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Hohenbrunn:Chemiewerk vor dem Aus

Hohenbrunn, Firma Merck-Schuchardt

Hohenbrunn ist einer von vier Produktionsstandorten, die aufgelöst werden sollen.

(Foto: Angelika Bardehle)

Merck-Schuchardt will den Standort Hohenbrunn bis 2022 schließen. Für viele der 110 Mitarbeiter ist das ein Déjà-vu-Erlebnis.

Bei den Mitarbeitern des Chemie-Unternehmens Merck-Schuchardt in Hohenbrunn herrscht Bestürzung: In einer Betriebsversammlung wurde den Angestellten Mitte vergangener Woche mitgeteilt, dass bis 2022 vier deutsche Standorte geschlossen werden sollen, darunter Hohenbrunn, wo derzeit 110 Arbeitnehmer beschäftigt sind. Der Betrieb sei "in Schockstarre", sagt Stefan Plenk, Sekretär der zuständigen IG Bergbau, Chemie und Energie. "Einige Mitarbeiter sind total fertig", sagt Plenk. "Bei der Bekanntgabe war die Stimmung ganz schön heftig." Einzelne Angestellte hätten die Tränen nicht zurückhalten können.

Zumal den Angestellten nicht klar ist, welche Gründe hinter der Schließung des Unternehmens stecken, das seit 1949 in der Gemeinde tätig ist. In Hohenbrunn werden Lösungsmittel, Reagenzien und Feinchemikalien produziert und abgefüllt. Laut Gewerkschaftssekretär Plenk arbeitet der Betrieb seit Jahren effizient, profitabel und erfolgreich. "Die Mitarbeiter und wir können nicht nachvollziehen, dass bewährte Strukturen und profitable Betriebsabläufe einfach eingestampft werden sollen", so Plenk. "Der Standort Hohenbrunn würde sich auch selbst tragen können, es gibt keine roten Zahlen. Und es ist kein Verwaltungsstandort, in diesem Fall würde eine Zentralisierung mehr Sinn machen als bei einer Produktionsstätte."

Geplant ist ein zentrales Kompetenzzentrum in Schnelldorf

Denn genau darum geht es bei den Plänen von Merck-Schuchardt: Wie der Mutterkonzern Merck in einer Pressemitteilung schreibt, will man die Produktion und Abfüllung "in einem zentralen Kompetenzzentrum in Schnelldorf" bündeln und dafür rund 90 Millionen Euro investieren. Während die Standorte Darmstadt und Buchs in der Schweiz weiterentwickelt werden sollen, wird der Betrieb an den Standorten Steinheim, Eppelheim, Hohenbrunn und Berlin "verlagert und im Laufe der Jahre 2019 bis 2022 schrittweise eingestellt".

Genau dieser Zeitplan könnte nun den Arbeitnehmervertretern in die Hände spielen, denn seit 2012 existiert für Hohenbrunn ein Standortsicherungsvertrag, der bis Ende 2019 Gültigkeit hat und damit noch läuft, wenn der Abbau bereits begonnen haben soll. "Das ist momentan unser Pfand", sagt Stefan Plenk, der allerdings noch nicht absehen kann, ob der erwähnte Standortsicherungsvertrag tatsächlich rechtlich bindend ist. Im Hintergrund würden zahlreiche Gespräche laufen: "Wir wollen klar den Eindruck vermitteln, dass das nicht das Ende sein muss. Auch die 2005 verkündete und für 2012 geplante Schließung konnten wir abwenden", sagt der Gewerkschaftsmann.

Bei der Konzernleitung gibt man sich gesprächsbereit: "Wir nehmen unsere Verantwortung gegenüber Kunden und Belegschaft sehr ernst", sagt Udit Batra, Mitglied der Geschäftsleitung von Merck und CEO des Unternehmensbereichs Life Science. "Wir werden eng und vertrauensvoll mit den zuständigen Arbeitnehmervertretern zusammenarbeiten, um gemeinsam faire und tragfähige Lösungen für die Mitarbeiter zu vereinbaren, die von den Verlagerungen betroffen sind."