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Hohenbrunn:"So hat das wenig Sinn"

Aktive zweifeln an der Arbeit vom Behindertenbeirat

Von Christina Hertel, Hohenbrunn

Seit drei Jahren gibt es in Hohenbrunn den Behindertenbeirat. Am Mittwoch, 12. März, finden erstmals Neuwahlen statt. Doch zwei von drei Mitgliedern wollen nicht mehr antreten. Zum Teil sei die Arbeit frustrierend gewesen, sagt Gudrun Tomlinson, die ihr Amt niederlegt. Maria Künzel, die ebenfalls nicht mehr antritt, meint: In all den Jahren habe sich nur einziger Mensch mit einer Behinderung bei ihr gemeldet. Sie schlägt vor, den Beirat aufzulösen. "Der Seniorenbeirat deckt die meisten Aufgaben ohnehin ab."

Zu der Sprechstunde im Rathaus kam niemand. Zum Stand am Dorffest kaum jemand. Und für das Ferienprogramm, ein Nachmittag mit einem Blindenhund, meldeten sich so wenig Menschen an, dass der Beirat das Ganze absagte. Ist das Gremium überflüssig? Gudrun Tomlinson möchte das nicht glauben. Sie ist Mutter einer Tochter, die eine Behinderung hat und inzwischen erwachsen ist. Früher, sagt Tomlinson, hätte sie sich bei vielen Fragen einen Ansprechpartner und Unterstützung gewünscht - besonders in den Ferien, wenn die Betreuung schwierig war. Tomlinson glaubt, dass der Beirat mehr Aufmerksamkeit hätte bekommen können, wenn er sich besser vernetzt hätte - mit den Schulen, der Arbeiterwohlfahrt und den Kirchen. Doch der Vorsitzende Wolfgang Mathis habe das zu wenig forciert. Dass es in so einem kleinen Gremium überhaupt einen Vorsitzenden geben muss, hält sie für einen Fehler. Gerade im vergangenen Jahr sei der Beirat inaktiv gewesen. "Das ist schade, denn man kann viel daraus machen. Ich würde mir wünschen, dass engagierte Leute noch einmal neu anfangen." Anzupacken gebe es vieles: Der S-Bahnhof in Hohenbrunn ist nicht barrierefrei und viele Geschäfte, etwa die Post, auch nicht. "Ich habe keinen persönlichen Groll, ich denke eher, dass wir verschiedene Auffassung über die Arbeit in dem Gremium hatten", sagt Tomlinson.

Der Vorsitzende Wolfgang Mathis gibt zu, dass er anstelle zu netzwerken, lieber "projektbezogen" arbeitet. Und da habe der Beirat vieles bewirkt: Beim Bau der neuen Mittelschule und beim Wohnbau Projekt Hölzl in Riemerling bezog die Gemeinde den Beirat mit ein, um diese Gebäude möglichst barrierefrei und behindertengerecht zu gestalten. Auch beim neuen Schwimmbad solle das geschehen, sagt Mathis. Beim neuen Quartier an der Putzbrunner Straße sei es denkbar. "Das Bewusstsein in der Gemeinde für unsere Themen ist enorm gewachsen." Doch dass sich wenig Menschen mit einer Behinderung mit Wünschen und Fragen bei dem Beirat meldeten, gibt auch er zu. "Natürlich kann man darüber nachdenken, was wir da in Zukunft anders machen können."

Maria Künzel hingegen zweifelt die Sinnhaftigkeit des Beirats gänzlich an. Sie ist auch Vorsitzende des Sozialverbands VdK in der Gemeinde. Manchmal würden sich am Tag zwei Senioren mit den diversen Anliegen bei ihr melden. Als Vertreterin des Behindertenbeirats rief sie aber so gut wie niemand an. Sie regt deshalb an, die Gremien Senioren- und Behindertenbeirat zusammenzulegen. "So hat das wenig Sinn."

Die Wahl des Behindertenbeirats findet am Mittwoch, 13. März, in der Aula der Riemerlinger Grundschule an der Georginenstraße 4 statt. Beginn ist um 18 Uhr. Voraussetzungen, um sich wählen zu lassen oder selbst aufzustellen: Man ist volljährig, lebt in Hohenbrunn, hat eine Schwerbehinderung oder ist gesetzlicher Vertreter.

© SZ vom 04.03.2019
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