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Coronavirus im Landkreis:Vor dem Schwimmen noch schnell ein Piks

Impfaktionen wie am Wochende vor der katholischen Akademie in Schwabing im Rahmen des Zukunftskongresses "München 2040", bei der auch die Teams des Haarer Impfzentrums im Einsatz waren, soll es jetzt im Landkreis immer mehr geben.

(Foto: Robert Haas)

Weil 30 000 Spritzen vorrätig sind, aber kaum noch Menschen in die Impfzentren kommen, schicken Malteser und Johanniter ihre Teams an ungewohnte Orte wie Hallenbäder und Gartenausstellungen.

Von Iris Hilberth

Mal eben eine Impfung am Strand, einen Piks in den Oberarm im Einkaufszentrum oder die Immunisierung gegen Covid-19 auf dem Trucker-Parkplatz mitnehmen - über solche Bilder aus Israel oder den USA hat man sich hierzulande vor einigen Wochen noch sehr gewundert. Der Impfstoff war lange Zeit Mangelware im Landkreis München, man regte sich über Impf-Vordrängler auf, und das Planegger Gymnasium stand in der Kritik, weil Ärzte dort für Schüler eine Impfaktion organisiert hatten. Inzwischen droht das Vakzin sämtlicher Hersteller zum Ladenhüter zu werden, obwohl erst 47 Prozent der Landkreisbewohner über zwölf Jahre vollständig geimpft sind. Jetzt steigt auch der Landkreis in derartige Sonderaktionen ein.

Schneller und unkomplizierter will man mit den Impfungen vorankommen. Jenseits der vier Impfzentren soll bei Sportveranstaltungen, in Gaststätten, Schwimmbädern, an Volkshochschulen und Universitäten geimpft werden. Das geht vor allem, weil Landrat Christoph Göbel (CSU) sagen kann: "Es steht ausreichend Impfstoff zur Verfügung." 30 000 Impfdosen für Erst- und Zweitimpfungen liegen aktuell laut Landratsamt bereit. Während man sich vor kurzem noch zeitraubend um einen Termin bemühen und Berechtigungen für Priorisierungsgruppen vorlegen musste, laufen die Impfteams den Leuten inzwischen hinterher. "Wir bringen die Impfung zum Bürger", kündigt der Landrat an.

Im Ottobrunner Phönix-Bad wartete am Samstag und Montag außer dem Bademeister und der Schwimmlehrerin das Impfteam der Johanniter auf die Badegäste. Das Bad hatte auf seiner Webseite prominent auf die je achteinhalbstündige Impfaktion aufmerksam gemacht. Auch Vereine haben dafür geworben, dass Impfwillige sich hier ganz ohne Anmeldung immunisieren lassen können. Der Personalausweis reicht, auch der Wohnort im Landkreis ist mittlerweile keine Voraussetzung mehr. Tatsächlich haben am ersten Tag 70 und beim zweiten Termin 99 Personen das Angebot im Schwimmbad angenommen. "Teilweise haben sich sogar ganze Familien mit Kindern impfen lassen", berichtet Gerhard Bieber, Sprecher der Johanniter-Unfall-Hilfe. Insgesamt sei es eine sehr heterogene Gruppe von Impflingen gewesen.

Den Erfolg der Aktion führt Bieber auf die Flexibilisierung der Impfangebote zurück. Denn auch wer beispielsweise seine Erstimpfung bereits beim Arzt erhalten habe, könne mittlerweile im Impfzentrum oder bei solchen Aktionen der mobilen Impfteams Spritze Nummer zwei erhalten. Die Johanniter sind im Phönixbad sogar auf die Leute zugegangen, um ihnen die Impfung jetzt und hier anzubieten. "Wir haben die Badegäste an der Kasse angesprochen", sagt Bieber. Selbst wenn jemand seinen Impfpass nicht dabei hatte, war das kein Grund, die Immunisierung noch einmal zu verschieben. "Viele besitzen gar keinen Impfausweis. Eine Impfbescheinigung gibt es von uns immer", so Bieber.

Auch die mobilen Teams aus dem Impfzentrum in Haar haben ihre erste Aktion jenseits von Einrichtungen wie Alten- und Pflegeheimen hinter sich. Im Rahmen des Zukunftskongresses "München 2040" boten die Malteser vor allem jungen Menschen eine Impfung an. Die Teams aus Unterschleißheim waren in Einkaufszentren unterwegs, um Passanten zu beraten und die Möglichkeit zu geben, sich für einen Termin im Impfzentrum einzubuchen.

Dies soll der Anfang einer Reihe von Sonderaktionen sein, um den stotternden Motor des Impfturbos in Gang zu bringen. Weil sich nur noch wenige Menschen in den Impfzentren einfinden und von den 3000 Registrierten keiner mehr Termine bucht, muss das Landratsamt sie anders erreichen. "Der Besuch im Impfzentrum Haar ist aktuell schwach, wie überall", bestätigt der Leiter des Sanitätszentrums der Malteser, Alexander Brandstaeter. Ein Teil des dorthin gelieferten Astra-Zeneca-Impfstoffs werde daher wieder abgeholt.

Die Haarer Teams werden am Wochenende in der Eissporthalle beim EHC München Spritzen dabei haben, die Oberhachinger impfen am Freitag beim Hachinger Tisch und das Impfzentrum Unterschleißheim schickt seine Mitarbeiter vom 23. bis 25. Juli zur Messe "Gartenlust" zum Schloss Schleißheim. Geplant ist laut Bieber auch ein "Impf-Drive-in" bei Jochen Schweizer in Taufkirchen.

© SZ vom 21.07.2021/hilb
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