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Kommunalwahl in Hohenbrunn:Eine große Familie

Petra Schulz-Geßl, FDP-Gemeinderätin Hohenbrunn. Witwe von Jimmy Schulz. Foto: privat

Nachfolgerin ihres verstorbenen Mannes: die neue Hohenbrunner FDP-Gemeinderätin Petra Schulz-Geßl.

(Foto: Privat)

Petra Schulz-Geßl ist in den Hohenbrunner Gemeinderat gewählt worden - das Gremium, dem ihr Mann, der 2019 verstorbene FDP-Bundestagsabgeordnete Jimmy Schulz, bis zu seinem Tod angehörte. Natürlich für die gleiche Partei.

Netzpolitik sei nicht gerade ihr Leib-und-Magen-Thema, sagt Petra Schulz-Geßl. Aber es war nun einmal das Fachgebiet ihres Mannes, deshalb habe sie sich natürlich auch damit auseinandergesetzt: "Ich habe mir seine Ideen angehört und wir haben uns auch häufig darüber ausgetauscht." Denn die Ehefrau des im November verstorbenen FDP-Bundestagsabgeordneten Jimmy Schulz ist ihm stets Ratgeberin und Unterstützerin gewesen - etwa 30 Jahre lang waren die beiden ein Paar. Nun tritt die Hohenbrunnerin in seine politischen Fußstapfen: Bei der Kommunalwahl am 15. März errang Schulz-Geßl das einzige Mandat für die FDP im Hohenbrunner Gemeinderat. Sie sitzt damit künftig in jenem Gremium, dem ihr Mann seit 2002 bis zu seinem Tod am 25. November 2019 angehörte.

Die erste Zeit nach Jimmys Tod sei heftig gewesen, sagt die 49-Jährige. "Ich habe mich dann selbst abgeriegelt, weil ich Angst vor zu viel Zuspruch hatte." Die Entscheidung, die Beisetzung nur im engsten Familienkreis abzuhalten und die öffentliche Zeremonie der bayerischen FDP in Taufkirchen davon abzukoppeln, sei richtig gewesen, sagt sie. Zwei Monate habe sie in ihrem Job als Lehrerin pausiert und diese Zeit der Trauer genutzt, um den Verlust zumindest ansatzweise zu verarbeiten. "Mittlerweile hat sich der Alltag wieder eingespielt, eigentlich war ich jetzt in der Phase der Wiedereingliederung - da kommt die Schließung der Schulen dazwischen." Schulz-Geßl unterrichtet derzeit an drei Grundschulen im Landkreis Ebersberg, sie wechselt als Fachoberlehrerin zwischen Baldham, Vaterstetten und Parsdorf. Früher hatte sie auch an Mittelschulen unterrichtet und an den Abschlussprüfungen in den sozialen Fachbereichen mitgewirkt.

Die Erzählungen über den Gemeinderat beeindrucken sie nicht

Corona bestimmt das Leben auch in ihrer Familie. Petra Schulz-Geßl ist mit ihrer jüngeren Tochter, die aufs Gymnasium Ottobrunn geht, und ihrem Sohn, der eine Ausbildung zum IT-Kaufmann in der Firma seines verstorbenen Vaters absolviert, zu Hause in Hohenbrunn. Die älteste Tochter, 27, ist ausgezogen ist. Ein wenig hadert sie mit der technischen Ausstattung der hiesigen Schulen: Vergangenen Montag war ja bereits die Lernplattform Mebis wegen einer Hackerattacke in die Knie gegangen. "Warum bieten die Schulen nicht Unterricht via Skype an? Ich finde, da könnte man insgesamt noch viel mehr machen." Überhaupt müsse die Kommunikationsbildung der Heranwachsenden deutlich gestärkt werden, damit sie sich im Internet mit all seinen politischen Fallstricken besser zurechtfinden, betont sie. Aussagen, die im Sinne ihres Mannes wären.

Bei allen Problemen hat die aktuelle Situation in ihren Augen positive Aspekte: "Diese Krise stärkt den Zusammenhalt in den Familien, man verbringt viel Zeit miteinander, kann mal wieder Spiele spielen oder bei schönem Wetter zusammen in die Natur rausgehen", sagt Schulz-Geßl. Dennoch sei das oberste Ziel, die Krise möglichst schnell zu überwinden.

Denn dann will sie ihre Arbeit als Gemeinderätin angehen. Sie habe schon viel vom äußerst diskutierfreudigen Hohenbrunner Gremium gehört, doch die Erzählungen beeindrucken die Newcomerin nicht. Es gehe ihr nicht darum, liberale Ideen einzubringen. "Im Gemeinderat geht es um Kommunalpolitik für den Ort, nicht um Parteipolitik." Sie fühle sich ausschließlich ihrem Gewissen verpflichtet. Auch deshalb verzichtet Schulz-Geßl auf eine Wahlempfehlung für die Stichwahl zwischen Bürgermeister Stefan Straßmair (CSU) und Pauline Miller (ÜWG-Freie Wähler/Bürgerforum). "Jeder Bürger soll diese Entscheidung für sich selbst treffen."

Einst war sie Leistungsschwimmerin bei den Haien

Dabei hätte sie gewiss genügend Kontakte, um die Wahl womöglich entscheidend zu beeinflussen: Sie lebt seit frühester Kindheit in Riemerling, besuchte hier die Grundschule, später die Mittelschule, ehe sie in München ihre Mittlere Reife und später das Fachabitur ablegte. In der Schwimmabteilung des TSV Hohenbrunn, bei den Riemerlinger Haien, war sie früher Leistungsschwimmerin und trainierte unter Jens Lunemann, dem Mann der Grünen-Bürgermeisterkandidatin Anke Lunemann. Mit 15 Jahren begann sie bei den Haien als Trainerin, ist heute für das Babyschwimmen zuständig und leitet eine Präventionsgruppe, in der viele Senioren mit dabei sind. "Meine älteste Teilnehmerin ist 90 Jahre alt", sagt sie nicht ohne Stolz. "Ich bin Herrn Straßmair dankbar, dass er den Bau des neuen Schwimmbads so forciert hat." Doch auch Pauline Millers Engagement als Elternbeirätin sei lobenswert. Ebenso wie jenes der Familie Lunemann im Schwimmverein. "Wir sind halt in Hohenbrunn doch eine große Familie."

© SZ vom 24.03.2020/hilb
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