Weide für Schafe oder Ziegen diente.

SZ-Grafik

Als eine Art Ureinwohner des Ortsteils gilt Josef Lupperger, geboren 1821. Er soll um 1860 vom elterlichen Hof in Ismaning in die Heide gezogen sein und dort eines der ersten festen Häuser errichtet haben. Um diese Zeit zählte der Ort laut Ismaninger Chronik gerade einmal fünf Gebäude – drei Bauernhöfe, ein Arbeiterhaus und ein Gasthaus: Lupperger hatte von der Gemeinde die Genehmigung erhalten, eine Wirtschaft zu führen. Als Name für das Gasthaus wählte er „Grüne Heide“. Das Wirtshaus wurde über die folgenden Jahrzehnte eine bestimmende Größe für den kleinen Ortsteil.

Unter den zahlreichen Pächtern, die auf Lupperger folgten, ragte einer hervor: Jakob Weiß. Der „Weiß Jakl“, wie er genannt wurde, übernahm die Wirtschaft 1917. Er brachte Erfahrung als Wirt aus München mit, sogar Wiesnwirt soll er gewesen sein. „Durch seinen guten Humor und seine Originalität“, wie es in einem Nachruf heißt, führte Weiß das Wirtshaus zur Blüte. Der Ausspruch „Fahren wir in die Heide“ soll während seiner Zeit als Wirt bei Ausflüglern aus der näheren und weiteren Umgebung typisch gewesen sein. Dazu dürften auch die wilden Geschichten beigetragen haben, die Weiß gern erzählte. Zu seinem 70. Geburtstag 1928 veranstaltete der Wirt ein mehrere Tage dauerndes Fest.

Um das Wirtshaus herum wuchs Anfang des 20. Jahrhunderts auch die Siedlung. Es entstanden Wohnhäuser, unter anderem für Arbeiter des nahegelegenen Karlshofs. Einen deutlichen Wachstumsschub erlebte der Ort nach dem Zweiten Weltkrieg zu Beginn der 1950er-Jahre. Kriegsflüchtlinge und andere Zuzügler siedelten sich an und bauten sich eine neue Heimat auf. Ein wichtiges Symbol für die eigene Identität war der Bau einer Kirche: Um zum Kirchgang nicht mehr die vier Kilometer nach Ismaning zurücklegen zu müssen, setzten sich katholische Anwohner mit Unterstützung der Geistlichen für eine eigene Filialkirche ein.

Die „Heidekirche“ St. Koloman stammt aus dem Jahr 1952.
Die „Heidekirche“ St. Koloman stammt aus dem Jahr 1952. Johannes Simon

Dank des großen persönlichen Engagements der Anwohner konnte im September 1952 die sogenannte „Heidekirche“ St. Koloman geweiht werden. „Meine Großmutter hat sich damals sehr für den Bau der Kirche eingesetzt“, erinnert sich Franz Landmann, dessen Familie seit etwa 130 Jahren einen Hof in Fischerhäuser bewirtschaftet. „Wir haben Kies aus unserer Kiesgrube gestellt, Steine für die Kirche konnten die Leute kaufen und spenden.“

Lange Jahre versah die Familie Landmann den Mesnerdienst in St. Koloman. Seit Corona finden in der Filialkirche nur noch selten Gottesdienste statt. Das will Anneliese Landmann am liebsten ändern und die Heidekirche wiederbeleben. So viel Eigenständigkeit muss sein. „Wir gehören schon zu Ismaning, aber wir sind eigenwillig“, sagt die 73-Jährige und lacht. „Wir halten zamm und kämpfen auch miteinander für unseren Ortsteil.“

„Für mich ist’s immer die Heide“, sagt Landwirt Franz Landmann. Offiziell trägt der Ismaninger Ortsteil den Namen „Fischerhäuser“.
„Für mich ist’s immer die Heide“, sagt Landwirt Franz Landmann. Offiziell trägt der Ismaninger Ortsteil den Namen „Fischerhäuser“. Johannes Simon
Aus der ehemaligen Gastwirtschaft „Grüne Heide“ ist jetzt eine Unterkunft für Geflüchtete geworden.
Aus der ehemaligen Gastwirtschaft „Grüne Heide“ ist jetzt eine Unterkunft für Geflüchtete geworden. Johannes Simon

Die Ortsverbundenheit ist auch bei Stefan Erber spürbar. Der 56-Jährige betreibt gemeinsam mit seinem Bruder das Restaurant und Hotel Erber, das an die Stelle der „Grünen Heide“, des ersten Gasthauses im Ort, getreten ist. Nach Weiß’ Tod 1931 hatte die „Grüne Heide“ noch mehrere Pächter, reichte jedoch nie wieder an ihre Blütezeit heran. Später wurde das Gebäude verkauft; es dient heute als Unterkunft für Geflüchtete.

Das Wirtshaus Erber wurde 1962 von Stefan Erbers Großeltern Anna und Johann eröffnet, die zuvor im Ort eine Gärtnerei und einen kleinen Laden betrieben hatten. Zunächst gab es nur Bier und Wasser, vor allem für Durchreisende auf dem Weg nach Erding oder Freising, erinnert sich Erber. Seine Eltern erweiterten später das Angebot. Mit dem Bau des Münchner Flughafens im Erdinger Moos kamen die ersten Fremdenzimmer dazu. „Mit dem Flughafen ist Fischerhäuser relativ schnell gewachsen, wie die ganze Region“, sagt Erber.

