Installation in IsmaningEine Kunst, durch die sich ein roter Faden zieht

Lesezeit: 3 Min.

Ihre Installation ist ein Hingucker, den man gleichsam begehen kann: die iranische Künstlerin Zahra Ghadimian
Ihre Installation ist ein Hingucker, den man gleichsam begehen kann: die iranische Künstlerin Zahra Ghadimian
Florian Peljak
  • Die iranische Künstlerin Zahra Ghadimian zeigt im Ismaninger Schlosspavillon eine begehbare Installation aus weißen keramischen Kuppelformen, inspiriert von altiranischer Architektur.
  • Die Installation "For you who remain within me" symbolisiert emotionale Bindungen und Erinnerungen an Menschen, die sie verloren hat oder zurücklassen musste.
  • Ghadimian kam 2013 nach Europa und lebt heute in München, ihre Eltern musste sie im Iran zurücklassen und hat sie zuletzt vor anderthalb Jahren besucht.
Von der Redaktion überprüft

Diese Zusammenfassung wurde mit der Unterstützung einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt. Lesen Sie mehr über unseren Umgang mit KI.

Fanden Sie diese Zusammenfassung hilfreich?
Mehr Feedback geben

Die Künstlerin Zahra Ghadimian zeigt im Ismaninger Schlosspavillon eine Installation, die von altiranischer Architektur inspiriert ist. In ihr spiegelt sich die Auseinandersetzung mit Raum, Erinnerung und Identität.

Von Udo Watter, Ismaning

SZ bei Google bevorzugen

Am Nachmittag nimmt die Sonne vom Westen her die Einladung zum speziellen Tauchgang an: Schmale Strahlen bahnen sich den Weg durch die kleinen Öffnungen derjenigen Keramik-Skulpturen, die im Schlosspavillon in der Nähe des hinteren Fensters platziert sind. Die schlanken Lichtschneisen fügen dem im Hellen badenden Raum eine zauberische Note bei.

Die derart in Szene gesetzten keramischen Körper sind Part der raumgreifenden Installation „For you who remain within me“, die jetzt in der Galerie im Ismaninger Schlosspark zu sehen ist. Es ist eine Art Stadtlandschaft voller weißer kuppelartiger Formen sehr unterschiedlicher Größen, die von altiranischer Architektur inspiriert ist und sich als begehbare Installation über die drei barocken Räume im Pavillon erstreckt. Der kreative Kopf dahinter ist die iranische Künstlerin Zahra Ghadimian, die als Absolventin der Akademie der Bildenden Künste München diese Ausstellung realisieren durfte – auserwählt von einer Jury, die im Kontext einer Kooperation zwischen dem Akademieverein und dem Kallmann-Museum Ismaning aktiv ist.

Zusätzlich zum visuellen Zauber ist zudem die symbolische Wirkung eindrucksvoll, wenn man weiß, welche Gedanken Ghadimian bei der Konzeption streiften: „Die Öffnungen dienen sowohl als Fenster als auch als Metaphern für das Herz“, erklärt die  36-Jährige, und diese Öffnungen seien damit gleichsam „Orte, durch die Licht, Erinnerung und Verbindung fließen“. Für die in Maragheh im Nordwesten Irans geborene Künstlerin ist diese quasi mit eigenen Händen gestaltete und erbaute Stadt nicht nur eine bewegliche Ansammlung von weißen Gebäuden, sondern eine aus ihrem Inneren entsprungene Manifestation emotionaler Bindungen und Erinnerungen. Die Skulpturen stehen auch für menschliche Formen, sie gemahnen symbolisch an die Präsenz von Personen, die im von häufigen Ortswechseln bestimmten Leben Ghadimians eine Rolle spielten: „Jene, die ich verloren habe, jene, die ich zurücklassen musste, und jene, die da sind“, sagt sie.

Ihre Eltern hat sie zurücklassen müssen

Sie selbst kam bereits 2013 nach Europa, studierte an der Akademie der Bildenden Künste in Florenz, wo sie 2019 ihren Master-Abschluss machte, und danach in München, wo sie kürzlich ihr Diplom erwarb. Ihre Eltern gehören zu denen, die sie gleichsam zurücklassen musste, sie leben heute noch in Iran, in der Nähe von Teheran. Die Situation in dem von inneren Spannungen, Krieg sowie wirtschaftlicher Krise geprägten Land ist im Moment selbstredend besonders schwierig. Zuletzt besucht hat Zahra Ghadimian ihre Eltern vor anderthalb Jahren.

