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Gartenarbeit:"Auf jeden Fall sollte man die Pflanzen im Haus vorziehen"

Wer Pflanzen im Haus schon vorzieht, sollte die Töpfe wegen Frostgefahr nachts auf jeden Fall noch ins Haus holen, empfiehlt Rainer Schäfers allen Hobbygärtnern.

(Foto: Claus Schunk)

Der Frühling ist da und die Fachmärkte haben wieder geöffnet. Doch Rainer Schäfers, Vorsitzender der Unterhachinger Gartler und des Kreisverbands, warnt davor, zu früh mit der Arbeit auf den Beeten zu beginnen.

Interview von Iris Hilberth, Unterhaching

Angeklopft hat der Frühling ja schon. Die Temperaturen signalisierten vergangene Woche auch den Gartenbesitzern: Jetzt geht es bald los. Weg mit dem Winterschutz, ran an die Beete. Doch auch wenn an diesem Montag meteorologischer Frühlingsanfang ist, muss man sich mit vielen Gartenarbeiten noch etwas zurückhalten. Allerdings öffnen am 1. März die Gartencenter wieder und so kann man sich schon mal mit Saatgut, Erde oder ein paar Pflänzchen eindecken und überlegen, ob man im Karottenbeet heuer "Rote Riesen" oder "Möhren Narbonne" ernten will - und ob man sich schon mal ein paar Zucchini und Tomaten auf der Fensterbank vorziehen sollte. Für viele Menschen hat in der Corona-Krise der eigene Garten oder Balkon eine ganz neue Bedeutung bekommen und sie beschäftigen sich viel intensiver als zuvor mit Gartenarbeit. Rainer Schäfers, Vorsitzender des Gartenbauvereins Unterhaching und des Kreisverbands für Gartenkultur und Landespflege, weiß, was man jetzt schon im Garten tun kann.

SZ: An diesem Montag öffnen die Gartenmärkte wieder. Haben Sie schon eine lange Einkaufsliste?

Rainer Schäfers: Sicher überlegen sich Gartenliebhaber und Mitglieder aus unserem Verein, wie sie heuer ihren Garten bestellen wollen. Dabei wird wohl auch geprüft, welche vorhandenen brauchbaren Saatgutvorräte vom vergangenen Jahr noch vorhanden sind und welche ergänzt werden sollten, vielleicht auch mit der Überlegung, mal andere Sorten oder Neues auszuprobieren. Die meisten unserer Mitglieder beziehen ihre Pflanzen und Samen von Fachhändlern und achten dabei auf regionale Bioqualität. Einige haben auch selber Samen von Pflanzen aus dem vergangenen Jahr geerntet und freuen sich, diese wieder nutzen zu können.

Und wer noch nichts für eine spätere reiche Ernte zu Hause hat? Was sollte der kommende Woche unbedingt kaufen?

Viele Gemüsearten wie zum Beispiel Tomaten, Paprika, Knollensellerie, Fenchel, Salate und Kohlsorten oder auch Sommerblumen werden im Warmen auf der Fensterbank oder im Gewächshaus vorgezogen. Und wenn kein Saatgut vorhanden ist, sollte es jetzt gekauft werden. Die Pflänzchen werden dann später, wenn man sich sicher ist, dass die Nachtfröste vorüber sind, im Freiland, also im Garten ausgepflanzt. Für alles andere ist es noch viel zu früh, um es nach draußen zu bringen, auch wenn die Temperaturen locken.

Kann es sein, dass man bereits mit seiner Gartenplanung hinterherhinkt, weil die Gartenmärkte geschlossen waren?

Nein, wir sind voll im Zeitrahmen. Sicher haben uns die letzten schönen Wochen das Gefühl gegeben, aktiv werden zu müssen. Das ging auch mir so. Der meteorologische Frühling fängt ja jetzt erst an. Wir sollten daher Anfang März erst mal mit dem Aufräumen unserer Beete beginnen, Winter- und Frostschäden beseitigen, die Erde auflockern und die Beete vorbereiten. Man muss zu dieser Jahreszeit immer damit rechnen, dass wir noch mal einen Wetterumschwung bekommen. Das ist nichts Ungewöhnliches Ende März, Anfang April. Deshalb kann man den Winterschutz zwar entfernen, sollte ihn aber immer noch bereithalten und noch nicht verräumen. Wenn ich mich so umschaue bei den Gartenfreunden: Sie sind alle noch zurückhaltend.

In Corona-Zeiten haben mehr Leute mit dem Garteln begonnen. Welche Tipps haben sie für Anfänger? Was kann man jetzt schon tun?

Wir sollten jetzt bei trockenem Wetter Kompost ausbringen und oberflächlich einarbeiten. Gräser und Stauden können jetztzurückgeschnitten werden. Obstbäume und Stauden sollte man auf Frostschäden kontrollieren, auslichten und ebenfalls zurückschneiden. Vorhandene Baumscheiben sollten vom Unkraut befreiet werden und wer möchte, kann mit den Veredelungen beginnen. Auf jeden Fall sollte man die Pflanzen im Haus vorziehen. Die Töpfe kann man ja bei schönem Wetter auch nach draußen stellen, aber abends auf jeden Fall wieder reinholen. Wir haben ja in den vergangenen Nächten noch bemerkt, wie kalt es noch sein kann. Und das überstehen diese Pflänzchen natürlich nicht. Außerdem ist wichtig: Der Boden hat noch lange nicht die Keim- oder Wachstemperatur erreicht. Da würden sich die Samen und Keime noch gar nicht entfalten.

Und im Frühbeet?

Gilt das gleiche, Auflockern, Kompost oder neue frische Erde einarbeiten. Bei den Erden gibt es verschiedenste Qualitätsmerkmale und die haben auch einen entsprechenden Preis. Günstige Erden sind meist sehr unsauber und weisen Restbestände von Pilz- und Krankheitserregern auf. Die eigentliche Aussähzeit beginnt allerdings erst in der zweiten Märzhälfte.

Was wächst denn am Einfachsten und Unkompliziertesten, mit welchen Pflanzen kann keiner was falsch machen?

Kartoffeln, Knollen- und Salatpflanzen im Garten, verschiedenste Kräuter, ob im Topf oder auf der Fensterbank, wachsen und gedeihen am geeigneten Standort bei guter Erdenqualität alle. Eine dosierter Düngerzugabe zur rechten Zeit erfreut nicht nur die Pflanze - auch den Gärtner. Später kann ich mich auch mit den Tomaten anfreunden. Das ist ein beliebtes Gewächs, auch wenn es pflegeintensiv ist und Nährstoffe benötigt. Man kann sie auch auf kleinem Grund halten, in kleinen Beeten.

Also Anfänger sollten es mit Salat, Sellerie und Kräutern versuchen.

Ja, auch Radieschen, Schnittlauch oder Bohnen sind geeignet. Unsere Kindergruppe vom Gartenbauverein darf den Pfarrgarten von St. Alto bewirtschaften und hat im vergangenen Jahr einige dieser Pflanzen gesät, gepflanzt und geerntet. Das Kartoffelfest war einer der Höhepunkte im Gartenjahr.

© SZ vom 01.03.2021
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