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Im Gespräch: Wolfgang Heubisch:Emotionen am Nationaltheater

SZ: Im Sommer mussten Sie rasch einen Nachfolger für Generalmusikdirektor Kent Nagano finden, der nach internen Querelen die Staatsoper 2013 verlassen wird. Das hat zu Getöse bei Publikum und Kritikern geführt. Hat sich Ihr Ministerium in diesem Fall korrekt verhalten?

Ausstellungseroeffnung der 'euward'-Preistraeger

Die Führung wechselt auch im Haus der Kunst. Chris Dercon wechselt an die Tate Modern nach London.

(Foto: dapd)

Heubisch: Wir konnten gar nicht anders handeln. Wenn ein so wichtiger Mann wie Kent Nagano München verlassen will, muss rasch ein sehr guter Nachfolger gefunden werden. Ja, es hat Kritik gegeben an unserer Personalpolitik. Andererseits ist unsere Entscheidung, den jungen Dirigenten Kirill Petrenko an die Staatsoper zu holen, auch auf sehr viel Zuspruch gestoßen.

SZ: Nagano gegen den eigenen Intendanten Nikolaus Bachler - hätte man diesen Showdown nicht verhindern können?

Heubisch: In München schlagen die Emotionen eben sehr hoch, wenn es ums Nationaltheater geht. Ich finde das wunderbar, es gibt ja nichts Langweiligeres als angepasste, betuliche Oper. Schon unter Sawallisch und Everding gab es heftige Kontroversen, sehr zum Vorteil des Publikums. Bachler und Nagano sind Profis genug, um jetzt bis zum Ende der Spielzeit 2012/2013 gut zusammenzuarbeiten. Die beiden treffen sich regelmäßig. Einige Darstellungen dieser Personalgeschichte waren einfach nur überzogen.

SZ: Gleich nebenan gibt es 2011 einen geradezu historischen Regierungswechsel. Dieter Dorn verabschiedet sich als Intendant des Residenztheaters, dafür kommt Martin Kusej, der gerade mit seiner Rusalka-Inszenierung an der Staatsoper für Aufsehen sorgt. Braucht das Staatsschauspiel einen radikalen Neubeginn?

Heubisch: Man muss erst einmal die Verdienste von Dieter Dorn würdigen. In den siebziger und achtziger Jahren waren die Münchner Kammerspiele unter seiner Leitung ein Theatertempel mit großartigen Schauspielern - einfach grandioses Theater. Aber Theater braucht auch Veränderung. Persönlich habe ich Martin Kusej bisher als sehr ruhigen, gelassenen Menschen erlebt. Ich bin neugierig, deshalb freue ich mich auf ihn. Ich glaube, dass Kusej eine noch größere Außenwirkung erzielen wird, mit neuen, in München weniger bekannten Leuten.

SZ: Auch am Gärtnerplatztheater gibt es einen Personalwechsel mit österreichischer Beteiligung: Josef Ernst Köpplinger soll ab 2012 alles besser machen als sein Vorgänger Ulrich Peters. Falls das Gebäude nicht zusammenbricht.

Heubisch: Moment, wir werden die Generalsanierung und die Umbauten sicher auf die Reihe bringen. Wir rechnen damit, dass das Theater nach einer dreijährigen Schließung 2015 wieder bespielbar ist. Der Ministerrat hat das bereits gebilligt, nun muss der Haushaltsausschuss des Landtags entscheiden. Und selbstverständlich gibt es in unserem Ministerium für solche dringenden Fälle auch Geld, trotz der Sparzwänge. Nach außen wirkt das Haus gar nicht so baufällig, aber im Inneren, bei der Barrierefreiheit und auch beim Brandschutz müssen wir sehr viel tun, um es zukunftsfähig zu machen.

SZ: Wie teuer wird die Sanierung werden?

Heubisch: Wir gehen von 60,9 Millionen Euro reinen Baukosten aus. Hinzu kommen noch baubedingte Folgekosten, etwa für Anmietungen von Ersatzräumen während der Schließzeit von rund zehn Millionen.

SZ: Eine Frage noch an den Chef eines Dreifach-Ministeriums: Ist für Sie die Beschäftigung mit der Kunst nicht viel angenehmer als mit den ernsteren Themengebieten Wissenschaft und Forschung?

Heubisch: Das kann man so überhaupt nicht sagen. Als Münchner Bürger kann ich mich natürlich im Theater, im Museum oder in der Oper auch mal entspannen, rühren oder anregen lassen. Als Minister ist die Kunst manchmal schwieriger als die Wissenschaft und die Forschung, weil sie emotional anders besetzt ist. Karl Valentin hat es auf den Punkt gebracht: Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit!

© SZ vom 24.11.2010/isa
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