bedeckt München

Tourismus:Zimmer frei

Grünwald, Hotel Alter Wirt, Restaurant, derzeit geschlossen, Foto: Angelika Bardehle

Sperrgebiet: Hotels und Gaststätten, wie der Alte Wirt in Grünwald, leiden seit Monaten mit am stärksten unter Einschränkungen.

(Foto: Angelika Bardehle)

Die Hoteliers im Landkreis gehören zu den großen Verlierern der Corona-Pandemie. In manchen Monaten kam heuer nur ein Fünftel oder Sechstel der Gäste, die 2019 hier übernachteten.

Von Iris Hilberth

An die Ostsee oder doch nach Bayern? Das war wohl die entscheidende Frage für viele deutsche Urlauber, die in diesem Jahr wegen Corona Ferien im eigenen Land machen wollten. Die Politiker warben intensiv dafür, den Sommer doch einfach in Deutschland zu verbringen, auch um den Tourismus vor krassen Einbußen zu bewahren. Ein Blick in die Statistik allerdings zeigt: Auch wenn man mitunter das Gefühl hatte, dass ganz Deutschland in Oberbayern Urlaub macht, bewahrte das die Hoteliers im Landkreis München nicht vor einem massiven Geschäftseinbruch.

Denn während sich am Chiemsee und rund um Garmisch, am Walchensee und im Karwendel die Wanderer gegenseitig auf die Füße traten, blieb gar nicht so weit entfernt den Hotel-Betreibern nichts anderes übrig, als ihre leeren Zimmer abzustauben. Im Landkreis München lag die Zahl der Gästeübernachtungen im Frühjahr und Sommer weit unter denen im Jahr 2019. In manchen Monaten kam nur ein Fünftel oder Sechstel von denen, die man 2019 zwischen April und September hier beherbergte.

Der Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München (PV) hat die neuesten Zahlen der Tourismusbranche jetzt veröffentlicht und stellt für die Region München fest: "Reisebeschränkungen, Beherbergungsverbote, Lockdown - die Tourismusbranche ist von den Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie besonders stark betroffen. Die meisten Hotels, Pensionen und Freizeiteinrichtungen blieben leer." Das Statistischen Bundesamtes hatte in den ersten neun Monaten des Jahres insgesamt in Deutschland etwa ein Drittel weniger Gäste als im Vorjahreszeitraum vermerkt. Vor allem fehlten die Besucher aus dem Ausland, das Minus von knapp 60 Prozent konnten die Reisenden aus dem Inland nicht annähernd kompensieren.

Vor dem ersten Lockdown im März hatten sich die Zahlen noch ähnlich entwickelt wie im Jahr zuvor. Im Landkreis München lag man nur knapp darunter, in der Nachbarschaft, etwa in Starnberg, Miesbach, Erding, Freising und Weilheim-Schongau, konnten sich die Betreiber von Hotels und Pensionen sogar freuen, mehr Gäste als im Januar und Februar 2019 begrüßt zu haben. Am deutlichsten wurde der Rückgang dann im April. "In den südlichen Landkreisen wird der Einbruch bei den Übernachtungszahlen besonders deutlich", stellt der Planungsverband fest. Im Landkreis München wollten nur noch 36 150 Besucher übernachten. Das sind gerade mal 17 Prozent der Zahl, die im Jahr zuvor buchte.

Am Schlimmsten traf es in der Region den Landkreis Miesbach, der gerade mal fünf Prozent seiner sonst üblichen Gästeübernachtungen registrierte, der aber in den Sommermonaten kräftig zulegte, während es im Landkreis München im Mai (22 Prozent), Juni (35) und Juli (46) nur wenig besser wurde. Die südlichsten Landkreise lockten mit Bergen und Seen von Juli bis September dann doch noch so viele Gäste wie im Vorjahr an, teilweise sogar ein paar mehr, während sich die Hoteliers zwischen Unterschleißheim und Aying mit der Hälfte der sonst erwarteten Gäste zufrieden geben mussten. 125 231 war das monatliche Maximum an Übernachtungen im Landkreis München, das sind 57 Prozent der Zahl aus dem Jahr 2019.

Die Industrie- und Handelskammer München und Oberbayern (IHK) hat den Tourismusbereich ebenfalls als stark von der Krise betroffene Branche ausgemacht. Vor allem Gastronomie, Hotellerie, Reisebüros, die Veranstaltungswirtschaft, teilweise der Einzelhandel und viele Dienstleister bräuchten Beistand auf dem Weg in de Nach-Corona-Zeit, teilt die IHK mit. "Die staatlichen Hilfen sind gut und richtig", betont der Kirchheimer Christoph Leicher, Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses München-Landkreis.

Laut Industrie- und Handelskammer wurden als Überbrückungshilfe I für die Monate Juni bis August bislang mehr als 13,4 Millionen Euro an 825 Antragsteller aus dem Landkreis München ausgezahlt. 905 Anträge seien von hiesigen Betrieben eingereicht worden. Die durchschnittliche Auszahlung je Antrag habe 16 280 Euro betragen. Aktuell sind 93 Prozent der Anträge beschieden. Von den ausgezahlten Fördergeldern gingen 19 Prozent an Betriebe aus dem Gastgewerbe, 15 Prozent kamen aus dem Wirtschaftszweig "sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen", zu denen unter anderem Reisebüros, Event- und Messeveranstalter zählen. 13 Prozent des Bundeszuschusses wurde an Firmen des Wirtschaftszweiges "freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen" ausgezahlt. Mit insgesamt mehr als 4,3 Millionen Euro erhielt das Gastgewerbe im Landkreis die höchste Förderung. Für das Anschlussprogramm Überbrückungshilfe II können seit Ende Oktober Anträge auf Betriebskostenzuschüsse für die Monate September bis Dezember gestellt werden.

© SZ vom 25.11.2020/hilb
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