Aufgeregt schnüffelt Luna durch die Regale. Der einjährige Labrador Retriever läuft brav neben seinen Besitzern, bleibt immer wieder stehen und schaut sich neugierig um. Einkaufswagen rattern vorbei, Kinder werfen dem Hund lächelnd Blicke zu. „Das ist total praktisch“, sagt das Pärchen, dem das Tier gehört, über das neue Angebot des Möbelkonzerns Ikea. „Luna kann mitkommen und bei heißen Tagen dank der Klimaanlage hier auch mal abkühlen.“
Die Hündin ist an diesem Tag nicht der einzige Vierbeiner in dem Möbelhaus in Eching nördlich von München. Schon nach wenigen Minuten biegen die nächsten Hunde um die Ecke. Zwei kleine Vierbeiner sitzen auf einer Decke im Einkaufswagen, ein anderer trottet gelassen an der Küchenabteilung vorbei. Zwischen Sofas, Schränken und Lampen gehören die Hunde seit Kurzem zum Bild der skandinavischen Möbelhäuser.
Seit Mitte Juni dürfen Herrchen und Frauchen ihre Hunde bundesweit mit zu Ikea nehmen. Voraussetzung ist, dass die Tiere während des gesamten Aufenthalts an der kurzen Leine geführt oder in einer Transporttasche beziehungsweise im Einkaufswagen untergebracht werden. Die Bereiche rund um Lebensmittel und die Essensausgabe im Restaurant bleiben tabu.
„Bei Ikea verfolgen wir das Ziel, den vielen Menschen einen besseren Alltag zu schaffen“, schreibt Sandra Zoonz, Area-Managerin bei Ikea Deutschland, in einer Pressemitteilung. „Mit der neuen Regelung möchten wir unseren Kunden ein Einkaufserlebnis bieten, das möglichst nah an ihrem Alltag ist. Und für viele Menschen bedeutet das eben auch, ihren Hund dabei zu haben.“
Die meisten Tierbesitzer halten sich an die geltenden Regeln
Wie gut dieses Angebot angenommen wird, zeigt sich in Eching. Obwohl recht viele Leute mit ihren Kindern unterwegs sind, bleiben die Hunde ruhig. Sie laufen dicht bei ihren Besitzern oder beobachten das Geschehen entspannt aus dem Einkaufswagen. „Schau mal, wie süß“, sagt ein Kind im Vorbeigehen zu seiner Mutter. Viele Kunden lächeln den Vierbeinern kurz zu, bevor sie ihren Einkauf fortsetzen.
Auch die beiden Yorkshire Terrier Luna und Lola dürfen neuerdings mit ins Möbelhaus: auf einer Decke im Einkaufswagen. Früher mussten sie während des Einkaufs im Auto warten. Neugierig beobachten sie die vielen Menschen um sie herum. Später liegen zwischen ihnen ein paar kleine Dekoartikel, die gekauft werden sollen. Das stört die beiden nicht.

Wie eine Mitarbeiterin des Möbelhauses sagt, funktioniert die Erlaubnis, Hunde mitzubringen, bislang gut. Die meisten Vierbeiner seien entspannt, und ihre Besitzer befolgten die Vorgaben. Nur an besonders vollen Tagen werde es manchmal schwieriger. „Nicht alle halten sich an die Regel mit der kurzen Leine. Dann ist es auch stressig für den Hund, wenn überall Menschen und Kinder unterwegs sind.“ Vor allem im Kassenbereich könne es enger werden.
Der sechs Monate alte Leo ist bei seinem Besuch im Möbelhaus ganz aufgeregt. Neugierig beschnuppert der kleine Pudel die Regale und Einkaufswagen. Sein Schwanz wedelt schnell hin und her, sein kleiner Kopf schnellt sofort in Richtung neuer Geräusche. Immer mal wieder nimmt sein Frauchen den verspielten Junghund auf den Arm, um ihn zu beruhigen. Der Ausflug ist für ihn etwas ganz Spannendes und Aufregendes. Dennoch schafft er es, brav an der Seite seiner Besitzerin zu bleiben, oder wartet auf sie, während sie eine Mitarbeiterin um Hilfe bittet.
Für die etwas ältere Hündin Maila dagegen ist der Einkaufsbummel nichts Neues. Gelassen liegt sie auf ihrer Decke und beobachtet das Geschehen. Von der Hektik um sie herum lässt sie sich nicht aus der Ruhe bringen. Aufregung ist die erfahrene Vierbeinerin auch außerhalb des Einrichtungshauses bereits gewöhnt: Zu ihrer Familie gehören neben den beiden Besitzern deren drei kleine Kinder.
Langsam geht es Richtung Ausgang. Während Lunas Besitzer noch einen Blick auf die Pflanzen werfen, legt die Hündin sich kurz auf den Boden. Erst als es weitergeht, springt sie wieder auf und läuft mit. Vor der automatischen Tür bleibt sie einen Moment stehen. Draußen bläst den Kunden die warme Sommerluft entgegen. Für Luna endet damit der erste Einkauf zwischen Billy-Regalen und Sofa Klippan.


