Hohenbrunn:Klima des Misstrauens

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Hohenbrunns Gemeinderäte streiten über die Pläne für das Areal "Westlich der Bahn", wo ein Wohngebiet und die Realschule entstehen sollen

Von Stefan Galler, Hohenbrunn

Dass der Hohenbrunner Gemeinderat alles andere ist als ein harmonisches Wohlfühlgremium, in dem Vertrauen und Einmütigkeit an der Tagesordnung sind, ist keine neue Erkenntnis. Auch die Verabschiedung des veränderten Flächennutzungsplans, in dem nun das Gelände "Westlich der Bahn" in seiner neuen Komposition mit dem Areal für die Realschule, einem Wohngebiet und dem Erhalt der Sukzessionsfläche im westlichen Teil des Gebiets angepasst wurden, verlief am Donnerstag nicht reibungslos.

Einige Gemeinderäte von Grünen und Freien Wählern/Bürgerforum monierten, das vom Planungsbüro Bgsm vorgelegte Schema entspreche nicht dem, was in vorherigen Sitzungen vom Gemeinderat beschlossen worden und bei der Bürgerversammlung im Oktober vorgelegt worden sei; insbesondere, was den Umfang der Sukzessionsfläche angehe. "So wie der Plan jetzt aussieht, entspricht das eher dem alten Flächennutzungsplan. Aber hier sollte der aktuelle Stand der Überlegungen dargestellt sein", sagte der Grüne Wolfgang Schmidhuber. Pauline Miller (Bürgerforum) sagte, dass sie dem Entwurf nicht zustimmen könne: "Wenn das Konzept Unschärfen hat, dann müsste man das auch zwingend so darstellen."

Stadtplanerin Silke Butenandt-Denk verwies auf fehlende Gutachten, etwa zu Natur- und Artenschutz, Schallemissionen sowie Verkehr und ließ durchblicken, dass erst danach eine genaue Planung des Umfangs der Sukzessionsfläche und von Grünzügen als Lärmschutz für die neue Wohnbebauung möglich sei. Unterstützung erhielt Butenandt-Denk von der Zweiten Bürgermeisterin Anke Lunemann (Grüne): Das Planungsbüro arbeite absolut im Sinne des Gemeinderats, man sitze viele Stunden gemeinsam über den Plänen. Man trage "Sorge und Verantwortung" gegenüber den Bürgern. "Wir müssen es schaffen, dass das Gremium dem vertrauen kann, was wir beschließen."

Genau mit diesem Vertrauen ist es aber offenbar nicht weit her, wie die SPD-Gemeinderätin Mechthild Heinmüller ausführte: "Wir misstrauen uns selbst." Sie sei aber sicher, dass nichts beschlossen werde, auf was man sich nicht geeinigt hätte. Bürgermeister Stefan Straßmair (CSU), der zunächst süffisant bemerkt hatte, die aktuelle Diskussion sei "die Kehrseite der Transparenz und des Mitredens", schlug schließlich vor, einen speziellen Passus in den Beschlussvorschlag aufzunehmen, der den Erhalt der Sukzessionsfläche "in schützenswertem Umfang" garantiere.

Damit überzeugte er einen Großteil des Gemeinderats, lediglich Pauline Miller, Andreas Schlick, Manfred Haucke (alle Bürgerforum) und der Grüne Georg Bauer, der betonte, er sei selbst Kartograf und könne die vorgelegte Darstellung deshalb nicht billigen, stimmten gegen die Verabschiedung des Flächennutzungsplans in der vorliegenden Form.

Nächster Schritt ist nun nach der Einarbeitung der Gutachten eine erste öffentliche Auslegung, die für Anfang 2022 geplant ist. Sobald Stellungnahmen von Bürgern und offiziellen Stellen eingeholt sind, folgt die zweite Auslegung und anschließend die konkrete Ausarbeitung des Bebauungsplans.

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