bedeckt München 28°

Isar:Freizeitkapitäne auf Kurs gebracht

Behörde erstellt Verordnung für Bootsfahrten

Seit Anfang Mai herrscht auf der Isar wieder reger Bootsverkehr. Männercliquen in Billigschlauchbooten, professionelle Raftinganbieter oder Kanusportler reihen sich an schönen Sommertagen fast lückenlos aneinander, um sich flussabwärts treiben zu lassen. Zur Freude der Isarkapitäne, die den Wildfluss erleben oder einfach Spaß haben wollen. Und oft zum Verdruss von Naturschützern, Rettungsorganisationen und Anwohnern, die das massenhafte Treiben reglementieren wollen. Bereits seit längerem wird über eine Verordnung nachgedacht, die die Schönheit und das Ökosystem der Isar schützen und deren Nutzung möglichst gefahrlos machen soll. Aller Voraussicht nach wird es eine solche aber auch heuer nicht geben.

Denn noch sind die knapp 2918 Fragebögen, die im Herbst bei einer Online-Umfrage eingegangen sind, nicht vollständig ausgewertet. Das Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen hatte diese gestartet, um ein möglichst umfangreiches Meinungsbild zu bekommen. Die Fragebögen sind inzwischen ausgewertet. Nicht allerdings die vielen Vorschläge und Kommentare, die die Teilnehmer in einer offenen Frage ergänzen konnten. Momentan sei man damit beschäftigt, sich mit den Leuten in Verbindung zu setzen, um eventuelle Unklarheiten zu klären, heißt es aus dem Landratsamt. Diverse Themen wurden in der Umfrage angesprochen: Sollte das Befahren der Isar während der Brut- und Laichzeit bestimmter Vogel- und Fischarten, also im längsten Fall von November bis Mai, verboten werden? Will man Schwimminseln, Tubes oder Stand-up-Boards nicht erlauben? Sollte die obere Isar, ein ökologisch besonders sensibler Bereich, von jeglicher Befahrung freigehalten werden? Wie lauten die Meinungen zu einem Alkoholverbot auf dem Fluss oder zu einer Schwimmwestenpflicht?

Auf Grundlage der Umfrage soll die Verordnung erarbeitet werden. Ein aufwendiges Verfahren, wie es aus dem Landratsamt heißt. Denn Inhalte und Formulierungen müssten juristisch wasserdicht sein und Stellungnahmen von Trägern öffentlicher Belange eingeholt werden. Eine entscheidende Frage ist, wie die Einhaltung der Regeln kontrolliert werden kann. Einen Rückgriff auf die existierende so genannte "Ammer-Verordnung", wie es der Verein "Rettet die Isar jetzt" vorschlägt, erwägt man im Landratsamt nicht; die Isar sei mit der Ammer nicht vergleichbar. "Wir brauchen eine eigene Verordnung", sagt Schmid. Diesen Sommer muss es noch ohne gehen. Rettungsaktionen wie im vorigen Jahr, als etwa im August auf Höhe Straßlach fünf Menschen und zwei Hundewelpen mit einem Schlauchboot gekentert waren und per Hubschrauber gerettet werden mussten, habe es heuer noch nicht gegeben - ebenso wie Fahrverbote wegen Hochwassers.

© SZ vom 18.06.2018

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite