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Hohenbrunn:Bauherr und Betreiber

In Eigenregie will die Gemeinde Wohnungen errichten und vergeben

Von Christina Hertel, Hohenbrunn

Wohnraum ist überall im Landkreis knapp und teuer - auch in Hohenbrunn. Um das zumindest ein bisschen zu ändern, will die Gemeinde auf einem eigenen Grundstück an der Robert-Bosch-Straße in Riemerling-West 20 Wohnungen und eine Kinderbetreuungseinrichtung bauen. Kosten soll das zwischen sechs und acht Millionen Euro. Das hat der Gemeinderat am Donnerstag beschlossen. Das Besondere an diesem Projekt: Hohenbrunn selbst wird der Bauherr und Betreiber sein. Denn die Gemeinde möchte alleine entscheiden, wer die Wohnungen beziehen soll. Dafür will Bürgermeister Stefan Straßmair von der CSU eine Art Einheimischen-Modell erarbeiten.

In Hohenbrunn, sagt Straßmair, gebe es zwei Probleme: Junge Menschen, die sich zum Beispiel in der Feuerwehr oder dem Burschenverein engagieren, müssen wegziehen, weil sie keine kleine, günstige Wohnung in der Gemeinde finden. Und ältere Menschen würden gerne aus ihrem großen Haus mit den vielen Treppen und der tiefen Badewanne in eine barrierefreie Wohnung ziehen. Nur kriegen sie keine. Das soll sich bald ändern. Bis 2019 will die Gemeinde 20 Wohnungen auf einem Grundstück an der Robert-Bosch-Straße in Riemerling bauen. Der Mietpreis, so stellt sich Straßmair das zumindest vor, soll zwischen acht und zehn Euro pro Quadratmeter liegen. Alle Wohnungen, zwischen 25 und 75 Quadratmeter groß, sollen barrierefrei sein, damit ältere und behinderte Menschen dort ohne Probleme leben können. Vergeben will Straßmair die Wohnungen nach einem Punktesystem. Besonders berücksichtigt soll zum Beispiel die Ortsansässigkeit, das soziale Engagement, aber auch die finanzielle Situation der Bewerber werden.

Leisten kann sich die Gemeinde dieses Projekt, weil sie ein kommunales Wohnbauförderungsprogramm des Freistaats in Anspruch nimmt. Die Förderung setzt sich zusammen aus einem Zuschuss in Höhe von 30 Prozent der förderfähigen Kosten und 60 Prozent zinsverbilligtem Darlehen. Der Eigenanteil, den die Gemeinde leisten muss, beträgt zehn Prozent. Diesen kann Hohenbrunn durch das Grundstück, das der Kommune gehört, einbringen. Weil es diese Art der Förderung nur noch bis Ende 2019 gibt, muss das Projekt bis dahin fertig gestellt sein. Das heißt: Der Baubeginn soll bereits nächstes Jahr erfolgen.

Um die Bürger zu informieren, möchte Straßmair noch diesen Herbst eine Informationsveranstaltung auf die Beine stellen. Er fürchtet, dass manche Anwohner vor allem wegen des Verkehrs Bedenken haben könnten. Denn auf dem Areal soll in Zukunft voraussichtlich nicht nur gewohnt werden - auch eine Kinderbetreuungseinrichtung mit Krippe und Kita sind angedacht. Die Verwaltung prüft gerade, ob dafür Bedarf besteht.

Schon jetzt sei der Verkehr in der Robert-Bosch-Straße ein Problem, sagt Gemeinderat Andreas Schlick vom Bürgerforum. Denn die Straße sei eigentlich eine Zufahrt in das Gewerbegebiet. "Selbstverständlich bin ich auch für günstigen Wohnraum, aber ich finde es schade, dass man hier nicht versucht hat, eine größere, weitgehendere Lösung zu erarbeiten." Deshalb stimmte Schlick gegen das Projekt - blieb aber der einzige.

Straßmair entgegnete, dass ein Erschließungs- und Verkehrskonzept mit bedacht werde. Und dass auch ein Gutachten erstellt werden soll. Vorstellen könnte er sich, dass die Parkplätze für die Kita - außer zu den Bring- und Abholzeiten - von der Allgemeinheit genutzt werden könnten.

© SZ vom 23.09.2017

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