bedeckt München 27°

Hohenbrunn:Alternative Campuslösung

Hohenbrunner Idee von Synergien bei Real- und Montessorischule

Von Stefan Galler, Hohenbrunn

Noch immer ist nicht klar, ob die vom Kultusministerium bewilligte Realschule im südöstlichen Landkreis tatsächlich wie vorgesehen in Höhenkirchen-Siegertsbrunn gebaut wird. Der Gemeinderat der Nachbargemeinde Hohenbrunn hat in seiner Sitzung am Donnerstagabend jedenfalls seine Bereitschaft, im Fall der Fälle einspringen zu wollen, massiv unterstrichen: Einstimmig verabschiedete das Gremium eine entsprechenden Erklärung.

Während in Höhenkirchen-Siegertsbrunn die Abkehr von einer Campuslösung, wie sie der Zweckverband Staatliche weiterführende Schulen im Südosten des Landkreises München fordert, zuletzt das ganze Projekt ins Frage gestellt hat, peilt Hohenbrunn nun genau eine solche an. Die Zweite Bürgermeisterin Anke Lunemann (Grüne) schlug vor, Gespräche mit der Montessorischule Hohenbrunn über eine Kooperation aufzunehmen. Deren Mietvertrag in der Otto-Hahn-Straße laufe aus, "ich finde es aber wünschenswert, die Schule am Ort zu halten", so Lunemann. Bürgermeister Stefan Straßmair (CSU) zeigte sich von der Idee angetan: "Damit könnten wir die Finanzierung auf mehrere Schultern verteilen", sagte der Rathauschef und zeichnete sogleich die Vision von einer "ÖPP, einer öffentlich-privaten Partnerschaft".

Einhellige Meinung im Gremium war, zunächst abzuwarten, ob es in Höhenkirchen-Siegertsbrunn noch zu einem Meinungsumschwung kommt. Regina Wenzel (SPD) sprach in diesem Zusammenhang von einem "Gebot der Fairness". Sie betonte, dass auf die Nachbargemeinde derzeit von Seiten des Zweckverbands "massiv Druck ausgeübt" werde und verwies darauf, dass es in der Kommune womöglich zu einer Bürgerbefragung komme, die das Blatt schnell wenden könnte. Zudem regte die Sozialdemokratin an, im Falle eines Zuschlags für Hohenbrunn, den aktuellen 23-Millionen-Euro-Bau eines neuen Schwimmbades als Argument für eine finanzielle Kompensation anzuführen. Straßmair erwiderte: "Der Zweckverband wird sich dadurch kaum von der Forderung abbringen lassen, dass wir ein Grundstück einbringen müssen. Sonst würde er einen Präzedenzfall schaffen." Die Grüne Martina Kreder-Strugalla unterstrich, wie wichtig eine "kreative Lösung" sei, was die Finanzierung angeht. "Wenn wir uns on Top zu den Investitionskosten für das Hallenbad verschulden, sind die Spielräume für die nächste Generation weg", sagte sie.

Bei der Auswahl eines möglichen Standorts war sich das Gremium einig, dass das derzeit entwickelte Wohngebiet "westlich der Bahn" wegen der Nähe zur S-Bahnstation ideal für eine Schule geeignet sei. Sollte es tatsächlich noch zu einem Wechsel bei der Standortgemeinde kommen, wäre der Zeitplan laut Straßmair "nicht unsportlich". Um die Realschule im Schuljahr 2024/25 oder 2025/26 in Betrieb nehmen zu können, müsste innerhalb der nächsten zweieinhalb Jahre ein Bebauungsplan stehen.

Kritik kam von Manfred Haucke (Freie Wähler), der sich für die Sitzung konkretere Informationen gewünscht hätte und entsprechende Pläne einforderte: "Wenn Höhenkirchen nicht realisierbar ist, müssen wir da sein."

© SZ vom 27.06.2020

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite