Wirtschaft:Die Stimmung in den Unternehmen bleibt mies

Wirtschaft: Vor allem im Baugewerbe und Handel sind die Geschäftserwartungen schlecht.

Vor allem im Baugewerbe und Handel sind die Geschäftserwartungen schlecht.

(Foto: Sven Hoppe/dpa)

Laut der aktuellen IHK-Konjunkturumfrage haben sich die Geschäftserwartungen im Großraum München nur leicht verbessert. Viele Firmen sehen die Wirtschaftspolitik als dominierendes Risiko.

Auch zu Beginn des neuen Jahres ist die Stimmung der Wirtschaft im Großraum München angespannt. Der regionale IHK-Konjunkturindex legt zwar im Vergleich zum Herbst um vier Punkt zu, liegt aber mit aktuell 106 Punkten weiterhin unterhalb des langjährigen Durchschnitts von 119 Punkten. Während die aktuellen Geschäfte stagnieren, sind die Aussichten der Unternehmen auf die kommenden Monate weniger pessimistisch als noch im Herbst, wie die Industrie- und Handelskammer (IHK) für München und Oberbayern mitteilt. Die IHK hat für ihren Konjunkturbericht Mitte Januar zahlreiche Unternehmen in den Landkreisen Dachau, Ebersberg, Erding, Freising, Fürstenfeldbruck, Landsberg am Lech, München und Starnberg sowie in der Landeshauptstadt befragt.

Ein Drittel der Betriebe bezeichnet ihre aktuelle Lage als gut, 17 Prozent sind hingegen unzufrieden. Die Unzufriedenheit ist im Baugewerbe und im Handel besonders stark ausgeprägt. Die Betriebe haben auch zu Beginn des Jahres 2024 mit Belastungen zu kämpfen, die sich auf ihr Geschäft auswirken: 60 Prozent der Münchner Unternehmen beklagen starke Preissteigerungen bei Energie und 57 Prozent bei Rohstoffen sowie Waren. Fehlendes Personal belasten 58 Prozent der Betriebe und über eine fehlende Nachfrage klagen 56 Prozent.

Mit Blick auf die kommenden Monate keimt bei den Betrieben in der Region München kein echter Optimismus auf: Die Geschäftserwartungen verbessern sich zwar leicht, bleiben aber weiterhin deutlich unterhalb des langjährigen Durchschnitts. 21 Prozent der Unternehmen rechnen mit einer Belebung ihrer Geschäfte, ein Viertel geht hingegen von einer Verschlechterung aus. Besonders pessimistisch sind das Baugewerbe und der Tourismus, die Dienstleister rechnen hingegen mit besseren Geschäften.

Der insgesamt anhaltende Pessimismus dürfte nach Einschätzung der IHK auch auf die weiterhin bestehende Gemengelage an Risiken zurückzuführen sein, in der sich die Unternehmen befinden. 61 Prozent - so viele wie noch nie - nennen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen als Risiko für ihre Geschäfte. Damit ist die Wirtschaftspolitik erstmals als zentrales Risiko genannt. Der Arbeitskräftemangel (58 Prozent) und die fehlende Inlandsnachfrage (57 Prozent) gehen im Vergleich zum Herbst etwas zurück, bleiben aber auf hohem Niveau.

Die hohe Verunsicherung mit Blick auf die kommenden Monate spiegelt sich auch in der zurückhaltenden Investitionsbereitschaft der Unternehmen wider: 22 Prozent der Firmen wollen Investitionen ausweiten, 20 Prozent möchten sie zurückschrauben. 15 Prozent der Unternehmen planen gar keine Investitionen. Der Arbeitsmarkt bleibt in Folge antriebslos: 18 Prozent der Unternehmen wollen zwar Personal aufbauen, nahezu gleich viele wollen aber auch Stellen streichen (17 Prozent).

Die IHK fordert mehr Tempo bei der Energiewende

"Die Wirtschaft in München und Umland ist unter schwierigen Voraussetzungen ins neue Jahr gestartet", erklärt IHK-Vizepräsident Otto Heinz. "Auch wenn der Blick nach vorne leicht besser ausfällt als bei der Befragung im Herbst, will der Optimismus einfach nicht aufkommen - gerade auch in den Branchen, die in vergangenen Jahren eigentlich immer die Stütze der Wirtschaft waren." Es sei eine alarmierende Entwicklung, dass die Unternehmen in der Region München die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen inzwischen als dominierendes Risiko sehen.

Heinz sieht vor allem drei Hebel, mit denen die Politik der regionalen Wirtschaft wieder Aufwind geben könne: "Es braucht ein Ende der Bürokratieflut." Außerdem brauche es wettbewerbsfähige Unternehmenssteuern sowie eine Steuerpolitik, die mehr private Investitionen ermögliche, um den Standort voranzubringen. "Die dritte Maßnahme ist: Mehr Tempo bei der Energiewende. Für mehr Versorgungssicherheit und Energie zu wettbewerbsfähigen Preisen müssen wir die Genehmigungs- sowie Planungsverfahren beschleunigen sowie entschlacken." Das bedeutet auch, bei Planungen von Energieprojekten in der Region, zum Beispiel von Windparks, die Bürger frühzeitig einzubinden, die Vorteile einer heimischen Energiegewinnung transparent und offensiv zu erklären sowie Kommunen und Bevölkerung vor Ort finanziell zu beteiligen.

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