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IHK:Holpriger Start

Projekt zu Verkehrsströmen und Stauprognosen hat mit dem Datenschutz zu kämpfen

Von Christina Hertel, Kirchheim

Auch Unternehmer arbeiten daran, die Verkehrsprobleme des Landkreises zu lösen. Einer von ihnen ist René Fassbender, Astrophysiker und Start-up-Gründer. Bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) leitet er eine Arbeitsgruppe, die mit Hilfe von Big Data Verkehrsströme analysieren, Staus vorhersagen und Pendlerbusse einrichten möchte. Das Pilotprojekt startete in Kirchheim und dort stellte Fassbender am Dienstag bei der Regionalversammlung der IHK auch den Stand der Dinge vor. Mit dem Fortschritt, sagte er, sei er zufrieden. Aber er ließ auch anklingen, dass er sich mehr Unterstützung wünscht. Schließlich könne er sich nur in seiner Freizeit um das Projekt kümmern.

Im Oktober werden in Kirchheim an acht Standorten Messsysteme aufgestellt - quadratische Boxen, die an Lichtmasten hängen und wie Geschwindigkeitsanzeigen aussehen. Bislang hat die Projektgruppe der IHK nur die Erlaubnis, den Verkehr mit diesen Boxen zu messen. Doch Fassbenders Plan geht eigentlich weiter. Er möchte die gewonnenen Daten dazu nutzen, Staus vorherzusagen und diese Information mit den Autofahrern zu teilen. Vorstellbar sei, diese mit Hilfe einer App zu tun. Noch lieber aber würde Fassbender auf Schildern, die entlang den Straßen stehen, Prognosen anzeigen lassen. Doch dafür fehlt ihm bislang die Genehmigung.

Auch sein zweites Projekt stockt. Fassbender und sein Team hatten vor, für Kirchheimer Firmen Pendelbusse einzurichten. Doch dafür haben sich bislang nicht genug Mitarbeiter gemeldet. Um eine Route festzulegen, hatte Fassbender den Plan, zunächst Mitarbeiter zu befragen, wie sie zur Arbeit gelangen. Weil viele Unternehmen aber wegen der Datenschutzgrundverordnung keine Kontaktdaten des Personals herausgaben, hätten sich an dieser Umfrage schließlich zu wenige beteiligt. Mindestens 1000 Teilnehmer seien notwendig, doch nur wenige hundert hätten bis jetzt mitgemacht. "Vielleicht", meint Fassbender, "wissen auch noch zu wenige Unternehmen davon".

Aber auch Positives hat der Unternehmer vor den anderen IHK-Vertretern zu berichten. Zum Beispiel, dass sich nun jemand fand, der seine Bachelorarbeit dem Thema widmet und weitere Erkenntnisse für die Projektgruppe liefern soll. Eigentlich hätte Fassbender auch gerne einen Masterstudenten, der seine Abschlussarbeit darüber schreibt, aber den suche er noch immer. Stolz sei er darauf, so viele Partner gewonnen zu haben. Dabei sind unter anderem fünf verschiedene Start-ups sowie die zwei Münchner Universitäten, die Hochschule Landshut, die Münchner Verkehrsgesellschaft und zwei weitere Unternehmen.

© SZ vom 20.09.2018

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