Immobilien Großzügiges Arrangement

Die Musikersiedlung hat in den vergangenen Jahrzehnten bereits ihr Gesicht verändert.

(Foto: Angelika Bardehle)

Die Gemeinde Haar will in der Musikersiedlung eine dichtere Bebauung erlauben, ohne die in der Nachkriegszeit entstandene Struktur zu zerstören

Von Bernhard Lohr, Haar

Das nächste größere Vorhaben des Kommunalunternehmens Wohnungsbau steht in Haar wohl in der Musikersiedlung bevor. Dort soll der auf Gemeindegrund stehende Block mit Geschosswohnungen an der Johann-Strauß-Straße abgerissen und größer neu errichtet werden. Bisher liegen lediglich grobe Skizzen vor, wie viel Bauraum möglich ist. Dennoch wird im Gemeinderat bereits darüber debattiert. Das Rathaus schafft erstmals einen Bebauungsplan für die gesamte Siedlung. Nach Meinung von Gerlinde Stießberger (CSU) werden dabei die privaten Grundeigentümer benachteiligt.

Die Musikersiedlung südlich der B 304 ist ein Produkt der unmittelbaren Nachkriegszeit, als Wohnraum mindestens so begehrt war wie heute. Die Bayerische Landessiedlung errichtete die Häuser und Ende 1950 bekamen die Erstbezieher die Schlüssel für ihr neues Heim in die Hand. Wie die Siedlung damals aussah, zeigte SPD-Fraktionschef Alexander Zill jüngst im Bauausschuss anhand einer um 1960 entstandenen Luftaufnahme. Viel Platz war da zwischen den Gebäuden, weil Zill zufolge bewusst Wirtschaftsgärten geschaffen wurden, in denen die Bewohner Gemüse und Obst anbauen konnten.

Das Bild hat sich bis heute sehr gewandelt. Es wurde baulich stark verdichtet und ein Ende dieses Trends ist nicht absehbar. Deshalb hat die Gemeinde vor zwei Jahren bereits beschlossen, den Bebauungsplan an die neuen Realitäten anzupassen, um die weitere bauliche Entwicklung zu steuern. Stadtplanerin Christine Kneucker vom Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München erläuterte im Bauausschuss das von ihr ausgearbeitete Konzept. Eine Richtschnur bot ihr zum einen der Rahmenplan für die südliche B 304, der mittel- bis langfristig aus Lärmschutzgründen für die hinterliegende Wohnsiedlung eine dreigeschossige geschlossene Bebauung an der stark befahrenen Straße vorsieht. Zum anderen nahm Kneucker auf, wie unterschiedlich sich einzelne Teile der Siedlung entwickelt haben.

Schon von Beginn an war dort eine gewisse Vielfalt gegeben. Es gab Reihenhäuser, Doppelhäuser und auf einem gemeindlichen Areal im Zentrum auch Geschosswohnungen mit günstigeren Mieten. Im Laufe der Jahre wurde unterschiedlich stark verdichtet. Bürgermeisterin Gabriele Müller (SPD) sagte, das Ziel sei nun, den "schützenswerten Charakter der Siedlung" wo möglich zu erhalten und weitere Verdichtung zuzulassen, wo sie sinnvoll erscheine. Laut Kneucker weist die Siedlung weise trotz der Vielfalt und trotz aller Veränderungen eine "klare städtebauliche Struktur" auf. An manchen Stellen existierten breite Vorgartenzonen, an anderen große zusammenhängende Gärten in den rückwärtigen Grundstücksbereichen.

Kneucker will für Doppelhaushälften und Reihenhäuser jeweils eine maximale Grundfläche festlegen, und zwar so, dass in der Regel noch Spielraum für Verdichtung bleibt. Auch maximale Firsthöhen werden fixiert und, wie es heißt, moderate Vorschriften gemacht, wie Gärten zu bepflanzen sind. So soll für jede angefangene 300 Quadratmeter große Grundstücksfläche ein standortgerechter Laubbaum vorgeschrieben werden. Auf dem Gemeindegrundstück an der Johann-Strauß-Straße wäre laut Kneucker ein mehr als 50 Meter langes Gebäude in die Siedlung integrierbar. Dort könnte also an Stelle des bestehenden Gemeindeblocks ein größerer errichtet werden. Stießbergers Kritik daran wies Kneucker zurück, denn es gebe an anderen Stellen sogar höhere Grundflächenzahlen als auf dem Gemeindeareal. Bauamtsleiter Josef Schartel warnte vor einer "wahnsinnigen Intensivierung" der Verdichtung, wenn auf gewissen Privatgrundstücken zu viel ermöglicht werde. Bürgermeisterin Müller fand, dass es technisch gar nicht machbar wäre, auf Grundstücken mit Gärten hinter dem Haus noch Gebäude zu errichten. Ausgenommen aus dem Bebauungsplan ist das exponierte Eckgrundstück B 304/B 471, für das es bereits eine Bauanfrage für ein mehrgeschossiges Gebäude gibt.