Der Mai ist wie geschaffen für die Liebe. Ein Wonnemonat halt oder der „Mozart des Kalenders“, wie Erich Kästner einst befand. Im Mai also spielen Lust und Liebe die erste Geige. Es sprießen die Triebe der Bäume und erwachen dieselben beim Menschen. So in etwa lässt sich die ganze Schweinerei auf den Punkt bringen, die am 1. Mai beginnt, wenn in vielen Orten Burschen riesige Fruchtbarkeitsstangerl in die Vertikale bringen. Die sexuelle Deutung dieser Symbolik hatten bereits unsere Großväter drauf.
Am zweiten Sonntag im Mai haben acht vermummte Männer aus Augsburg in einer Nacht-und-Nebel-Aktion vor dem Eingang eines Radiosenders in Ismaning eine Holzskulptur festgeschraubt in der Absicht, dass dieser für einen guten Zweck versteigert wird. Und damit die Sache richtig Fahrt aufnimmt, musste dieses Kunstwerk natürlich größtmögliches Aufsehen erregen. Das tat es denn auch, denn ein Sicherheitsmitarbeiter des Senders verständigte, als er das Treiben der Bande bemerkte, augenblicklich die Polizei.
Die Polizisten hatten überhaupt kein Problem damit, die sexuelle Deutung der Skulptur zu erkennen: Vor den Beamten stand ein zwei Meter großer Holzpenis. Die acht Schnitzer mussten sich auf Geheiß der Polizei auf den Boden legen, weil die Beamten mitgebrachte Akkuschrauber in der Dunkelheit für Waffen hielten, der Fahrer des Kleintransporters erhielt zudem eine Anzeige wegen Urkundenunterdrückung, weil er das Kennzeichen abgedeckt hatte. Am Ende aber hatten sie ihr Ziel erreicht: Erstens war in der Polizeimeldung über den Einsatz am nächsten Tag von einer Kunstaktion die Rede und nicht von grobem Unfug; zweitens hat der hölzerne Phallus ein neues Zuhause gefunden in der niederbayerischen Stadt Hauzenberg. Den Zuschlag bei der Versteigerung bekam nicht etwa ein Bordellbetreiber, sondern das dortige Kinderwunschzentrum. Hier steht er wohl für Hoffnung und Zuversicht.
Für Freitag war eine feierliche Übergabe des Holzpenis auf dem Gelände des Kinderwunschzentrums mit einem Auftritt der örtlichen Faschingsgarde geplant, die ein Spalier bilden sollte. Vielleicht werden Eltern ihre Kinder zu Hause gelassen haben, weil sie den Augenblick für eine Aufklärung nicht als passend erachteten. Aber für das bunte Rahmenprogramm hat der Veranstalter einen weiteren blitzgescheiten Einfall gehabt: Neben Hüpfburg und Kinderkarussell sollte ein Schokofrüchtestand Kinderherzen höher schlagen lassen. Eigens für den Anlass kreiert: Schoko-Bananen-Phalli.

