Interview Auf dem Sprung ins All

Die 39 Jahre alte Suzanna Randall arbeitet im futuristischen Gebäude der Eso in Garching und bereitet sich nebenbei auf einen möglichen Flug ins All vor. Doch noch muss sie sich gegen eine Konkurrentin durchsetzen und hoffen, dass das Projekt überhaupt zustande kommt.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Suzanna Randall ist Mitarbeiterin der Eso in Garching und will als erste deutsche Frau iin den Weltraum fliegen

Interview von Patrik Stäbler, Garching

Die Cafeteria der Europäischen Südsternwarte in Garching, durchs Fenster sieht man das futuristische Gebäude der Eso-Supernova. Im dortigen Planetarium können Besucher in die Weiten des Weltraums blicken, und genau das möchte auch Suzanna Randall - nur aus der Nähe. Denn die 1,59 Meter kleine Astrophysikerin, die hier vor einem großen Becher Kaffee sitzt, will als erste deutsche Frau ins All fliegen. Die private Initiative "Die Astronautin" hat sie vor gut einem Jahr als eine von zwei Finalistinnen gekürt. Im Interview verrät die 39-Jährige, wie groß sie ihre Chancen auf einen Weltraumflug einschätzt - und was sie als angehende Astronautin über Mozart gelernt hat.

SZ: Frau Randall, wie viele Deutsche waren bis heute im Weltall?

Suzanna Randall: Es waren elf. Elf Männer.

Und keine einzige Frau. Wie erklären Sie das einem elfjährigen Mädchen, wenn Sie bei einem Ihrer Schulbesuche sind?

Ganz ehrlich, dafür gibt es keine vernünftige Erklärung. Klar kann man argumentieren, dass Frauen unterrepräsentiert in den Ingenieurs- und Naturwissenschaften sowie in der Raumfahrt sind. Aber wenn man zum Beispiel in die USA blickt, ist man dort viel weiter. Bei der Nasa sind 40 bis 50 Prozent der neu ausgebildeten Astronauten weiblich. Das hat dann auch eine ganz andere Vorbildwirkung für Mädchen.

Wie war das bei Ihnen, hatten Sie in Ihrer Jugend ein Raumfahrt-Vorbild?

Bei mir war das Sally Ride, die 1983 als erste US-Astronautin ins All geflogen ist. Ich habe mir als Kind gedacht: Die sieht ein bisschen aus wie ich, ist klein und hat dunkle Locken. Außerdem fand ich sie sympathisch, und so habe ich angefangen, mich mit der Raumfahrt zu beschäftigen. Irgendwann habe ich dann beschlossen: Das was sie macht, will ich auch machen.

Und nun könnten Sie selbst ein Vorbild für viele Mädchen werden - wenn Sie als erste Deutsche ins Weltall fliegen...

Das ist ja eines der großen Ziele von "Die Astronautin": Wir wollen Mädchen und junge Frauen für die Raumfahrt begeistern, aber auch für Naturwissenschaften, Mathematik und Technik. Sie sollen sehen, dass es ganz normal ist, wenn auch Frauen ins Weltall fliegen.

Im Jahr 2020 soll es nach dem Zeitplan von "Die Astronautin" so weit sein. Wie realistisch ist dieser Termin?

Schauen wir mal. Wir haben inzwischen einen relativ konkreten Vorschlag für einen Flug Ende 2020, allerdings verschieben sich Termine in der Raumfahrtbranche gerne mal nach hinten.

Und dann ist da noch die Frage der Finanzierung...

Das ist jetzt der Knackpunkt. Wir haben bereits erste Zusagen von Investoren über mehrere hunderttausend Euro. Das kommt jetzt langsam in die Gänge...

... ist aber nur ein Bruchteil der geschätzten 50 Millionen Euro, die es für die Mission braucht.

Ich sage immer: Die erste Million ist die schwierigste. Wenn wir die beisammen haben, dann wird's auch laufen.

Während die Initiative "Die Astronautin" noch um Unterstützung wirbt, bereiten sich Insa Thiele-Eich und Sie zurzeit bereits auf einen Flug ins All vor - quasi im Nebenjob.

Ich habe das Glück, dass mich die Eso unterstützt, und ich 30 bis 50 Prozent meiner Arbeitszeit für die Astronautenausbildung aufwenden kann. Etliche Menschen denken ja, dass man da ein Survival-Training nach dem anderen durchläuft, aber in Wahrheit gehört auch sehr viel Theorie dazu. Wir arbeiten da eng mit einem Astronauten-Trainer zusammen, der auch schon Alexander Gerst vorbereitet hat.

Als Nachrückerin ins Finale

Suzanna Randall wurde 1979 in Köln geboren, studierte nach dem Abitur Astronomie in London und promovierte anschließend an der kanadischen Universität Montreal in Astrophysik. Aktuell arbeitet sie in Garching bei der Europäischen Südsternwarte, wo sie über die Entwicklung von Sternen forscht. Schon vor zehn Jahren bewarb sich Randall als Astronautin bei der Europäischen Weltraumorganisation Esa - jedoch erfolglos. Bei der Initiative "Die Astronautin" schaffte sie 2017 den Sprung unter die besten Sechs, ehe als Finalistinnen die Bonner Meteorologin Insa Thiele-Eich und die Bundeswehr-Kampfpilotin Nicola Baumann ausgewählt wurden. Letztere zog sich nach acht Monaten aus dem Programm zurück, worauf Randall als Nachrückerin bestimmt wurde. Die 39-Jährige lebt in München, geht in ihrer Freizeit zum Gleitschirmfliegen und Bergsteigen, spielt Klavier und singt im Chor. STA

Und der praktische Teil?

Gleich am Anfang meiner Ausbildung waren wir in Frankreich und haben dort eine Serie von Parabelflügen gemacht, um die Schwerelosigkeit zu simulieren. Das war ein unglaubliches Gefühl, das man kaum beschreiben kann.

Außerdem haben Sie Ihren Flugschein gemacht.

Damit bin ich fast fertig. Der Pilotenschein ist eine Grundvoraussetzung für Astronauten - und ich verstehe jetzt, warum. Beim Fliegen wird die 3-D-Wahrnehmung geschult. Außerdem lernt man, sich voll auf einige wenige Handgriffe zu konzentrieren.

Sie sind Ihrem Traum vom Weltraum so nah wie nie. Trotzdem könnte es passieren, dass "Die Astronautin" zwar die Finanzierung stemmt und eine Deutsche ins All schickt - aber nicht Sie, sondern Ihre Konkurrentin Insa Thiele-Eich. Und dann?

Ich wäre enttäuscht, keine Frage. Trotzdem ist es unser Hauptziel, dass überhaupt eine Frau ins All fliegt. Für mich wäre es viel schlimmer, wenn das Projekt platzen würde, als wenn am Ende sie fliegt. Ohnehin habe ich durch "Die Astronautin" ja schon unglaublich viel Neues erlebt. Allein die Parabelflüge, der Flugschein oder neulich, als ich in einer ARD-Quizshow saß. Auch das war ein tolles Erlebnis - obwohl ich früh rausgeflogen bin.

Wieso sind Sie aus der Quizshow rausgeflogen?

Meine Frage war: Was tat Mozart, wenn ihm jemand zuwider war? Ich habe auf die Antwort getippt: Er äffte ihn nach.

Und das war falsch?

Ja, die richtige Antwort lautete: Er sprang herum und miaute wie eine Katze.