Klavier im Rathaus Klangvolle Hohenbrunner Geschichte

Das Klavier von Ermanno Wolf-Ferrari steht jetzt im Rathaus. Dessen Mitarbeiter, hier Vanessa Meindl und Stefan Straßmair, nutzen es eifrig.

(Foto: Claus Schunk)

Das Instrument des Komponisten Wolf-Ferrari steht restauriert im Rathaus Hohenbrunn.

Von Antonia Hofmann, Hohenbrunn

Wer genau hinhört, kann in letzter Zeit ungewohnte Klänge aus dem Rathaus in Hohenbrunn vernehmen. In ihrer Mittagspause, sagt Birgit Langenbein von der Gemeinde, würden sich die Kollegen an das alte Klavier setzen und ihre Stücke üben.

Denn seit kurzem hat das Instrument aus massiver Kirsche wieder einen Platz im Rathaus gefunden. Dabei handelt es sich nicht um irgendein Klavier - das Instrument von Ermanno Wolf-Ferrari steht für ein kleines Stück Musikgeschichte.

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Die Gemeinde bekam zur Auflage, das Klavier nie zu verkaufen

Der italienisch-deutsche Komponist (1876-1948), der zu Lebzeiten zu den meistgespielten Opernkomponisten seiner Zeit gehört haben soll, war Anfang des vergangenen Jahrhunderts viele Jahre Bürger Hohenbrunns. Sein Klavier kam später in den Besitz des Kirchenmalers Anton Niedermaier. Dessen Enkelin Solveig Roth schenkte das antike Stück 1996 der Gemeinde - unter der Auflage, dass es fortan stetig in den Gemeinderäumen zu stehen habe und niemals veräußert werden dürfe.

Lange Zeit stand das Klavier im Trauzimmer des Rathauses und wurde bei Hochzeiten bespielt. "Dort fiel dann mal eine Vase um oder Kerzenwachs tropfte drauf", erzählt Langenbein. Mit der Zeit wurden Altersspuren sichtbar. "Es war in einem schlimmen Zustand", sagt Bürgermeister Stefan Straßmair (CSU). "Wir waren nicht sicher, ob es sich wieder herstellen lässt." Jetzt wurde es restauriert.

Klaviere aus Massivholz werden heute nicht mehr gebaut

Sergej Trochin, ein Restaurator aus München, reparierte den Resonanzboden des Instruments, er tauschte die alten Stimmwirbel aus und erneuerte, furnierte, grundierte und lackierte die Holzdecke. Klaviere aus Massivholz wie dieses würden heute gar nicht mehr gebaut, sagt er. Das Wolf-Ferrari-Instrument klinge sehr weich, japanische oder koreanische Modelle hörten sich härter an. "Es hat einen guten deutschen Klang, der in Richtung Klassik geht", sagt Trochin.

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Über zehn Jahre hatte der Komponist mit Unterbrechungen in einer Villa am Nornenweg in Riemerling gelebt, bevor er 1927 für drei Jahre nach Ottobrunn zog. Sein dortiges Zuhause wurde später zum Rathaus der Gemeinde, heute dient es als Haus der Senioren. Auch das Kulturzentrum der Gemeinde trägt seinen Namen. Gerne wird Wolf-Ferrari deshalb noch immer als der berühmteste Bürger Ottobrunns bezeichnet, in Hohenbrunn hingegen erinnert nicht mehr viel an seine Zeit im Ort.

Am Instrument soll an dessen früheren Besitzer erinnert werden

Eben bis auf das alte Klavier. Das Erbe des berühmten Komponisten steht heute wieder öffentlich zugänglich im ersten Stock des Rathauses. "Ich finde es schön, dass wir wenigstens das Klavier haben", sagt Straßmair und grinst.

Noch weist nichts auf seinen ehemaligen Besitzer hin, Langenbein möchte bald ein Schild oder eine kleine Tafel aufhängen. "Vielleicht legen wir noch eine Lektüre mit Opernnoten Wolf-Ferraris dazu", überlegt sie. Auch Bürger und Bürgerinnen sollen auf Nachfrage auf dem Klavier spielen können. Denn Musik, so der Bürgermeister, solle immer greifbar sein.