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Blick in Hohenbrunner Weihnachtswerkstatt:Der Nikolaus trägt heuer Moosgrün

Hohenbrunn, Riemerling, Schokoladenfabrik Fesey

Es muss nicht immer Rot sein: Hugo Seybold mit bunt verpackten Nikolausfiguren der Schokoladenmanufaktur Fesey in Riemerling.

(Foto: Angelika Bardehle)

Für Hugo Seybold, Geschäftsführer der Schokoladenmanufaktur Fesey in Riemerling, hat die Weihnachtszeit längst begonnen - wie alle Jahre wieder, aber mit dem einen oder anderen modischen Trend.

Interview von Ulrike Schuster, Hohenbrunn

Wenn im September die Lebkuchen im Supermarktregal stehen, sind alle genervt. Die Schokonikoläuse, die im Oktober folgen, sind auch nicht beliebter. Nur nicht zu früh an Weihnachten und den Winter erinnert werden, ein Drittel der Deutschen wäre gar für ein Verbot. Hugo Seybold, 53, Geschäftsführer der Schokoladenmanufaktur Fesey im Hohenbrunner Gemeindeteil Riemerling, hat solche Probleme nicht. Für ihn hat die Vorweihnachtszeit schon lange begonnen. Ein Gespräch über den handgemachten Nikolaus, seine Mode und die Frau vom Nikolaus.

SZ: Wie testen Sie die Qualität vom Nikolaus? Beißen Sie vom Kopf ab oder brechen Sie sich mit den Fingern stückchenweise abwärts?

Hugo Seybold: Weder noch, ich tauche den Finger in die glänzende Schokomasse, um zu testen, ob die Temperatur stimmt.

Täglich?

Mehrmals täglich.

Was tun Sie gegen die Kalorien, die Sie da tunken?

Ich laufe in unserem Werk eine Menge Treppen auf und ab, das ist richtig Sport. Das hält meine Linie, aber es sind ja auch keine 100 Gramm Schokolade, die ich jeden Tag verspeise.

Welche Sorten kosten Sie?

Meistens Edelvollmilch, die macht 70 Prozent unserer Produktion aus, 20 Prozent sind Zartbitter und zehn Prozent weiße Schokolade.

Wann verlässt der erste Nikolaus das Fesey-Werk?

Am 6. September, 15 Paletten, also einige Hundert Nikoläuse. Seitdem zwischen einer und vier Paletten pro Tag.

Wohin gehen die?

An Fachhändler, Confiserien, Filialketten und Aussteller. 95 Prozent davon sitzen in Deutschland, der Rest in Italien, Österreich und der Schweiz.

Wann liefern Sie den letzten Nikolaus aus?

In Bayern am 6. Dezember, im Rest Deutschlands am 24. Dezember.

Wie viel wiegt er?

Zwischen vier Gramm und vier Kilogramm.

Macht in Euro?

Zwischen 90 Cent und 60 Euro pro Stück.

Wie viele Hände braucht es, um einen Mann zu erschaffen?

Sieben Paar für etwa sieben Schritte: Bart, Mütze, Stab vom Nikolaus werden in die Form gepinselt; ist alles trocken, gießen wir die flüssige Schokolade obendrauf, schließen die Gussform, stecken sie auf die Schleuder, die Schokolade verteilt sich, die Hohlfigur entsteht; die Form kommt aufs Kühlband, et voilà - der Nikolaus wird aus der Form geklappt, gleitet in die Zellophantüte, erhält Klippschleife und Etikett.

Wozu brauchen Sie Maschinen?

Zum Temperieren, zum Schmelzen und um die richtige Dosis in die Form zu spritzen.

Ziehen Sie den Nikolaus auch an?

Den, den wir nicht bemalen, ziehen wir an. Jeden von Hand, mit Stanniol, in 18 verschiedenen Farben.

Ändert sich sein Outfit von Jahr zu Jahr oder trägt er immer das gleiche?

Er verändert seinen Stil in großen Zyklen. In den Siebzigern wurde das Stanniol noch bedruckt - Gesicht, Mantel, Stab; da musste äußerst akkurat stannioliert werden. Heute gibt's entweder reines, einfarbiges Stanniol über den Schokokörper oder die Bemalung direkt auf die schwarze Haut.

Welche Farben liegen derzeit im Trend?

Knallige, poppige Farben - Karminrot, Moosgrün und Champagner. Die Dekorateure wählen nach der Tischdecke aus, so wie die Mädchen ihr Lebkuchenherz passend zum Dirndl wählen.

Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, die Frau vom Nikolaus in Form zu gießen?

Die gibt es schon. Das ist die Nikoleta mit roter Jacke und schwarzen Stiefeln.

Wie viele Männer hat sie zur Wahl?

Rund 40. In dünn, dick, mit Stock, Sack, Schlitten, Ski und Moped.

Verschenken Sie den Nikolaus auch an Freunde?

Klar, ich bin ja von ihm überzeugt, jeder Nikolaus ist ein Handwerksprodukt, etwas Besonderes. Bloß bei den Farben muss ich den Überblick behalten, um dieselbe Farbe nicht zwei Jahre hintereinander zu verschenken, sonst glaubt ein Freund nur noch an den roten Nikolaus.

Was machen Sie, wenn der Nikolaustag ausfällt, weil ihn niemand mehr feiert?

Dann gießen wir Zwerge, Hufeisen und Glücksschweine. Süßes gegessen wird immer.

© SZ vom 05.10.2016/belo
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