Stefan Erber betreibt heute mit seinem Bruder das Restaurant und Hotel Erber, das anstelle der „Grünen Heide“ den Rang des ersten Gasthauses im Ort einnimmt. Seine Großeltern haben es 1962 gegründet.
Stefan Erber betreibt heute mit seinem Bruder das Restaurant und Hotel Erber, das anstelle der „Grünen Heide“ den Rang des ersten Gasthauses im Ort einnimmt. Seine Großeltern haben es 1962 gegründet. Johannes Simon
Die Skulptur „Ismaninger Krautkopf“ steht vor dem Gelände des SC Grüne Heide Ismaning. Der Sportclub trägt die alte Bezeichnung von „Fischerhäuser“ noch in seinem Namen.
Die Skulptur „Ismaninger Krautkopf“ steht vor dem Gelände des SC Grüne Heide Ismaning. Der Sportclub trägt die alte Bezeichnung von „Fischerhäuser“ noch in seinem Namen. Johannes Simon

1962 wurde der Ismaninger Chronik zufolge auch das erste offizielle Ortsteilschild „Fischerhäuser“ aufgestellt – zum Unmut vieler Einheimischer. Sie bevorzugen bis heute den im Alltag gebräuchlichen Namen „Grüne Heide“. Der Name „Fischerhäuser“ könnte auf den Hofnamen Josef Luppergers zurückgehen, der einst in die Heide siedelte. Er stammte vom Hof des Ismaninger Isarfischers Hans Lupperger ab. Möglicherweise wurde sein neues Haus in der Heide deshalb „Fischerhäusl“ genannt und fand so Eingang in eine Landkarte von 1876, in der erstmals der Ortsname „Fischerhäuser“ auftaucht.

In Ismaning schwelt der Streit um die Namensgebung bis heute; seinen Höhepunkt fand er in den späten 1980er-Jahren. Eine Gruppe Geschichtsinteressierter trug in emsiger Recherche in alten Archiven und Katastern Argumente zusammen, warum „Grüne Heide“ der einzig wahre Ortsname sei. Andere wiederum führten auf, warum das Ortsschild ganz zurecht seine Inschrift trägt. Am Ende kam es zu einer offiziellen Abstimmung: Im Februar 1991 votierte eine knappe Mehrheit von 55 Prozent der Wahlberechtigten, die ihre Stimme abgaben, dafür, „Fischerhäuser“ beizubehalten. „Der Begriff ‚Heidler‘ für die Anwohner des nördlichen Ortsteils ist aber gerade unter älteren Ismaningern immer noch geläufig“, sagt die Gemeindearchivarin von Leutsch.

Blick auf den Fußballplatz des SC Grüne Heide.
Blick auf den Fußballplatz des SC Grüne Heide. Johannes Simon

Auch Anneliese und Franz Landmann kommt der Name „Heide“ weiterhin ganz selbstverständlich von den Lippen. „Als ich noch ein Dirndl war in Ismaning, haben wir immer gesagt: ‚Wir fahren in die Heide‘“, erinnert sich Anneliese Landmann. Im Schulunterricht aber sei der Ortsteil am Moos als „Fischerhäuser“ bezeichnet worden. Auch gegenüber Lieferanten von fern nennt sie stets den offiziellen Ortsnamen „Ismaning, Fischerhäuser“, damit diese ihren Hof finden. Franz Landmann hingegen bleibt bei der alten Bezeichnung. „Für mich ist’s immer die Heide“, sagt der 77-Jährige. Wirt und Hotelier Stefan Erber sieht den Konflikt entspannt: „Ich halte das wie bei einem Hof – das eine ist der Hofname, das andere der Familienname.“

Ausflugstipps:

Fischerhäuser liegt unweit der Isarauen, daher bietet sich – nach Besichtigung der hübschen, kleinen Filialkirche St. Koloman – ein Fahrradausflug an (kann auch zu Fuß unternommen werden). Wer von der Kirchenstraße aus der Freisinger Straße nach Norden folgt, findet auf Höhe der Hausnummer 91 eine Abzweigung nach links. Der Weg mit Namen Sulzgeräumt führt über mehrere Bäche durch Auwald hin zur Isar. Dort lässt es sich gut verweilen und das Wasser beobachten.

Wer der Isar nun nach Süden folgt, kann etwa auf halber Strecke zwischen Fischerhäuser und Ismaning ein Denkmal entdecken. Ein circa vier Meter hoher Gedenkstein aus Muschelkalk erinnert dort am Hochufer an die Opfer eines Fährunglücks vor gut 100 Jahren. Am 21. Mai 1907 gerieten vier Männer mit ihrem Floß in die Stromschnellen, kenterten und ertranken in der Isar. Wie die Inschrift erkennen lässt, standen zwei der Männer im Dienste der königlich-bayerischen Staatsbauverwaltung. Diese Bauverwaltung ließ ihren Mitarbeitern daraufhin offenbar das Denkmal errichten.
Wer möchte, kann der Isar nun weiter nach Süden folgen und einen Abstecher nach Ismaning machen. Auf dem alten Friedhof ist auch das Grab des „Weiß Jakl“ zu finden, der als Wirt der „Grünen Heide“ einst die Menschen begeisterte.

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