In der Zwischenzeit sei es ihr manchmal so vorgekommen, als seien diese am Ufer und sie selbst auf dem Meer, aber sie könne das Ufer einfach nicht erreichen, wie sie erzählt. Die aufblühende Hoffnung, die sie etwa noch angesichts der Proteste 2022/23 gegen das iranische Regime unter dem Slogan „Frau, Leben, Freiheit“ für ihre erste Heimat spürte, ist derzeit eher verflogen. Die brutale Reaktion der Regimes auf die erneuten Proteste 2025/26 hat ihr schwer zugesetzt.

Gleichwohl plant sie, ihre Eltern demnächst wieder zu besuchen. Eine generelle Rückkehr ins Geburtsland steht freilich schon angesichts der aktuellen Umstände nicht zur Debatte, zumal dort auch die rein berufliche Situation für eine moderne Künstlerin wie sie – die neben plastischer und malerischer Entfaltung performative Kunst liebt – im Vergleich zu Europa suboptimal wäre.

Die dritte Heimat

München sei nun nach Iran und Florenz ihre „dritte Heimat“, wie sie sagt. Sie lebt hier mit ihrem Mann und an der Kunstakademie habe sie „sehr viel gelernt“, nicht zuletzt bei der renommierten rumänischen Performance-Künstlerin Alexandra Pirici.

Ein roter Faden  fließt wie das Sonnenlicht durch die kleinen Öffnungen der keramischen Körper und nimmt so einen verbindenden Charakter ein.
Ein roter Faden  fließt wie das Sonnenlicht durch die kleinen Öffnungen der keramischen Körper und nimmt so einen verbindenden Charakter ein.
Florian Peljak

Als Besucher im Schlosspavillon muss man zwar nicht unbedingt performen während der Besichtigung, aber man ist eingeladen, auf vorgegebene Wegen durch die fragile Stadtlandschaft zu gehen und so ein Teil davon zu werden. Eindrucksvoll verändern sich die Perspektiven und gerade, wo die Installation in den Flügelräumen mit kleinen versiert verstreuten Skulpturen ausläuft, (die mitunter an Porzellan-Fingerhüte erinnern) – wirkt sie fast beweglich.

Der figurative Charakter der Installation wird dort besonders akzentuiert. Ein Hingucker im zentralen Raum ist dafür ein rotes Wollknäuel samt einem Faden, der – wie das Sonnenlicht – ebenfalls durch die kleinen Öffnungen der keramischen Körper fließt und so verbindenden Charakter hat. Es geht um Emotion, zerbrechliche Vernetzung, aber auch um Schutz und Identität. „Manchmal denke ich, ich bin das Wollknäuel“, sagt Ghadimian. Der rote Ball im Raum kann für Herzblut stehen und dafür, dass er weiter ausgerollt werden könnte - um mehr Verbindungen zu schaffen.

In den Flügeln des Schlosspavillons läuft die keramische Stadtlandschaft filigran aus.
In den Flügeln des Schlosspavillons läuft die keramische Stadtlandschaft filigran aus.
Florian Peljak

Es sind sehr viele in fließend anmutenden Bewegungen platzierte   Skulpturen, zwischen denen zu wandeln das Kunsterlebnis unmittelbar macht. Viel Zeit und Aufwand steckt dahinter, es ist sogar mal ein großer Körper im Keramik-Ofen explodiert, wie Ghadimian erzählt. Man kann, wenn man will, zudem noch weitere Bezüge zur iranischen Kultur erkennen, wie die Tatsache, dass traditionelle Gebäude in den dortigen Wüsten wie der Dascht-e Lut  oft aus Lehm- und Tonziegeln errichtet sind. Aber man braucht wahrscheinlich gar nicht so viele Informationen, um den eigenwilligen Zauber der Installation zu erfassen.

„For you who remain within me“ ist eine spielerische und berührende Auseinandersetzung mit Raum und Identität, Zeit und Zeitlosigkeit. Mit Erinnerung sowie Verbindung. Und das Licht spielt auch mit.

Ausstellung „For you who remain within me“ im Ismaninger Schlosspavillon, Schloßstraße 1, bis 27. September

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Tag der Floskeln
:Kein Witz

Um es auf den Punkt zu bringen: Diese Woche haben wir den Tag der Floskeln gefeiert. Was das mit einer Baustelle zu tun hat und warum der Hund in der Pfanne verrückt wird.

SZ PlusKolumne von Iris Hilberth

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: