Isar Aerospace:Bereit zum Countdown

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Isar Aerospace: Für die Entwicklung seiner Weltraumraketen benötigt das Ottobrunner Start-up Isar Aerospace im Münchner Umland neue große Fabrikhallen.

Für die Entwicklung seiner Weltraumraketen benötigt das Ottobrunner Start-up Isar Aerospace im Münchner Umland neue große Fabrikhallen.

(Foto: privat/Isar Aerospace)

Nach Haar kommt auch Taufkirchen dem Raketenbauer weit entgegen. Dieser verhandelt unterdessen noch mit weiteren Gemeinden über eine Ansiedlung.

Von Patrik Stäbler, Taufkirchen

Im Werben um die Ansiedlung des Raketenbauers Isar Aerospace legt die Gemeinde Taufkirchen nach. Sie stellt dem aktuell in Ottobrunn ansässigen Unternehmen in Aussicht, auf dem anvisierten Areal zwischen Jochen-Schweizer-Arena und Autobahn eine Bebauung bis zu einer Wandhöhe von 30 Metern zu ermöglichen. Dies hat der Bauausschuss des Gemeinderats gegen die Stimmen der Grünen beschlossen. Diese lehnen eine solch massive Bebauung in dem Gebiet mit dem Argument ab, dass dies die Frischluftschneise im Hachinger Tal beeinträchtigen würde.

"Der Beschluss soll ein Signal an die zwei Unternehmen sein: Hier ist das möglich", erläutert Bürgermeister Ullrich Sander (parteilos) die Entscheidung. Er bezieht sich damit sowohl auf Isar Aerospace als auch auf die in Taufkirchen beheimatete Firma Blackwave, die sich Ende März in einem gemeinsamen Brief an das Rathaus gewandt hatten. Beide Start-ups benötigen infolge ihres rasanten Wachstums spätestens bis 2025 neue Betriebsstätten. Da man auf qualifizierte Fachkräfte angewiesen sei, hieß es in dem Schreiben, "ist es für uns sehr wichtig, weiterhin in unmittelbarer Nachbarschaft zum Universitätsverbund zu verbleiben". Gemeint sind die Bundeswehr-Universität in Neubiberg und die TU München sowie das vom Freistaat Bayern geplante europäische Zentrums für Luft- und Raumfahrt in Taufkirchen/Ottobrunn. Konkret baten die Firmen die Gemeinde Taufkirchen, für das 5,5 Hektar große Areal östlich der A8 ein Bebauungsplanverfahren zu starten.

Diesem Wunsch entsprach der Gemeinderat im April per Beschluss. Nun hat der Bauausschuss diesen insofern konkretisiert, als er eine maximale Höhenentwicklung von 30 Metern in Aussicht stellt sowie eine Geschossflächenzahl von 2,4. Überdies legte das Gremium fest, dass das Gelände über eine Straße von der Ludwig-Bölkow-Allee erschlossen werden soll. Bei der Höhe orientiere man sich an der Jochen-Schweizer-Arena, erklärt Sander. Deren Turm messe 38 Meter, für das geplante Hotel nebenan gelte eine Maximalhöhe von 35 Metern. Schon bei der Sitzung im April hatte eine klare Mehrheit im Gemeinderat das Ausrollen eines roten Teppichs für die zwei Unternehmen befürwortet. Diese wären im Falle einer Ansiedlung "ein Aushängeschild für Taufkirchen", sagte etwa Hildegard Riedmaier (CSU).

Die Grünen warnen: Das wird eine riesige Fabrikhalle

Allein die Grünen lehnen die Pläne ab. "Da wird ohne Überlegung in ein Gebiet hineingebaut, das als Frischluftschneise gehandelt wird", kritisiert Fraktionschef David Grothe. Mit Blick auf die nun genehmigte Wandhöhe warnt er: "Das wird eine riesige Fabrikhalle, und das sehen wir hoch kritisch in so einem Areal." Aus Sicht der Grünen fällt die geplante Bebauung in den Regionalen Grünzug - eine Einschätzung, die der Bürgermeister nicht teilt. Unabhängig davon strebe die Gemeinde eine Änderung im Regionalplan an, betont Sander. So heißt es auch im Beschluss des Bauausschusses: "Die aktuellen Vorgaben des Regionalplans sollen in Absprache mit den genannten Ministerien abgeändert werden."

Sander zufolge würde die Gemeinde von einem Zuzug von Isar Aerospace in mehrerlei Weise profitieren. Nicht nur winkten mittelfristig Gewerbesteuereinnahmen, sondern das Unternehmen würde auch eine "Magnetwirkung" auf andere Firmen ausüben und passe obendrein perfekt in ein Umfeld, wo bereits Betriebe wie Airbus, IABG und die Ariane Group ansässig seien, so der Rathauschef. Allerdings wirbt nicht nur Taufkirchen um das 2018 gegründete Start-up, das mit 170 Millionen Euro finanziert ist und mittelfristig 40 Raketen pro Jahr bauen will. Auch Ottobrunn würde die Firma gerne im Ort halten. Besonders eifrig hat sich zuletzt die Gemeinde Haar um Isar Aerospace bemüht. Dort hat der Gemeinderat diese Woche erste planerische Schritte beschlossen, um eine Ansiedlung vorzubereiten.

Entsprechend kann Isar Aerospace aus mehreren Offerten wählen. Eine Entscheidung solle bereits im Juli fallen, das habe das Rathaus vonseiten der Firma erfahren, so Taufkirchens Bürgermeister Sander. Das Unternehmen teilt dazu mit: "Eine Standortentscheidung wird nach Erhalt aller für uns notwendigen Informationen und Rahmenbedingungen in den nächsten Monaten erfolgen." Einer Sprecherin von Isar Aerospace zufolge werden die verschiedenen Optionen derzeit geprüft. "Neben den möglichen Standorten in Taufkirchen und in Haar stehen wir noch mit einigen anderen Gemeinden und Eigentümern im Gespräch."

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