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Isartal:Hängebrücke oder Liftanlage

Plimaschlucht im Martelltal

Vorbild fürs Isartal? Im Vinschgau führt eine Hängebrücke für Fußgänger über die Plimaschlucht.

(Foto: privat)

Die Pullacher und Grünwalder haben einige Ideen zur Überwindung der "Trennenden"

"Die Reißende" trägt die Isar als Beinamen. Für die Menschen im Isartal ist sie vor allem "die Trennende". Wer trockenen Fußes von Pullach nach Grünwald gelangen will, muss zuerst runter auf die Grünwalder Brücke, um auf der anderen Seite wieder hinauf zu gelangen. Das ist anstrengend und für ältere Menschen kaum zu schaffen. Weil viele mangels Alternative deshalb ins Auto steigen, ist zudem der Schadstoffausstoß enorm.

Links und rechts der Isar wächst daher der Wunsch nach einer über die Isar gespannten Fußgängerbrücke mit einer Fahrradschiebespur. Dass ein solches Bauwerk einen besonderen Charme hätte, ist in Pullach und Grünwald unbestritten. Der Gemeinderat Pullach hat bereits einen Grundsatzbeschluss für eine solche Überquerung gefasst. Doch derzeit hängt das Vorhaben in der Luft, nicht nur weil mehrere Verbände und Organisationen vor einem massiven Eingriff ins Landschaftsbild mitten in einem FFH-Gebiet und vor Hangrutschen warnen. Vor allem aber deshalb, weil der Gemeinderat Grünwald das Thema so lange ruhen lassen will, bis Studenten der TU München die Brückenpläne nach ihrer Umsetzbarkeit untersucht haben. Und das wird noch bis Ende 2019 dauern.

Während in beiden Rathäusern die Brückenpläne in den Schubladen liegen, machen sich die Menschen auf beiden Uferseiten weiter Gedanken darüber und warten auch mit eigenen Vorschlägen auf. Hans Eschler von der Pullacher Agenda etwa: "Sehen Sie, das würde für das Isartal reichen", sagte Eschler beim SZ-Lesercafé am Mittwoch in Pullach und legte einen Bericht über die angeblich längste Fußgänger-Seilhängebrücke der Welt auf den Tisch. Sie überspannt in bis zu 100 Metern Höhe das Rappbodetal im Harz, wiegt 118 Tonnen und ist 458 Meter lang. "Wenn die das können, können wir das erst recht", sagte Peter Mesenbrink von der Pullacher Bauverwaltung am Donnerstag, halb im Scherz, zur SZ. Mesenbrink hatte schon mal nachgemessen, welche Strecke im Isartal zu überbrücken wäre: "Je nach den gewählten Verbindungspunkten 400 bis 500 Meter." Sollten sich beide Gemeinden auf dieses Modell verständigen, wüssten sie, wie tief in etwa sie dafür in die Tasche greifen müssten: Die Brücke im Harz, in fünf Monaten hingestellt, kostete circa drei Millionen Euro. "Aber die bauten auch nicht in einem FFH-Gebiet", sagte Grünwalds Bürgermeister Jan Neusiedl (CSU).

Deutlich weniger Eingriffe in die Natur verspräche ein Brückenmodell, mit dem sich ein Straßlacher Bürger am Mittwoch bei der Grünwalder Gemeinderätin Antje Wagner zu Wort gemeldet hat. Der Ingenieur schlägt als Alternative zu einer Hängebrücke eine "Aufzugslösung" wie bei der Elbunterquerung in Hamburg vor. Dazu müssten auf beiden Seiten Aufzugstürme in den unteren Teilen der Isarhänge installiert werden - mit Zugang von dem bereits existierenden Brückenradweg und darauf eine Brücke zu den Hochufern gespannt. Die Vorteile, die er sieht: Zugang zur Isar auch für behinderte Menschen, geringe Eingriffe in die Natur, keine Probleme bei Eis und Wind, keine aufwendige Befestigung einer Hängebrücke. Welche Methode auch umgesetzt wird, bis dahin wird noch viel Wasser die Isar hinunterfließen.

© SZ vom 23.02.2018 / mm
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