Hohenbrunner Campus:Die Montessorischule bleibt so frei

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Hohenbrunner Campus: Ein Teil Hohenbrunns: Beim Festzug zum 1200-jährigen Bestehen der Gemeinde im Jahr 2014 waren Montessori-Schüler aus Riemerling vorne dabei, doch aus dem Projekt mit der Gemeinde für einen Schulcampus zieht sich der Verein nun zurück.

Ein Teil Hohenbrunns: Beim Festzug zum 1200-jährigen Bestehen der Gemeinde im Jahr 2014 waren Montessori-Schüler aus Riemerling vorne dabei, doch aus dem Projekt mit der Gemeinde für einen Schulcampus zieht sich der Verein nun zurück.

(Foto: Claus Schunk)

Entgegen der bisherigen Planung zieht die Bildungseinrichtung nicht auf das Gelände der künftigen Realschule. Für die Kündigung der Vereinbarung führt der Verein finanzielle Gründe an.

Von Stefan Galler, Hohenbrunn

Der Traum von einem echten Campus auf dem Gelände der neu zu bauenden Realschule Hohenbrunn ist geplatzt: Wie Bürgermeister Stefan Straßmair (CSU) in der jüngsten Gemeinderatssitzung bekanntgab, haben die Verantwortlichen der Montessorischule die Vereinbarung, ein neues Gebäude auf dem Areal "Hohenbrunn West" zu errichten und dort die Lehranstalt zu betreiben, schriftlich aufgekündigt. Grund seien die vor allem durch steigende Zinsen unkalkulierbaren Kosten. "Ich sage es mal so: Die trauen sich nicht", erklärte Straßmair der SZ. Der Rathauschef bedauert diese Entscheidung: "Ich finde das schon deshalb sehr schade, weil ich eine Kooperation zwischen der privaten Montessorischule und der staatlichen Realschule sehr schön gefunden hätte. Alleine schon wegen der Synergien, etwa bei Sportanlagen oder Freizeitflächen."

Anke Lunemann (Grüne), Zweite Bürgermeisterin und ehemals im Vorstand der Montessorischule, die derzeit in der Otto-Hahn-Straße im Ortsteil Riemerling untergebracht ist, zeigt sich gar "traurig" über die aus ihrer Sicht "vertanen Chance". Schließlich war es Lunemann, die den Stein mit ihrer Idee, einen Campus aus beiden Schulen zu bilden, vor mehr als zwei Jahren ins Rollen gebracht hatte. "Die Synergien wären ganz wunderbar gewesen, vor allem das Biotop, das dort in der Nähe der Schulen liegt, hätte der Montessorischule mit ihrem geschmeidigeren Ansatz nutzen können." Der nun bekannt gewordene Ausstieg sei für sie dennoch "nicht super überraschend", schließlich habe sie schon bei den Verhandlungen das Gefühl gehabt, die Montessori-Vertreter stünden "immer ein bisschen auf der Bremse", auch der "Anfangszauber" habe ihr etwas gefehlt.

Dass sich der Elternkreis Montessorischule München-Land aus wirtschaftlichen Gründen zu diesem Schritt gezwungen sah, bestätigt Vorstandsmitglied Peter Merl: "Das Projekt läuft jetzt seit anderthalb Jahren, aber weiterhin ist nicht klar, wie lange die Bauzeit sein wird. Und seit Monaten steigen die prognostizierten Kosten, alleine schon durch die erhebliche Zinserhöhung." Und deshalb sei ihm und seinen Mitstreitern nicht wohl dabei, "als ehrenamtliche Vorstände ins Risiko zu gehen".

Dem Vorstand des Elternvereins ist das finanzielle Risiko eines Neubaus zu groß

Wie Bürgermeister Straßmair hat auch seine Stellvertreterin Lunemann Verständnis für die Entscheidung: "Das ist nachvollziehbar, die Investitionen gehen in den existenzgefährdenden Bereich." Zwar wären die jährlichen Mietbelastungen von 600 000 Euro in der aktuellen Schule auf etwa 150 000 Euro jährliche Erbpacht zurückgegangen, doch das Errichten eines Gebäudes für rund 350 Schüler hätte nach aktuellen Berechnungen etwa 30 Millionen Euro gekostet, von denen nach Abzug der staatlichen Fördermittel etwa zwölf Millionen zu erbringendes Eigenkapital an der Schule hängengeblieben wären. "Das bekommen wir nicht hin, erst recht nicht, weil wir bis zum Ende des Mietvertrags in der Otto-Hahn-Straße ja auch noch eine Doppelbelastung hätten", sagt Peter Merl. "Und der Worst Case wäre dann, wenn wir als Verein im veredelten Rohbau die Grätsche machen."

Die Konsequenzen für den Schulneubau in Hohenbrunn halten sich laut Straßmair in Grenzen. "Wir haben das Gelände gekauft und hätten es gerne verpachtet und die Nutzung geteilt. Jetzt haben wir einen Puffer von 8000 bis 10 000 Quadratmeter, was uns Raum für Erweiterungen der Realschule gibt." Allerdings sei der Grund zu teuer, um ihn dauerhaft brachliegen zu lassen. Er habe jedoch aktuell "nichts im Hinterkopf", was einen kurzfristigen Verwendungszweck anbelangt.

Hohenbrunner Campus: Obwohl nur zur Miete, bleibt die Montessori-Schule an ihrem Standort in Riemerling.

Obwohl nur zur Miete, bleibt die Montessori-Schule an ihrem Standort in Riemerling.

(Foto: Claus Schunk)

Bleibt die Frage nach der Zukunft der Montessorischule, deren Mietvertrag im Sommer 2026 ausläuft. Lunemann geht davon aus, dass es Möglichkeiten gibt, mit den Vermietern über eine Verlängerungsoption zu sprechen, allerdings müsste man dann wohl über eine Aufstockung des Gebäudes sprechen, weil man sonst im schlimmsten Fall mangels Räumlichkeiten womöglich gezwungen wäre, auf eine einzügige Grundschule zurückzustufen. "So weit ich weiß, wollen die Verantwortlichen in Hohenbrunn bleiben", sagt Lunemann. Peter Merl will sich dazu nicht dezidiert äußern, nur so viel: "Wir sind dabei, an der Bestandsimmobilie eine Zukunftsvision zu entwickeln. Vielleicht kommen wir dabei zu einer guten Lösung." Klar ist jedenfalls, dass man sich nicht zurückentwickeln könne, alleine schon weil die Schülerzahlen stabil seien und im Gegensatz zu früher der überwiegende Teil der Kinder auch nach der vierten Klasse im Konzept bleibe und kaum mehr welche aufs Gymnasium wechselten.

Von Seiten der Gemeinde bekommt der Vereinsvorstand jedenfalls volle Unterstützung, wie Anke Lunemann betont: "Die Montessorischule ist eine absolute Bereicherung der Schullandschaft, wir werden ihr auch immer zugewandt bleiben."

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