Hohenbrunn Supermarkt nicht gefährden

Initiatoren rechtfertigen Rückzug des Bürgerbegehrens

Von Angela Boschert, Hohenbrunn

Bei einer eigens angesetzten Informationsveranstaltung haben Sigrid und Georg Bauer sowie Hedwig Rietzler erläutert, warum sie ihr Bürgerbegehren für eine Tiefgarage unter dem künftigen Supermarkt trotz des zum Teil vagen Kompromisses zurückgezogen haben. "Ich wollte nicht schuld sein, dass der Supermarkt nicht kommt", fasste Sigrid Bauer ihre Motivation zusammen. Ein Mitglied der fünfköpfigen Erbengemeinschaft, die das Grundstück mehrheitlich verkaufen will, hätte damit dagegen offensichtlich kein Problem: Egid Schulz betonte am Montagabend mehrfach, er werde einen Supermarkt an der jetzt angedachten Stelle verhindern.

Immerhin 25 Bürger, darunter Gemeinderäte, waren gekommen, um die Gründe zu erfahren und über die Zukunft Hohenbrunns zu sprechen. Georg Bauer verwahrte sich gegen die Behauptung von CSU-Mitglied Dieter Alt, beim Sammeln der Unterschriften sei ungenau oder gar falsch informiert worden: "Jeder der Unterzeichneten hat gewusst, dass wir nicht gegen einen Supermarkt an der B 471 sind, aber mit einer Tiefgarage weniger Bodenversiegelung erreichen wollen", sagte Bauer. Die eifrige Diskussion sei gut für Hohenbrunn, waren sich alle, darunter auch Neuzugezogene, einig.

Detailfragen zu dem ausgehandelten Kompromiss konnte Sigrid Bauer zum Teil beantworten. Als Ausgleichsfläche werde der Belag einer Straße innerhalb des nicht zugänglichen Muna-Geländes entfernt, das zahle der Investor. Die versprochene Streuobstwiese soll in der Nähe des Muna-Kreisels entstehen. "Das ist eine klitzekleine Fläche, die lange schon als Magerfläche gedacht ist", informierte Gemeinderätin Martina Kreder-Strugalla (Grüne), "auf die passen höchstens drei Bäume."

Streuobstbäume statt einer arten- und blütenreichen Fläche, auf der viele Wildkräuter gedeihen? Das ist nicht die einzige offene Frage. Auch die Zahl der weiteren Fahrradabstellplätze am Supermarkt und die Größe der Fotovoltaik-Anlage sind noch offen. Auch wer die drei letzten Punkte bezahlt. Ob ein Gehweg an der Straße, die zwischen dem Markt und dem benachbarten Fußballplatz verläuft, eingerichtet wird, ist noch überhaupt nicht klar. Nötig wäre er, darin bestand Einigkeit, auch weil der Kreisel an sich eine neue Gefahrenstelle für Kinder und Sportler bedeute.

"16 500 Quadratmeter als zu bebauende Fläche und 2500 Quadratmeter für einen Parkplatz haben wir, aber 120 Quadratmeter für einen Gehweg nicht", brachte es Sigrid Bauer kopfschüttelnd auf den Punkt. Sie verstehe auch nicht, warum sowohl Flächen des Kreisverkehrs als auch des nördlichen Grasbrunner Wegs, der erweitert werden soll, teilweise auf den angrenzenden Sportflächen liegen sollen. Warum muss Hohenbrunn zahlen und abgeben, der Investor aber nicht, fragte sie in die Runde.

Leidenschaftlich wurde über die Größe des Supermarktes diskutiert. Auch kam mehrfach die Frage auf: Was wollen wir eigentlich? Während Familien und ältere Bürger ihre Einkäufe vor Ort machen wollen, war es für Ralf Multhammer klar, dass er auch zukünftig schwere Getränkekisten mit dem Auto besorgen müsse. Fahre er nach Brunnthal, könne er dort zugleich in die Drogerie gehen und Schuhe kaufen. Bald werde man sein Auto sowieso in einer Tiefgarage parken wollen, weil dort Ladestationen seien und es der Motor dort wärmer habe, sagte ein junger Mann und forderte die Hohenbrunner auf, zu überlegen, wie man das Dorf an sich entwickle und wo dessen Zentrum sei. Er erhielt Beifall.

Das Bebauungsplanverfahren kann jetzt weitergehen. Der Gemeinderat muss noch über die eingereichten Stellungnahmen zu dem im Sommer ausgelegten Bebauungsplanentwurf entscheiden. Und zwar "so schnell, wie es geht", sagte Bürgermeister Stefan Straßmair (CSU), der sich am Montagabend entschuldigt hatte, auf Nachfrage. Dann kommt die zweite öffentliche Auslegung der Pläne. Sobald Baurecht auf dem Grundstück beschlossen ist, könnte der Verkauf des Grundstücks an den Investor vollendet werden. Allerdings war beim runden Tisch am 9. April bekannt geworden, dass sich ein Mitglied der Erbengemeinschaft, der es bisher gehört, das Recht auf eine Tiefgarage vertraglich festschreiben ließ. Über die Auswirkungen wird spekuliert.