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Flüchtlinge und Integration:Unfaire Verteilung

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Nach wie engagieren sich die Kommunen unterschiedlich stark in der Flüchtlingsarbeit.

(Foto: Johannes Simon)

Es kommen kaum mehr Flüchtlinge im Landkreis an. Die Unterbringung der Schutzsuchenden bleibt ein Thema.

Von Martin Mühlfenzl, Landkreis

Es ist eine Zahl, die Bürgermeisterin Ursula Mayer (CSU) in Höhenkirchen-Siegertsbrunn ein wenig stolz macht, aber auch zornig zurücklässt. 225 Prozent beträgt die Quotenerfüllung ihrer Gemeinde bei der Unterbringung von Asylbewerbern. Soll heißen: Die Kommune bietet mehr als doppelt so vielen Schutzsuchenden eine Unterkunft, als sie nach dem Königsberger Schlüssel - dem Verteilungsmodus nach Einwohnerzahl - eigentlich müsste.

"Wir sind schon stolz, wie reibungslos das bei uns auch funktioniert", sagt Mayer - und zetert: "Während andere glauben, sie können sich da lautlos davon stehlen und vornehm zurücklehnen."

Der letzte sogenannte Quotenspiegel des Jahres, der die Zahl und Verteilung der Asylbewerber, anerkannter Schutzsuchender und unbegleiteter, minderjähriger Flüchtlinge, aufzeigt, macht deutlich, dass die 29 Städte und Gemeinden des Landkreises nach wie vor sehr unterschiedliche Anstrengungen bei der Unterbringung an den Tag legen. Zugleich muss der Landkreis weiterhin kaum neue Flüchtlinge aufnehmen - eine Entwicklung, die seit Monaten anhält und die Gesamtzahl der im Landkreis lebenden Schutzsuchenden konstant bei 3400 hält. Daher ist bei der Kapazität in den dezentralen Unterkünften in den Kommunen noch etwas Luft nach oben; Von etwas mehr als 3000 Plätzen sind in den dezentralen Herbergen (Stand: 20. Dezember) nahezu 3100 auch belegt.

Container-Siedlung geschlossen

Hinzu kommen noch 570 Plätze in den fünf Notunterkünften des Landkreises sowie jener des Bezirks Oberbayern im ehemaligen Gebäude des Luftwaffen-Musikcorps auf dem Gelände der Bundeswehr-Uni in Unterhaching. Deren Belegung ist allerdings starken Schwankungen unterlegen. Zuletzt wurde die Container-Siedlung in der Ottobrunner Hochackerstraße, die Platz für bis zu 26 Schutzsuchenden geboten hatte, geschlossen.

Die verbleibenden Container-Notunterkünfte werden allerdings noch etwas länger in Betrieb bleiben. Jene in Aschheim (Kapazität: 86 Plätz) wird voraussichtlich bis Ende 2019 gebraucht, die in Grasbrunn (48 Plätze) bleibt noch das erste Halbjahr 2018 geöffnet. Die Bewohner der Notunterkunft in Oberschleißheim (118) sollen in das noch fertig zu stellende Objekt von der Firma Feel Home in der Bahnhofstraße umziehen - voraussichtlich im April 2018. Das gilt auch für die Container-Anlage in Unterschleißheim (56 Plätze). Die Unterkunft in Garching (62 Plätze), lässt das Landratsamt verlauten, soll grundsätzlich abgebaut werden und durch kreiseigene Container ersetzt werden, die vormals in Aying standen. Dabei wird die Kapazität auf 48 Personen reduziert.

Trotz der Ankündigung der Regierung von Oberbayern und des Landratsamtes grundsätzlich alle Objekte, die noch in der Planung sind, auf den Prüfstand zu stellen, sind weitere Vorhaben freigegeben. Etwa die sogenannten Mobile Cubes in Aschheim für bis zu 31 Personen. Diese sollen nicht nur Flüchtlingen offen stehen, sondern auch anderen Wohnungssuchenden.

Die Cubes können woanders aufgebaut werden, wenn sie in Aschheim nicht mehr benötigt werden. Anstrengungen solcher Art wünscht sich Ursula Mayer auch von anderen Kommunen. Die Belastungen müssten fairer verteilt werden.

© SZ vom 27.12.2017/belo
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