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Hohenbrunn:Sonnenstrom von der Autobahn

Hohenbrunn, Rapsmühle Lorenz Ballauf

Der Hohenbrunner Landwirt Lorenz Ballauf hat bereits Solarmodule auf den Dächern seines Bauernhofs. Nun plant er mit einem Investor eine Freiflächen-Fotovoltaikanlage.

(Foto: Angelika Bardehle)

Ein Landwirt plant eine Freiflächen-Fotovoltaikanlage an der A 99.

Wenn Windkraft-Gegner zu Alternativen befragt werden, kommt früher oder später die Rede auf die Kraft der Sonne. Ein beherzter Ausbau der Solarenergie-Produktion im Landkreis München, heißt es dann, könnte helfen, die Energiewende auch im Münchner Umland zu bewerkstelligen. Tatsächlich schlummert in diesem Bereich noch großes Potenzial. Viele Dachflächen sind noch frei von Modulen. Und leistungsfähige Freiflächen-Photovoltaikanlagen existieren kaum. Der Hohenbrunner Landwirt Lorenz Ballauf plant nun mit einem Investor im Rücken, direkt an der A 99 zwei Freiflächen-Anlagen. Im Februar kommenden Jahres könnten die Module installiert werden.

Der Energieatlas Bayern verzeichnet im Landkreis München neun Photovoltaikanlagen auf freiem Feld. Die größte mit 2,4 Megawatt peak betreibt seit 2013 in Garching die Bayernwerk Netz GmbH. Eine Anlage mit 2,2 Megawatt peak existiert laut Energieatlas in Baierbrunn. Dazu kommen noch Anlagen in Unterföhring, in Haar, in Aschheim und eine zweite in Garching, die jeweils ein Megawatt peak übertreffen. Die beiden neuen Anlagen direkt an der Westseite der Autobahn in Hohenbrunn sollen zusammen eine Leistung von knapp 1,5 Megawatt peak haben.

Ballauf hat einen Faible für Energiethemen

Immerhin kann mit diesen beiden neuen Hohenbrunner Kleinkraftwerken zusammengerechnet der Bedarf von 350 Vierpersonen-Haushalten erzeugt werden. Damit komme Hohenbrunn dem Ziel einer Energieversorgung mit "erneuerbaren Energien" ein großes Stück näher, sagt die Hohenbrunner Klimaschutz-Managerin, Ilona von Schaubert. Dennoch räumt sie ein, dass es erst ein Anfang sei. Veronika Preißinger, Beraterin bei der Energieagentur Ebersberg-München, beklagt Hemmnisse beim Ausbau der Photovoltaik auf freiem Feld. Bürokratische Hürden seien hoch, die Förderbedingungen für weniger potente Investoren kaum zu durchschauen. Sie würde sich mehr genossenschaftlich oder kommunal finanzierte Freiflächen-Anlagen wünschen. Als Vorbild nennt sie den Landkreis Ebersberg, wo zwölf Kommunen gemeinsam Anlagen planen.

Lorenz Ballauf ist aus eigenem Antrieb aktiv geworden und holte sich einen Investor an die Seite. Ballauf hat ein Faible für Energiethemen. Vor Jahren montierte er viele Solarmodule auf die Dächer seines Bauernhofs und schaffte eine Ölmühle an, mit der er aus Raps Biosprit produziert. Während Ballauf den Betrieb der Ölmühle wegen höherer Besteuerung runtergefahren hat, kam er über einen persönlichen Kontakt darauf, dass sich Freiflächen-Photovoltaikanlagen am Rand der Autobahn lohnen, wo er über zwei schlecht zu bearbeitende Flächen verfügt.

Auch Kiesgruben kommen in Frage

Freiflächen-Photovoltaik wird nach dem Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) nicht auf beliebigen Standorten gefördert. Vorgesehen sind in erster Linie Flächen entlang von Autobahnen und Zugstrecken sowie Konversionsflächen. Auch minderwertige landwirtschaftliche Flächen und aufgelassene Kiesgruben kommen in Frage, wie in Grasbrunn, wo schon länger Planungen für die mit zehn Megawatt größte Photovoltaikanlage im Landkreis auf einer ehemaligen Kiesabbaufläche laufen. Energieberaterin Preißinger sagt, die Beschränkungen auf bestimmte Flächen solle helfen, wertvolles Land zu schützen.

Die Hohenbrunner Pläne an der Autobahn passen ins Schema. Das Bebauungsplan-Verfahren ist nahezu durch. Eben ging noch eine weniger erfreuliche Stellungnahme der Autobahndirektion Südbayern ein, die fordert, die Module von der Fahrbahn abzurücken, weil Platz für eine Erweiterung der A 99 freizuhalten ist. Etwa fünf Meter gehen Ballauf so verloren. Trotzdem soll das Projekt weiter vorangehen. Ballauf beschränkt sich dabei auf die Verpachtung der Flächen. Der Investor, die Firma Goodyields, baue die Anlage auf und betreibe sie.