Bereits ein ganzes Jahrzehnt schwelt der Streit darüber, ob an der Putzbrunner Straße in Hohenbrunn neben den Fußballplätzen des TSV ein Supermarkt gebaut werden darf. Acht Jahre ist es her, dass ein Investor seine Bereitschaft erklärte, das Projekt umzusetzen. Nach zahlreichen Wendungen, politischen Debatten und rechtlichen Auseinandersetzungen ist jetzt offenbar der Weg frei für den ersten Vollsortimenter in der Gemeinde: Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof hat einen Normenkontrollantrag auf Aufhebung des Bebauungsplans abgelehnt. Diesen hatte Egid Schulz gestellt, der frühere Eigentümer eines Autohauses, das hinter dem umstrittenen Grundstück ansässig ist.
Weil auf dem etwa 16 000 Quadratmeter großen Grundstück neben dem Supermarkt auch ein Ärztehaus mit Wohnungen geplant ist, hatte Schulz neben seinen Bedenken wegen der Verkehrssituation vor allem die Lärmemissionen ins Feld geführt, die das Autohaus verursache, insbesondere durch eine Hebebühne im Außenbereich, auf der regelmäßig Reifenwechsel ausgeführt würden. Wie es in der Urteilsbegründung heißt, die der SZ vorliegt, kam jedoch ein Gutachten zu dem Ergebnis, dass „mit keiner Überschreitung des Tagesrichtwerts im Plangebiet durch den Gewerbelärm des Kfz-Betriebes zu rechnen“ sei.
Hohenbrunns Bürgermeister Stefan Straßmair (CSU) zeigte sich am Freitag erleichtert von der Entscheidung des Gerichts, gegen die keine Revision zugelassen ist. „Jetzt ist der Investor am Zug. Wir haben gemäß dem Urteil einen gültigen Bebauungsplan und damit das Go für eine Ausschreibung. Nächste Woche werde ich gleich den Gemeinderat auf den neuesten Stand bringen“, sagte er der SZ. Zudem will der Rathauschef den zügigen Bau des längst beschlossenen Kreisverkehrs im Kreuzungsbereich beim TSV-Gelände an der Einmündung Hubertusstraße und Sportplatz forcieren. Für diesen stehe bereits eine Million Euro im Haushaltsplan. Auch über den Kreisverkehr wurde in den politischen Gremien in den vergangenen Jahren gestritten. Etliche Gemeinderäte hätten an dieser Stelle lieber eine Fußgängerampel gesehen, weil hier viele Jugendfußballer die Bundesstraße queren.
Erst im zweiten Schritt werde man die vorgesehene Wohnbebauung angehen, kündigt Straßmair an. „Das größere neue Wohngebiet am Stieglitzanger in Hohenbrunn-West genießt erst einmal Priorität.“ Dort wird auch eine Realschule gebaut, die für den südöstlichen Landkreis eine hohe Bedeutung hat. Dennoch bleiben auch die Wohnungen an der Putzbrunner Straße, ebenso wie das dort vorgesehene Ärztehaus laut Straßmair vordringlich und würden so bald wie möglich angegangen.
Zuerst stritten die Politiker, später platzte ein Bürgerentscheid über die Parkplätze
Das dürfte auch im Interesse von Johannes Fischer sein. Der Bauunternehmer aus der Oberpfalz wird vermutlich bei der Realisierung des Projekts darauf aus sein, weitere Verzögerungen zu vermeiden. Im Januar 2017 hatte er seine Pläne für einen Supermarkt samt Ärztehaus und Wohnungen den politischen Vertretern der Gemeinde erstmals vorgestellt. Doch immer wieder geriet bei der Verwirklichung Sand ins Getriebe. Zunächst stritten die Gemeinderäte darüber, wie viel Entscheidungsfreiheit man dem Geldgeber gewähren wolle. Auch der ehemalige Autohauseigentümer Schulz trat früh auf den Plan; zunächst, weil er wegen der Größe der geplanten Bauwerke um die Sichtbarkeit seines Betriebs fürchtete.
2019 eskalierte der Streit darüber, ob man die vom Investor geforderten 100 überirdischen Parkplätze nicht durch eine Tiefgarage ersetzen sollte, um die Flächenversiegelung zu beschränken. Obwohl mehr als 1100 Hohenbrunner dafür unterschrieben, einen Bürgerentscheid über diese Frage abzuhalten, zog Initiatorin Sigrid Bauer ihren Antrag zurück, nachdem viele Bürger befürchtet hatten, der Investor könnte seine Bereitschaft zur Errichtung des Supermarkts widerrufen. Nun hat der Rechtsstreit mit dem früheren Eigentümer des Autohauses, der sich über mehrere Jahre hinzog, aus Sicht von Bürgermeister, Investor und allen, die schon lange auf einen Vollsortiment-Supermarkt warten, ein positives Ende genommen.
In einer vorherigen Version dieses Textes wurde Egid Schulz als Betreiber des Autohauses genannt. Mittlerweile ist sein Sohn Egidius dort Geschäftsführer.

